Review

Ist ja nicht wahr.
Es gibt sie tatsächlich noch, actionreiche Genrefilme aus Amerika, die kein Comic als Background anzubieten haben. Nicht, dass ich als Comicfan an der Superheldenwelle etwas auszusetzen hätte, aber es schien ja lange Zeit gar nichts anderes mehr zu geben.
Doch nun kommt Meister Whedon und beschert uns einen unverschämt lässigen Ritt durch die Milchstraße. Ein etwas anderer „Trek“. Yee-Hah.

Nun muss ich auch noch vorausschicken, dass mir die Basis dieses Films, die kurzlebige Serie „Firefly“, völlig unbekannt ist. Wer diese kennt, hat hier natürlich den Durchblick, der mir stellenweise doch fehlte. Aber das soll den Spaß nicht mindern, im Gegenteil, der Film weiß schon selbst, dass er nichts anzubieten hat, was einem Kopfschmerzen verursachen könnte. Keine philosophische Überhöhung á la „Matrix“, kein märchenhaftes Sampling wie bei „Star Wars“, und auch die hoffnungsvolle Utopie eines „Star Trek“ geht hier völlig ab. Das mag hohl klingen, aber so etwas heben wir uns lieber für unzählige andere Weltallspektakel auf (Red Planet, Supernova...etc.). Denn SERENITY hat ihnen allen etwas voraus:
Hier geht´s um Spaß. Wenn man darunter waffenstarrende Feuergefechte, Kneipenschlägereien und witzige One-Liner versteht, natürlich. Ein perfekter Film für pubertierende Jungs? Jein. There´s more to it.
Whedon kennt sein Publikum, liefert ihm Überraschendes im Minutentakt und bleibt doch bei allem Tempo seinem Stil verhaftet. Gruppendynamik, damit kennt er sich aus. Dialoggefechte. Starke Frauenfiguren. Es ist nicht „Buffy in Space“, aber man kann Parallelen ziehen, wenn man will. Wenn sich ein Film, der eigentlich nur von Kämpfen handelt, zwischendurch die Zeit nimmt, das Gefühlsleben seiner Hauptfiguren zum Thema zu machen, ahnt man schon, dass hier nicht in den flachen Gewässern von „Doom“ gefischt wird. Hier zeigt sich einmal mehr der Unterschied zwischen Kalkül-Script und liebevoll geschriebenen Figuren. Da schlummert Kultpotential.
Dennoch: Das Hauptaugenmerk liegt auf der Action, nicht umwerfend, aber ausreichend gut getrickst kommt alles daher. Verrührt mit Zitaten Richtung „Mad Max“ und „From Dusk till Dawn“, einem saucoolen Space-Hitman und der ungewöhnlichen Tatsache, einen Science-Fiction-Film ohne Aliens zu sehen, ergibt sich hier ein ziemlich rundes Bild, welches ich so einem „Film zur Serie“ niemals zugetraut hätte. Chapeau, Mr. Whedon. Habe mich gut unterhalten gefühlt.

Im Genre der „tollkühnen-Crews-im-Weltall-Filme“ also ein ungemein erfrischender Windhauch. Auch ohne Vorwissen der Serie. Ein lässig hingerotztes Vergnügen, das allen etablierten Science-Fiction-Epen fröhlich den Stinkefinger zeigt. Ja, Riddick, DAS wärst du gerne gewesen.

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