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Die Entstehungsgeschichte dieses Films ist mindestens genauso aufregend, wie der Film selbst. Nicht nur das macht „Serenity“ zu etwas ganz Besonderem. Joss Whedon landete mit seinem ambitionierten Sci-Fi-Projekt „Firefly“ einen großen Flop. Die Serie wurde nach einer Staffel eingestellt. Und zwar, obwohl die Vorzeichen eindeutig auf Erfolg standen. So war Whedon für die Serienhits „Buffy“ und „Angel“ verantwortlich. Zudem war das Budget für die Serie augenscheinlich groß. Betrachtet man den Pilotfilm, meint man, es mit einem Spielfilm zu tun zu haben. Auch die Besetzung war überdurchschnittlich, gerade was TV-Verhältnisse angeht. Trotz allem erging es dieser Serie, wie vielen anderen guten Serien vor ihr. Sie floppte. Bis hierhin leider keine ungewöhnliche Geschichte. Whedon glaubte fest an das Projekt. Zudem hatte die Serie viele fest eingeschworene Fans (warum dann eigentlich nicht genügend Zuschauer?). Also tat Whedon, was man eigentlich nicht tun sollte: er hing an dem Projekt und wollte es nicht sterben lassen. Entstanden ist so (mit Hilfe vom Studio Universal und einem schmalen Budget von 40 Mio. $) ein Kinofilm, der die losen Fäden der ersten Staffel aufgreift, um sie zu einem festen Knoten zu verschließen.

Dies ist auch eine der großen Stärken des Films. Die erste Staffel von „Firefly“ führte die Charaktere behutsam ein, bereitete eine epische Story vor (so wurde die gefährliche Kannibalenrasse der „Reaver“ erwähnt, die man während der ersten Staffel nie zu Gesicht bekam) und sollte eigentlich den Grundstein für eine lange Serie bieten. Von diesem Fundament ernährt sich „Serenity“ verschwenderisch. Schließlich hatte Whedon eine Menge Story, um 114 Minuten zu füllen. Insofern funktioniert der Film auch nur bei Kennern der Serie so gut. Aber für diese Zielgruppe wurde er ja auch gemacht: Ein Film für die Fans. Wer „Firefly“ kennt, fühlt sich in „Serenity“ sofort zu Hause. Die gesamte Serienbese(a)tzung ist wieder dabei und macht sich auch auf der großen Leinwand äußerst gut. Nathan Fillion gibt den draufgängerischen Kapitän, der sich klar (wie er im Bonusmaterial der DVD selbst sagt) an Harrison Ford orientiert. Adam Baldwin gibt den Waffennarr Jayne gewohnt selbstironisch und die bezaubernde Summer Glau nimmt in dem Film einen größeren Stellenwert ein, als in der Serie. Ihr Geheimnis wird gelüftet. Allein dies hätte im TV-Format wohl mehrere Staffeln gedauert. Auch die restlichen Darsteller können absolut überzeugen.

Dies gilt ebenso für den Look des Films. Für ein kleines Budget gedreht, sieht er hochwertiger aus als so manche Big Budget-Produktion. Insofern wurde das Budget seht effizient genutzt. Die CGI-Effekte sind gekonnt vermischt worden mit klassischen Special-Effects und sehen an keiner Stelle billig aus. Auch die Inszenierung kann man als gelungen bezeichnen. Whedon schafft den Spagat, seine TV-Story standesgemäß auf die große Leinwand zu bringen. An keiner Stelle kommt man sich vor, als würde man einem TV-Film zuschauen. Die Handlung ist rasant, Langeweile kommt nicht auf. Auch Serienkenner werden an der einen oder anderen Stelle angenehm überrascht. Fans der Serie werden beim Abspann zwar leise und traurig seufzen, weil die Abenteuer der liebgewordenen Besatzung (wohl) endgültig vorbei sind, aber das ist ja ein gutes Zeichen. Dem Rezensenten erging es auch so. Genau wie alle Fans hofft er immer noch ein kleines Bißchen, dass vielleicht doch noch eine zweite Staffel oder ein zweiter Film gedreht wird, doch das wird nur die Zukunft zeigen können. Träumen wird doch wohl erlaubt sein, oder?

Fazit:

8 / 10

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