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Nachdem ich „Operation Broken Arrow“ gesehen hatte, dachte ich eigentlich, dass es um John Woo nun geschehen war, nun da er in Hollywood die große Kohle scheffelt. Aber Face/Off belehrte mich dann doch definitiv eines Besseren. Allein schon die für heutige Verhältnisse unglaublich vetrackte Handlung, die in einem fulminanten Verwirrspiel endet, obwohl der Zuschauer weiß, wer wer ist, ist schon eine geniale Sache für sich. Hinzu kommt wahrlich donnernde Action vom feinsten, durch die der Altmeister und seine Wurzeln in Hongkong wahrlich zu erkennen sind.

Die Grundstory ist schnell erklärt, weil grundsätzlich simpel doch trotz alledem in der Ausführung sehr trickreich: Ein FBI Cop (Travolta) jagt einen Terroristen (Cage), der vor längerer Zeit seinen Sohn ermordete. Der Terrorist kann zwar überführt werden, landet jedoch ungünstigerweise im Koma und man findet zu allem Übel heraus, dass er irgendwo in L.A. eine Bombe versteckt hat, deren Zündung Zehntausende töten wurde. Die Antwort auf das Wo kennt leider nur der Bruder des Terroristen, der jedoch im Knast sitzt und zudem äußerst paranoid ist und niemandem außer seinem Bruder vertraut. Als lässt sich Travolta das Gesicht von Cage vorübergehend raufoperieren, um ins Gefängnis eingeschleust zu werden und die Antwort vom Bruder zu erstehlen. Währenddessen jedoch erlang Cage das Bewusstsein wieder und zwingt die Ärzte dazu, sich das Gesicht von Travolta geben zu lassen. Der fatale Rollentausch hat nicht nur im Beruf seine Folgen.

Klingt auf den ersten Blick relativ hanebüchen, wirkt jedoch in der filmischen Ausführung durchaus nicht unlogisch und dient als Instrument für einen gewitzten, bis ins tausendste durchdachten Actionthriller erster Güte. Und auch der Gesichtstausch wird im Laufe des Films immer unwichtiger, wenn das Katz- und Mausspiel einen Höhepunkt nach dem anderen durchwandert. Lediglich das Finale schwächelt meiner Meinung nach ein wenig – hier passiert dann doch irgendwie nicht genug. Doch dazwischen stimmt in der Tat alles. Der Ausbruch aus dem Hochsicherheitstrakt, das Gefecht beim Gangsterboss, die Kontaktaufnahme von Cage (als Travolta) zu seiner Frau usw.

John Woo hat hier einen wahrhaftigen Actionhammer hingezaubert, und es handelt sich durchaus um seinen besten Film seit seines Hollywood-Einstands. Der Gewaltgrad ist grundsolide, ufert nicht unbedingt so aus wie in älteren seiner Filme, und auch der Body Count bleibt auf dem Teppich, was der Action jedoch keinen Abbruch tut, da sie durch exzellente Kameraarbeit und die Woo-übliche Stilisierung des Tötens durch die Bank weg unterstützt wird.

Einer der besten amerikanischen Actionfilme der 90er.

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