Review

Anfangs war ich etwas negativ gegenüber Joss Whedon und seine SciFi-Serie "Firefly" eingestellt, da diese einst das vorzeitige Ende von James Camerons "Dark Angel" bedeutete. Da die Serie um die von Jessica Alba (Sin City) dargestellte X5-Kriegerin enorme Kosten beanspruchte, beschloss man beim Sender die Serie zugunsten des neuen Projektes von "Buffy"-Erfinder Joss Whedon einzustellen. Immerhin waren "Buffy" sowie der Spin/Off "Angel" zwei Formate mit recht großem Erfolg, den man sich auch von "Firefly" versprach. Im Gegensatz zu "Dark Angel", die gerade mal zwei Staffeln lang lief, gab man "Firefly" seitens des Senders nichtmal eine ganze Staffel (in der Regel 22 Episoden) lang eine Chance und beendete die Serie bereits nach 14 Folgen, da der erhoffte Erfolg anscheinend ausblieb. Beispiele wie "Firefly" und "Dark Angel" zeigen, wie viel Vertrauen profitgeile Senderbosse in innovative Formate erfolgreicher Filme- bzw. Serienmacher setzen. Wenn man eine erstklassige SciFi-Serie haben will, sollte man schon etwas mehr als die übliche Norm investieren dürften. Während bei "Firefly" und "Dark Angel" an zu hohen Produktionskosten herumgenörgelt wird, zahlt man anderorts jedem der sechs "Friends"-Hauptdarsteller einfach mal so eine Million Dollar pro Folge, was eine Gesamtsumme von 132 Millionen Dollar pro Staffel allein nur für den Hauptcast macht. Nichts gegen "Friends", ist 'ne tolle Comedy-Serie, aber da soll mal einer bei der Preispolitik amerikanischer Sender durchblicken. Nichtsdestotrotz erkannte Universal das Potential von "Firefly" und gab Joss Whedon grünes Licht für einen Kinoableger namens "Serenity".

Vor Jahren kämpfte Captain Malcolm "Mal" Reynolds (Nathan Fillion) im Galaktischen Bürgerkrieg gegen die Allianz - und verlor. Mittlerweile lebt er mit der kleinen, bunt zusammengewürfelten Crew seines Raumschiffs Serenity am Rande des Universums und schlägt sich als Bandit durch. Als Malcolm zwei Passagiere an Bord nimmt - den jungen Arzt Simon (Sean Maher) und dessen telepathische Schwester River (Summer Glau) - handelt er sie große Probleme ein: Die Allianz will River in ihre Gewalt bringen, da sie unwissentlich bedeutende Informationen kennt. Doch nicht nur ein unaufhaltbarer Militärapparat und die blutrünstigen kannibalischen Reavers bedrohen die Serenity, sondern auch eine Gefahr, die im Raumschiff selbst lauert...

Nathan Fillion (Der Soldat James Ryan) mimt den Hauptpart in diesem wenig prominent besetzten SciFi-Spektakel und verkörpert Mal in bester Han Solo-Manier. Er ist einfach ein sympatischer Charakter, der seine Feinde und sich selbst nicht besonders ernst nimmt. Als eines der wenigen bekannteren Gesichter steht ihm Adam Baldwin (Predator 2) als ebenfalls recht sympatischer Space-Rambo zur Seite. Dreh- und Angelpunkt von "Serenity" ist schließlich die von Summer Glau (Mammoth) dargestellte River, die zwar ordentlich Prügel verteilen kann, aber nicht mit einer Sydney Bristow, Buffy Summers oder Max Guevera mithalten kann. Dennoch hat Summer Glau ihre Momente und eindrucksvollen Szenen. Schließlich haben wir noch "Numb3rs"-Darsteller David Krumholtz (Abgezockt!) als Kommunikations-Spezi und Chiwetel Ejiofor (Vier Brüder) als Bösewicht. Beide liefern solide Leistungen ab, wenngleich Ejifor als Schurke nur begrenzt beeindrucken kann. Die restlichen Nebendarsteller wie Jewel Staite (Widow on the Hill) und Sean Maher (HRT) gehen auch in Ordnung.

Auch wenn vieles stark an Genregiganten wie "Star Wars" und "Star Trek" erinnert, weicht "Serenity" von deren oftmals geleckt wirkenden Hochglanz-Stil ab, und kommt ziemlich handgemacht und mit staubigem Look daher. Dennoch fällt die hier gebotene Sience Fiction noch lange nicht so amateurhaft und nach Studio- bzw. Filmset riechend aus, wie das z.B. bei "Stargate SG.1" oftmals der Fall ist. Bezüglich der CGI-Animationen schwelgt man hier auch nicht in solchen künstlichen Raumschiff-Sequenzen wie in besagtem Ableger des Emmerich-Blockbusters. Wenngleich die Weltraumszenen aufgrund des Budgets nicht so bombastisch ausfallen wie in den Sternenkriegen des Lucas-Evangeliums, so kommen sie dennoch recht überzeugen rüber, und dienen vielmehr als Mittel zum Zweck. Ohnehin verpasst Joss Whedon den Figuren und deren Umgebung in "Serenity" vielmehr einen staubigen Western-Look und setzt somit nicht auf bombastische, aber seelenlose Effektorgien wie einst bei "Riddick". Somit hat man die Bordcrew der Serenity auch nicht in maßgeschneiderte Uniformen a'la "Star Trek" gesteckt, sondern man hat sie in abgewetzte und schmutzige Klamotten gesteckt. Von "Buffy" und "Angel" her weiß man auch, dass Whedon viel Wert auf seine Figuren und Charakterdarstellung legt. So hat jede Figur ihre Eigenheiten und individuellen Fähigkeiten und Vorlieben. Aufgrund der Spielzeit von zwei Stunden kann da natürlich nicht jedem Charakter gleich viel Platz eingeräumt werden, weshalb Whedon sich hier größtenteils auf die Hauptcharaktere Mal, Jayne und River beschränkt, was aber nicht heißen soll, dass Nebencharaktere wie Zoe, Inara und Kaylee nicht zur Geltung kommen. Im Gegenteil. Vor allem durch diverse humorhaltige Dialoge kann man auch so den einen oder anderen Charakter lieb gewinnen, der nicht so tragend für die Handlung ist wie die Hauptfiguren. Doch Whedon wäre nicht Whedon, wenn er neben der starken Charakterisierung die Action zu kurz kommen lassen würde. Und die ist größtenteils handgemacht und besticht durch ordentliche Zweikämpfe und Ballereien. Vor allem im Finale darf River wutentbrannt mit Axt und Säbel so richtig vom Leder ziehen, bis auch der letzte Kannibale zerhackstückelt am Boden liegt. Dabei ufert das besagte Gemetzel zwar nicht in einer Splatterorgie aus, aber ist immer noch mit der richtigen Härte ausgelegt worden. Selbiges gilt auch für den Schusswaffengebrauch gegen Ende, da die Crew hier alles umnietet, was vor die Knarre kommt, und dabei selber schwer einstecken muss. Glücklicherweise wurden besagte Knarren nicht allzu futuristisch gestaltet, so, dass man immer noch den Revolver, die Shotgun und die MG aus ihnen heraus erkennen kann. Die schon angesprochene Härte spiegelt sich dann auch in dem oftmals kompromisslosen Vorgehen von Mal wieder, da in diesem "Wild Bunch" im Weltall nur das Gesetz des jenigen gilt, der schneller zieht. Neben der tollen Action, den kernigen Figuren und dem visuell ansprechenden Look hat Whedon auch auf eine komplexe Weltraumwelt mit individuellen Planeten und Systemen geachtet, auch wenn dies hier nur unwesentlich ins Gewicht fällt. Einer der wenigen Minuspunkte von "Serenity" ist die Handlung, da man sie erstens woanders (Star Trek, Star Wars etc.) schonmal zu sehen bekommen hat, und zweitens das Kennen der Serienvorlage "Firefly" zwar nicht zwingend nötig ist, aber um ein paar Vorkenntnisse reicher macht. So wie bei mir, der die Serie nicht kennt, und sich daher des öfteren ins kalte Wasser geworfen gefühlt hat. Gut hingegen kommt der Score, der ziemlich Laune macht und dem Film ein entsprechendes Feeling verleiht.

Alles in allem ist "Serenity" ein recht annehmbarer SciFi-Streifen und eine wohltuende Erholung nach dem seelenlosen "Riddick" und der Effekteorgie "Star Wars: Episode 3". Durch seinen staubigen Look und den sympatischen Outlaw-Charakteren hat Joss Whedons Kinoableger zudem in vielen Bezügen mit der ersten "Star Wars"-Trilogie mehr gemein als die Prequel-Trilogie.

Details
Ähnliche Filme