"Guck ich jetzt in den Spiegel oder doch nicht?"
Schon Jahre verfolgt FBI-Agent Sean Archer (John Travolta) den Terroristen Castor Troy (Nicolas Cage), der bei einem Anschlag auf Archer versehentlich dessen Sohn ermordete. Nachdem Troy eine Zeitbombe in Los Angeles deponiert, macht sein Bruder Pollux (Alessandro Nivola) einen Fehler und lässt sich öffentlich blicken. Die Sichtung wird dem FBI mitgeteilt, woraufhin Archer und sein Team beide festnehmen können.
Nach der Festnahme möchte Archer ein Versprechen einlösen und sich wieder mehr um seine Frau Eve (Joan Allen) und seine Tochter Jamie (Dominique Swain) kümmern. Da allerdings niemand außer den Troy Brüdern weiß, wo die Bombe versteckt ist, verschiebt sich dieses Bedürfnis. Zunächst unterzieht er sich heimlich einer Operation und lässt sich von dem im Koma liegenden Castor Troy dessen Gesicht aufsetzen um von dem haftierten Pollux den Standort der Bombe zu erfahren. Schon nach kurzer Zeit hat er die Information. Doch währenddessen erwacht Castor aus dem Koma und schlüpft in Archer's Identität.
John Woo's erste Filme in Hollywood waren nicht das, was man zuvor von ihm gewohnt war. Actionfilme, wie "Hard Boiled" und "Blast Killer" waren wegweisende und überaus angesehene Werke von ihm. Und von diesen sah man nichts in seinen Frühwerken in Hollywood. Aber dann kam "Im Körper des Feindes", der von Anfang an Woo's Handschrift, wie dem exzessiven Einsatz von Zeitlupen sowie weiße Tauben zum Showdown, durchblitzen lässt und auch noch massentauglicher als seine asiatischen Filme ist.
Bei der Handlung bedient sich "Im Körper des Feindes" utopischer Elemente. Die Gesichtsoperation mag zwar noch annähernd glaubhaft sein, die Wahrscheinlichkeit den ganzen Körper an einen anderen anzugleichen ist es jedoch nicht. Auch später ist so manches Ereignis bedingt durch den Identitätentausch nicht ganz nachvollziehbar. Dies fällt aber garnicht so sehr ins Gewicht, viel zu sehr fasziniert der optimale Wechsel von brachialer Action und tiefsinniger Handlung.
Schnell sind die Figuren eingeführt und mit nachvollziehbaren Merkmalen versehen. Dies ist insofern sehr wichtig, da der Identitätswechsel etwas unerwartetes eröffnet: Die Versuche im Leben des Anderen zurecht zu kommen. Dies funktioniert insofern, da beide gegensätzliche Charaktere eine ähnliche Ausgangssituation haben aber ihre Vorgehensweise gänzlich anders ist. So lösen sie die zahlreich integrierten Wünsche und Probleme der naheliegenden Figuren ganz anders und so gesehen auch optimaler. Aber selbstverständlich ist bei Protagonist und Antagonist der Wunsch, den Anderen zu eliminieren bzw. sein eigenes Leben wieder zurück zu haben, stärker, was eine dauerhafte Konfrontation der Beiden aufrecht hält.
Und diese Konfrontationen haben es in sich. Neben Flugzeugcrashs und einer Motorbootverfolgung stehen die Schießereien im Mittelpunkt. Die Action ist eher überzogen und nicht unbedingt bodenständig, gibt aber optisch einiges her. Gewaltige Explosionen sowie funkensprühende oder gemäßigt blutige Einschüsse zu den obligatorischen Zeitlupen sehen verdammt gut aus. Aber auch nebenbei gibt sich "Im Körper des Feindes" überaus cool, beispielsweise wenn sich der Antagonist lässig einen Mantel ausziehen lässt oder die Sonnenbrille zum Standard in den Gesichtern wird. Nur gegen Ende lässt die temporeiche Wucht ein wenig nach.
John Travolta ("Pulp Fiction", "The Punisher") und Nicolas Cage ("The Rock - Fels der Entscheidung", "Con Air") liefern eine hervorragende Performance. Ihre wechselnden Rollen sind zwar mit übereifriger Spielweise verbunden, dies passt aber zu ihren Charakteren. Eher unscheinbar dagegen agieren Joan Allen ("Death Race"), Alessandro Nivola ("Jurassic Park III") sowie die restlichen überwiegend passenden Darsteller.
"Im Körper des Feindes" ist zwar weder in der Handlung noch bei den Actionszenen immer glaubwürdig, die Mischung aus dramatischer, anspruchsvoller Geschichte und brachial-stilistischer Action funktioniert aber dennoch. Dies liegt an der beklemmenden Atmosphäre, einem dynamischen Spannungsbogen und einer guten Figurenzeichnung. Die Darsteller dazu sind passend. Und die typische Handschrift von John Woo wertet das Ganze nochmals auf. Sehr gute ...
9 / 10