Dass Fernsehserien nach einigen erfolgreichen TV-Staffeln auf die große Leinwand wechseln ist nicht weiter ungewöhnlich. Dass jedoch eine Serie, die nach nur einer Staffel aus dem Programm gekippt wurde, kurz darauf ein aufwendiges Kinodebüt gibt, kommt dann doch nicht alle Tage vor. Die glücklose Science-Fiction-Serie, die unseren Breiten noch nicht einmal zu sehen war, trug den Namen "Firefly" – der Kinoableger heißt "Serenity – Flucht in neue Welten" und ist wie aus dem nichts einer der besten Science-Fiction-Filme der letzten Jahre!
Die Geschichte ereignet sich 500 Jahre nach unserer Zeit. Der abgehalfterte Kriegsveteran Captain "Mal" Malcolm (Nathan Fillion) schlägt sich mit kleinen Gaunereien und Frachtaufträgen auf seinem Raumschiff durchs Universum. Mit an Bord ist seine Crew aus streitbaren, aufsässigen, doch bis in den Tod loyalen Gefährten bestehend aus Zoe (Gina Torres), Wash (Alan Tudyk), Inara (Morena Baccarin) und Jayne (Alec Baldwin). Als Malcolm zwei Passagiere aufnimmt – den jungen Doktor Simon (Sean Maher) und dessen labile und telepatisch veranlagte Schwester River (Summer Glau) – wird der Jäger zum Gejagten. Denn das Pärchen flüchtet vor der unbarmherzigen Allianz, die vor nichts zurückschreckt, um das Mädchen in seine Gewalt zu bekommen. Verfolgt von schier übermächtigen Feinden, wird der Crew fatalerweise klar, dass die größte Gefahr an Bord der Serenity selbst lauert…
Als es hieß, Joss Whedon, seines Zeichens Drehbuchautor und geistiger Vater der erfolgreichen Fernsehserien "Buffy" und "Angel" und zu Filmen wie dem vierten Teil der Alien-Reihe, plane eine Kinoversion seiner TV-Serie "Firefly", wurde allenthalben nur müde gelächelt. Warum, lautete die berechtigte Frage, sollte ein Stoff, dem man im Fernsehen keine Chance mehr eingeräumt hatte, es auf die große Leinwand schaffen? Die liegt in der Story selbst begründet, denn Whedon, der schon bei "Buffy" bewiesen hat, das er ein Meister darin ist, interessante Charaktere zu stricken, hat nicht nur wiederum ein interessantes Figurenensemble zustande gebracht, sondern für Serenity auch noch ein durchaus reizvolles Universum kreiert, das Elemente der Science-Fiction und des klassischen Western miteinander verbindet. Und so ist die Situation in der Captain Reynolds und seine Crew sich befinden, jener in den ersten Jahren nach dem amerikanischen Bürgerkrieg: Anarchie und Zerstörung sind allerorten anzutreffen, Kriegsveteranen und Glücksritter versuchen, mit legalen und illegalen Mitteln über die Runden zu kommen. Es gibt entlegene Außenposten und Städte, in denen das Recht des Stärkeren regiert – und stärker ist der, der am schnellsten zieht und am besten schießt. Auch das perfekte Design der Kostüme und der Waffen atmet den Spirit der amerikanischen Pionierzeit. Zudem hat noch David Newman einen dynamischen und klangvollen Score hingelegt, wo sich auch die ansehnlichen Spezialeffekte deutlich bezahlbar machen. Was Joss Whedons Weltraumoper noch auszeichnet ist der handgemachte, staubige Look der sich wahrlich sehen lassen kann. Denn mit diesem Mix aus Wildem Westen und ferner Zukunft, das mehr als einmal an "Star Wars" erinnert und in macher Hinsicht mit dessen erster Trilogie mehr gemein hat als alle Prequel-Streifen zusammen. Wer schnoddrige Helden nach Han Solo Muster vermisste, wird in "Serenity" zuhauf fündig. Hier tragen die Helden noch abgewetzte Klamotten, sind nie um einen lockeren und coolen Spruch verlegen, und wenn es zu einer Schießerei kommt, wird nicht darüber diskutiert, wer zuerst ziehen darf.
Darstellerisch gibt es ebenfalls nichts auszusetzen. Denn die Darsteller, die zwar eher unbekannt sind aber ja schon fast alle in der Serie mitgewirkt haben, zeigen hier überzeugende Leistungen. Vor allem Nathan Fillion als Anführer der Crew zeigt hier eine grandiose Leistung und strotzt hier von allen Beteiligten am meisten von so witzigen wie coolen Sprüchen, die es wahrlich in sich haben. Aber auch der Rest der Besetzung mit Gina Torres, Alan Tudyk, Morena Baccarin, Jewel Saite oder Adam Baldwin, der den meisten bekannt sein dürfte aus Stanley Kubricks Meisterwerk "Full Metal Jacket", vollbringen hier ebenfalls allesamt tolle Leistungen.
Fazit: Mit "Serenity" inszenierte Joss Whedon ein temporeiches All-Spektakel, dass mit tollen Effekten, rasanten Kämpfen und grandiosen Wortwitz ein absolut fantastisches Action-Feuerwerk bietet und über die gesamte Laufzeit prima unterhält – Ein Science-Fiction-Highlight, das schon jetzt eines der besten Filme ist, die das Genre zu bieten hat!