„Face/Off – Im Körper des Feindes“ knüpft mit seiner Mischung aus Action und Emotion wieder an die alten HK-Werke des Meisters John Woo an und verschaffte ihm größten Respekt in Hollywood.
Die Eröffnungsszene ist durch die fast schwarz-weiße Darstellung als Rückblende zu erkennen: Der FBI-Agent Sean Archer (John Travolta) und sein kleiner Sohn fahren Karussell, doch abseits des Rummelplatzes legt bereits der Terrorist Castor Troy (Nicolas Cage) auf Archer an. Er trifft Archer, aber die Kugel verfehlt sein Herz und tötet beim Austreten Archers Sohn. Diese Art von Dramatik fehlte in den anderen Hollywoodfilmen John Woos, was „Harte Ziele“ allerdings durch eine geballte Ladung Action wettmachte.
So erleben wir die beiden Kontrahenten auch Jahre später. Castor ist ausgelassen und freut sich eine Bombe platziert zu haben; zudem nutzt er seine Priesterverkleidung, um eine Chorsängerin zu begrabbeln. Archer hingegen versucht verbissen ihn aufzuspüren und Rache für seinen Sohn zu nehmen. Als Castors kleiner Bruder Pollux (Alessandro Nivalo) einen Fehler macht, kann das FBI die Terroristen am Flugplatz stellen. Pollux wird verhaftet und Castor fällt ins Koma. Die Verhaftung ist wieder mit dem typischen Elan von John Woo inszeniert worden: Ein temporeiches Shoot-Out voller Zeitlupe, beidhändigem Ballern etc.
Doch Castors Bombe ist immer noch eine Bedrohung und so lässt sich Archer auf einen brisanten Auftrag ein: In einer speziellen Operation wird ihm Castors Gesicht aufgesetzt, womit er Pollux über den Standort der Bombe aushorchen soll. Nur er kommt für den Job in Frage, da er sich so eingehend mit Castor beschäftigt hat. Die ganze Aktion klappt, doch dann erwacht Castor aus dem Koma, lässt sich Archers Gesicht aufsetzen und schlüpft in dessen Rolle. Während der FBI-Agent im Gefängnis sitzt, da keiner um seine wahre Identität weiß, nutzt Castor seine neue Rolle aus. Doch dann bietet sich für Archer die Chance freizukommen und Castor zu stoppen...
Mit einem originellen Plot hebt „Face/Off“ direkt in die Action-Oberliga ab. Die Geschichte ist innovativ, spannend und mit Augenzwinkern inszeniert. Denn es entbehrt doch einer gewissen Komik, wie sich die beiden Kontrahenten in der Rolle des anderen verhalten (z.B. die Szenen, wenn Castor mit Archers Tochter quatscht). Zwar könnte der Plot etwas schneller in Gang kommen, aber diese Schwäche fällt eigentlich erst beim mehrmaligen Ansehen auf.
Der besondere Clou ist natürlich, dass Cage und Travolta sowohl den Guten als auch den Bösen spielen. Travolta ist zwar länger als Fiesling zu sehen, aber nachdem er John Woo schon in „Operation: Broken Arrow“ seine Qualitäten als herrlich fiese Möpp bewies, ist das nicht weiter verwunderlich.
Die Action ist mal wieder super gelungen und besitzt im Gegensatz zu „Broken Arrow“ auch den typischen Woo-Stil in den ausgiebigen Shoot-Outs. Diese sind zwar weniger blutig als die von „Harte Ziele“, aber der Bodycount ist höher als in John Woos US-Erstling. Zudem kann man noch einige atemberaubende Stunts wie den Sprung von der Bohrinsel und eine fantastische Verfolgungsjagd per Boot genießen.
Die Schauspieler sind ebenfalls erste Sahne. Cage spielt zwar nicht ganz so gut wie der beindruckend fiese Travolta, der sichtlich Spaß an der Rolle hatte, braucht sich aber dennoch nicht zu verstecken. Auch die Nebendarsteller (u.a. Joan Allen, Dominique Swain und Alessandro Nivola) können sich sehen lassen. Außerdem ist es eine Wohltat sexy Gina Gershon nach dem Megaflop „Showgirls“ mal wieder in einer komplexeren Rolle zu sehen.
Mit „Face/Off“ kann John Woo direkt an die Mischung aus Action und Dramatik seiner HK-Werke anknüpfen und hat einen temporeichen Action-Thriller geschaffen.