Dieser Film wird von vielen Actionfans als John Woo`s Bester gehandelt. Mit Recht, denn "Face/Off" ist schlicht ein Highlight des jüngeren Hollywood-Actionkinos und ein Meilenstein in Sachen ästhetisierter Bildsprache. Dass die Gewalt dabei größtenteils opernhaft stilisiert inszeniert wurde (und somit in ihrer Darstellungsweise äußerst zweifelhaft ist) gerät dabei zur Nebensache.
Zur Story: Um herauszufinden, wo der komatöse Castor Troy (Nicolas Cage) eine Bombe versteckt hat, wird FBI-Agent Sean Archer (John Travolta) als Castor (!) ins Gefängnis infiltriert, um von Pollux - Castors Bruder - entsprechende Informationen zu erhalten. Schade nur, dass währenddessen Castor aus dem Koma erwacht und sich zu Sean Archer "umoperieren" (!) lässt...
Sieht man einmal von der haarsträubenden Grundidee des Films ab, offenbart sich eine Story, die mit den ihr immanenten Themen spielt und sich mit ihnen auseinander setzt. Die Frage nach Identität und was sie ausmacht wird ebenso behandelt wie die Themen Familien-Zusammengehörigkeit, Liebe und Hass. Pseudo-philosophische Ansätze um Mythologie und den Wert des ("normalen") Lebens wirken allerdings (ebenso wie der Einsatz übertrieben gefühlvoller Passagen) bemüht und aufgesetzt.
John Woo hat es eben nicht so mit Philosophie, schon eher mit genial choreografierten Action-Szenen, welche in den grandiosen Stunts und der exquisiten Bebilderung ihresgleichen suchen. Weiße Tauben als (religiöses?) Symbol, zahlreiche Verfolgungsjagden und Zeitlupeneffekte dürfen dabei natürlich nicht fehlen und geben dem Zuschauer das, wonach er (eigentlich) verlangt: ein mitreißendes Actionspektakel mit hohem Schauwert.
Vermochte sich John Woo selbst in Sachen furiosen Action-Timings in "M:I 2" noch zu übertreffen, konnte dort doch die sinnfreie Story nicht überzeugen. Und natürlich hat auch "Face/Off" einige Logiklöcher aufzuweisen, welche allerdings aufgrund der demonstrierten Action-Perfektion kaum ins Gewicht fallen.
Kein Actionfilm für Intellektuelle, aber ein Baller-Film mit Anspruch - das charakterisiert John Woos bis dato besten Hollywood-Film wohl am Besten. Auch wenn der Zuschauer keine tiefgründigen philosophischen Erkenntnisse mitnehmen wird, bleibt am Ende doch ein kleiner Denkanstoß, welcher allerdings in perfektionistischer Opern-Action untergeht.