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Der Stil von Regisseur Walter Hill (Nur 48 Stunden, Ausgelöscht) ist unverkennbar und niemand ist es jemals gelungen, das Großstadtflair der 80er Jahre dermaßen schmuddelig und gewollt farblos darzustellen. Kurz gesagt, ich mag die Optik von Hills Filmen, nicht nur weil sie an den Film noir erinnern. Komplettiert wird das Ganze meist durch einen rein instrumentalen Score, hier wieder durch Ry Cooder, der erneut exzellente Arbeit leistet. So ist auch "Johnny Handsome" in Punkto Atmosphäre und Optik ein absolutes Aushängeschild, zählt jedoch zu Hills schwächeren Arbeiten. Er ist nun mal ein Actionregisseur, auch wenn er sich mit "Long Riders" und "Zum Teufel mit den Kohlen" in fremde Gefilde wagt. Hier versucht er sich an der Novelle "The Three Worlds of Johnny Handsome" von John Godey, zu dem Ken Friedman (Bad Girls, Mr. Billion) das Drehbuch lieferte. Eine Mischung aus Action und Drama erwartet uns, doch vor allem ersteres wird sehr spärlich bedient.
Doch das größte Problem ist die Hauptfigur selbst, der Funke will einfach nicht überspringen. Dabei soll uns John Sedley (Mickey Rourke) doch eigentlich leid tun, denn durch sein missgebildetes Gesicht ist er das Gespött der Menschen langsam gewöhnt. Er ist ein Produkt des Systems, welches durch seine Unvollkommenheit in die Kriminalität geflüchtet ist.

Lt. A.Z. Drones (Morgan Freeman) ist ihm jedenfalls auf den Fersen, denn im Taktieren ist Johnny ganz groß. So hilft er seinem langjährigen Freund Mickey (Scott Wilson) einen Plan für einen Juwelierraub auszuarbeiten, doch das Ganze geht schief weil der Gangster Rafe (Lance Henriksen) und dessen Flamme Sunny (Ellen Barkin) Mickey hintergehen und die Beute einsacken. Mickey wird erschossen und Johnny landet im Knast. Und da es uns schwer fällt mit Johnny mitzufiebern, wird der kommende Part ziemlich zäh. Da Johnny bei einer Attacke niedergestochen wird, darf er in das Programm von Dr. Fisher (Forest Whitaker), welches der Resozialisierung dient. Außerdem wird Johnny operiert und hat nun ein völlig neues Gesicht. Er beginnt in einem Stahlwerk zu arbeiten und verguckt sich in die Studentin Donna (Elizabeth McGovern). Mickey Rourke liefert hier größtenteils eine Einmannshow und sein Schauspiel gefällt sehr gut. Jedoch ist "Johnny Handsome" eine sehr zähe Angelegenheit, denn Johnnys Weg zurück in die Gesellschaft ist nicht sonderlich interessant. Ein wenig Sozialkritik vermag da nicht zu helfen und bis Johnnys Rachepläne sich endlich entfalten, da ist das letzte Drittel schon eingeläutet.

Action gibt es so gut wie gar nicht, da wäre der Juwelierraub zu Beginn, der Überfall auf die Werft und das kurze aber brutale Finale. Ein wenig Schusswaffengebrauch, ein bisschen Gekloppe und ein paar Sachschäden reichen einfach nicht aus, um uns lückenlos zu unterhalten. Auch wenn Hill dabei wie gewöhnlich ein paar Blutbeutel platzen lässt und die Gewalt in kurzen Momenten explodiert. Besonders die Lovestory zwischen Johnny und Donna hält das eigentliche Geschehen auf, für ein wenig bissigen Humor sorgen zumindest die Sticheleien zwischen Rafe und Sunny. Die Promimenz kann "Johnny Handsome" nur bedingt aufwerten, besonders Morgan Freeman und Forest Whitaker liefern eine mäßige Vorstellung für ihre Verhältnisse. Dafür geben Lance Henriksen und Ellen Barkin ein teuflichisches Gangsterpaar ab, denen man den Tod förmlich wünscht.

Der Funke will einfach nicht überspringen, dabei ist "Johnny Handsome" wahrlich kein schlechter Film. Optisch und musikalisch ist der Film klasse, doch die Geschichte selbst offenbart keinerlei Überraschungen und ist sehr langatmig umgesetzt. Actiontechnisch gibt es eigentlich nur drei Szenen zu bewundern, die auch dementsprechend kompromisslos ausfallen. Aber alles in allem funktioniert dieses Actiondrama nicht gut genug, die Hauptfigur kann den Zuschauer nicht für sich einnehmen und der Mittelteil ist viel zu ereignislos.

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