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Was 10 Star-Trek-Kinofilme nicht geschafft haben (na schön, ansatzweise Teil 2 und 8), hat Joss Whedon, Schöpfer von „Buffy“, „Angel“ und „Firefly“ mit letzterer Serie vollbringen können. Obwohl von der Kritik begrüßt, wurde sie vom Publikum ignoriert und nach 11 Folgen vom Sender genommen. Nach dem die insgesamt produzierten 14 Folgen (15, wenn man den Piloten als Doppelfolge rechnet) jedoch auf DVD ein mehr als überwältigender Erfolg wurde, gewährte man ihm das Budget, „Firefly“ als Kinoabenteuer zu reaktivieren.

Und als hätte er geahnt, dass die Reanimation das vermutlich letzte Wiedersehen mit der Crew des Desperado-Raumers wäre, kochte er für 40 Mio. ein Abenteuer zusammen, dass so ziemlich alles schaffte, was eine Transposition ins Kino nie für eine andere TV-Serie erreichte.
Er schaffte es, fast sämtliche offenen Erzählstränge zu einem runden Ende zu bringen, inszenierte ein spannendes und abwechslungsreiches Abenteuer, bot einen direkten, überlegenen Gegner auf, setzte ein „böses“ Imperium dahinter, killte gleich noch zwei Stammfiguren aus der Crew und warf mit Gewalt, einfallsreichen Kampfszenen, Raumschlachten und jeder Menge Tempo nur so um sich.

In „Serenity“ wird endlich auf das Schicksal der schizophrenen River eingegangen, die vom Geheimdienst der „Allianz“ missbraucht und verändert wurde und versehentlich Zugang zu wichtigen Informationen bekam, die die Regierung stürzen können. Gleichzeitig wird die Herkunft der mörderischen „Reaver“ geklärt, die auch gleich noch mit ihrer Meuchelmörderflotte in eine gigantische Raumschlacht geführt werden.
Bei all diesem Ausstattungswahnsinn vollbrachte Whedon dennoch das Kunststück den Anforderungen der Serie gerecht zu werden. Bei 9 ständigen Besatzungsmitgliedern hat jede Serienhauptfigur trotz des zu erwartenden Übergewichts durch den Kapitän (Nathan Fillion) mehr als eine gute Szene und ist in den Handlungsablauf ohne Verluste gut integriert. Der Humor und die Desperadohaltung wie der ganze Ton der Serie wurde beibehalten und das sogar bei einer so scheinbar unvereinbaren Mischung aus SF und Westernmotiven.

Praktisch überall kann man ein fröhliches Häkchen machen: es gibt immer noch reichlich gute Dialoge, pointierten Humor, einen Spritzer Gefühl, genial choreographierte Kampfszenen und unerwartete Wendung, garniert mit etwas Tragik und Kriegsmelancholie, während die Figuren ihren charakterlich unvermeidbaren Wandel durchmachen.
Und das alles bei sauber inszenierter Spannungskurve und 105 Minuten Laufzeit, die ununterbrochen gute Unterhaltung bietet.
Das zu erwartende Ausscheiden einiger Besatzungsmitglieder wirkt erwartungsgemäß als Schock, dennoch entwickelt sich die Geschichte folgerichtig und schließt die Serie ebenso gut ab, wie sie an anderer Stelle fortzuführen wäre.

Dazu wird es wohl nicht mehr kommen, denn das Kapitel dürfte mit diesem Film abgeschlossen sein, der an den US-Kinokassen wieder trotz sehr guter Kritiken nur 60 Prozent seines Budgets einspielte, um dann ein DVD-Hit zu werden.
Aber wenigstens kann man von einer weitestgehend befriedigend abgeschlossenen Serie sprechen, die permanent ein hohes Niveau hielt und dessen Kino-Ausflug ohne weiteres für sich selbst stehen kann, ohne die Serie dazu kennen zu müssen.
Deliziös und ein Riesenspaß! (8,5/10)

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