Okay, ich versuch es gar nicht erst zu verheimlichen, ich bin ein großer Fan der leider viel zu kurzlebigen Serie. Mir ist durchaus bewusst, nach dieser Offenbarung bei einem Teil der Leserschaft meine Glaubwürdigkeit zu verlieren, wenn ich Joss Whedons Kinodebüt mit der Höchstwertung abfertige. Aber auch objektiv betrachtet stehe ich bei Serenity zu den wohlverdienten zehn Punkten.
Ich habe in den letzten Jahren so ziemlich alles an Genrefilmen mitgenommen was in den Kinos und Videothekenregalen aufgeschlagen ist. Dabei machte sich zunehmend eine gewisse Ernüchterung breit. Kaum frische Ideen bei den kleineren Projekten und meist selbstverliebtes Effektgeprotze bei den Blockbustern. Kinomagie geht anders. Für eine Weile hatte ich schon Angst ich würde alt und könne mich nicht mehr wie in meiner Kindheit und Jugend an Science-Fiction-Ware erfreuen. Doch nach dem Genuss von Serenity konnte ich mich entspannt zurücklehnen durchatmen und nüchtern feststellen, die Filme waren einfach nur schlechter geworden, nicht meine Begeisterungsfähigkeit für das Genre.
Es stimmt hier einfach alles, das Tempo ist absolut perfekt und der Film schafft es von der ersten bis zur letzten Sekunde Emotionen zu erzeugen. Es handelt sich hier wirklich um einen der ganz seltenen Streifen, die am Schneidetisch perfektioniert wurden. Es gibt keine einzige schwache Szene, nichts, bei dem man beim wiederholten Ansehen versucht ist vorzuspulen. Entweder gibt es tolle Dialoge, rasante Action, echte Spannung oder alles zugleich zu sehen.
Ein großes Lob muss man vor allem den Darstellern machen, das Ensemble zeigt sich in bester Spiellaune und diese Stimmung überträgt sich auf den Zuschauen. Vor allem Nathan Fillon als raubeiniger Kommandant der Serenity überzeugt als Symphatieträger, egal welche Schandtat er gerade zu rechtfertigen versucht. Whedon hat den Darstellern aber auch ein klasse Drehbuch vorgelegt, welches einen, sagen wir mal, fast schon naiven Charme entfaltet Die Geschichte entwickelt sich einfach, ohne dass sie jemals konstruiert wirkt. Aus Genresicht ist alles drin, Verfolgungsjagd, abgehakt, riesige Raumschlacht, vorhanden, skrupelloser Schurke, anwesend, schwer zu findender verschollener Planet, der ein dunkles Geheimnis birgt, darf nie fehlen. Obwohl man beim aufzählen der einzelnen Elemente fast kein Klischee auslässt, verschmilzt das ganze zu einem abenteuerlustigen und fesselnden Filmerlebnis. Wie auch in der Serie, ist der Wechsel zwischen ehr witzigen und sehr harten Szenen äußerst sprunghaft, manch einer wird überrascht sein, wie schonungslos es gelegentlich zur Sache geht, strahlende Helden gibt es in diesem Universum eigentlich nicht.
Woran könnte man meckern? Na gut, manch einer behauptet, die Kulissen sehen sehr nach TV Produktion aus. Meinetwegen, aber ich sehe nicht warum man, sobald man einen Science-Fiction Film ins Kino bringen will, die Hintergründe mit digitalen Schnickschnack vollkleistern muss um den Zuschauern zu gefallen. Klar, solche Settings hat man auch schon in diversen Star Trek Episoden gesehen, aber vor aufgrund der vielen Westernmotive möchte ich das ganze als authentisch bezeichnen. Serenity lenkt nicht unnötig vom Wesentlichen ab, und das sind nun mal, für einen Genre Film erfrischenderweise, die Charaktere und die Handlung. Andererseits wurde Serenity handwerklich sehr sauber umgesetzt, die Kamera vermeidet unnötige Hektik wenn es rundgeht, die Choreografien der Martial Arts Einlagen, kann zwar mit Profiware aus Fernost bei weitem nicht mithalten, sind aber dennoch sehr sehenswert. Dazu gibt es immer wieder mal ein paar nette filmtechnische Spielereien, wie die fünfminütige Titelsequenz, in der die Kamera ohne einen Schnitt Mal durch das Schiff folgt und er sich mit jedem Crewmitglied zitierbare Sprüche um die Ohren haut. Wenn wir schon mal bei den Sprüchen sind, jeder der Firefly oder meinetwegen auch Buffy gesehen hat, weis, dass Whedon’s größte Stärke bei den Dialogen liegt und in diesem Film führt er das noch mal eindrucksvoll vor.
Fazit: Serenity ist schlicht und ergreifend der beste Science-Fiction Film seit Ewigkeiten. Ich denke der Film über die Jahre nichts seiner Klasse verlieren, der einfach dieses gewisse Etwas mit sich bringt, dass Filme wie Krieg der Sterne oder Jäger des verlorenen Schatzes zu zeitlosen Klassikern gemacht hat. Hier versammeln sich ein tolles Drehbuch voller Dialogwitz, liebenswerten Figuren, und ordentlicher Action, mit einem Cast in bester Spiellaune sowie perfektem filmischen Timing. Klar, Serenity ist kein Blender, Effektpuristen werden eventuell enttäuscht sein, aber ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass irgendjemand, der Science-Fiction oder gute Filme im Allgemeinen mag, diesem Streifen nicht mögen wird. Also ansehen, mehr als das Gebotene kann man eigentlich nicht verlangen.