Vor 6 Jahren tötete der Schwerverbrecher Castor Troy bei einem Attentat auf den FBI- Agenten Shawn Archer versehentlich dessen Sohn Michael. Seitdem jagt Archer den Mörder seines Sohnes unerbittlich und vernachlässigt dadurch Frau und Tochter total. Eines Tages kann er Troy endlich auf einem Flugplatz stellen und sogar töten. Shawn denkt die Sache wäre nun endlich vorbei, allerdings hat Troy irgendwo eine Giftgasbombe deponiert die schon bald hochgehen wird. Als Archer nichts aus Troys Bekannten rausquetschen kann, entschließt er sich zu einem unglaublichen Schritt:
Mit Hilfe einer aufwendigen Operation wird Archer in Troy verwandelt, dazu wird unter anderem Shawns Gesicht mit dem des künstlich am Leben gehaltenen Troys vertauscht. So "getarnt" wird Shawn zu Troys Bruder in ein Hochsicherheitsgefängnis geschleust um den Ort der Bombe herauszubekommen. Dies schafft er auch tatsächlich, aber Troy ist durch die Operation aus dem Koma erwacht und lässt sich nun in Shawn verwandeln und vernichtet anschließend alle Beweiße für die Operationen. Schon bald stehen sich die beiden in vertauschten Rollen erneut gegenüber...
Sicher realistisch ist das nicht und vollkommen logisch wird die ganze Sache auch nicht erklärt. Was ist z.B. mit den Ohren. Aber darüber kann man getrost hinweg sehen, denn das und das etwas zu kitschig geratene Ende sind bereits die größten Kritikpunkte, dieses ansonsten erstklassigen Actionthrillers.
Die Vertauschungsstory bietet natürlich einige interessante Möglichkeiten und Woo nutzt dies auch gekonnt aus. Castor Troy übernimmt das Leben von Shawn, was bedeutet das er unter anderem den Familienvater mimt. Dabei bekommt der Zuseher ganz neue Seiten an Troy zu sehen, wenn er "seiner" Frau ein köstliches Abendessen bereitet und er ihr das gibt, was sie sich vom richtigen Shawn immer gewünscht hat. Dabei wirkt er streckenweise sogar richtig sympathisch, vor allem wenn er dem aufdringlichen Freund von Archers Tochter mal richtig zeigt, wo es lang geht.
Archer derweil verfällt teilweise richtig Troys Rolle, beispielsweise als er einen Insassen bei einer Schlägerei beinahe tötet. Mit dem Rollentausch verschwimmt auch etwas die Grenze zwischen Gut und Bösen. Archer zettelt z.B. einen blutigen Gefängnisaufstand an, bei dem einige Wachmänner dran glauben müssen, nur um selber frei zu kommen und einer von Castor Troys wichtigsten Verbündeten, der in einem Verhör noch wie eine ekelhafte Made wirkte, zeigt später seine guten Seiten, wenn er aufopferungsvoll seinen Neffen und seine Schwester beschützt. Die spielt auch eine wichtige Rolle: Obwohl sie sagt das Castor sie oft wie Dreck behandelte, empfindet sie augenscheinlich etwas für ihn. Archer kann die Liebe natürlich nicht erwidern und muss sie auf Distanz halten, was im auch nicht ganz so leicht fällt. Dann wäre da noch Castors Sohn, für den Shawn gleich Vatergefühle entwickelt und von dem der wahre Castor eigentlich noch gar nichts weiß. Es steckt also eine ungeheure Brisanz in der Sache und die Situation spitzt sich von Minute zu Minute immer mehr zu und endet schließlich in einem packenden Showdown, der in einer kleinen Strandkapelle beginnt, nahtlos in eine Bootsverfolgungsjagd übergeht und schließlich zurück auf dem Festland in einem dramatischen Zweikampf endet.
Woo zeigt dabei wieder sein ganzes können und präsentiert perfekt choreographierte, packende und spektakuläre Action und verzichtet dabei natürlich nicht auf seine üblichen Stilmittel: Zeitlupe, christliche Symbole, weiße Tauben, schießen mit zwei Knarren etc. Woo vermeidet es dabei zum Glück zu übertrieben zu agieren, wie es ihm ja z.B. bei M:I 2 oder auch schon bei Harte Ziele (die Motorrad Szene z.B.) teilweise passiert ist. Einziger Kritikpunkt an den Actionszenen ist die Tatsache, dass die Stuntleute eigentlich immer deutlich auszumachen sind. Das ist zwar schade, war aber angesichts mancher großartiger Bilder wohl nicht zu vermeiden.
Woo ist es ebenfalls geglückt den Film nie langweilig werden zu lassen, sei es nun in den Action oder in den Emotionalen Szenen. Dies liegt zum Großteil natürlich auch am großartigen Cast, dem man einfach gerne beim Schauspielern zusieht. Allen voran natürlich Travolta und Cage, die einfach eine tolle Leistung abliefern und die sowohl als Bösewicht als auch als "Guter" überzeugen. Die Schwierigkeit liegt bei der Handlung natürlich darin, die Mimik und Gestik des jeweilig anderen ein Stück weit zu kopieren, was ihnen toll gelingt. Absolute Idealbesetzung.
Auch der restliche Cast kann voll überzeugen, wobei stellvertretend mal Joan Allen genannt sei, die ihre Rolle als Shawn Archers Frau großartig mimt.
Wie bereits erwähnt ist der Schluss eine der größten Schwächen des Films, da hier Hollywood typisch etwas zu dick aufgetragen wird. Da hätte mir ein böser Schluss, der sich beim Showdown auch durchaus angeboten hätte (Troy gelingt sein Vorhaben mit dem scharfen Gegenstand...), viel besser Gefallen.
Fazit: Packender, spannender, toll inszenierter Actionthriller mit einem grandiosen Hauptdarsteller Duo. Trotz Kitschschluss bekommt der Film von mir die Höchstnote. (10/10)