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Erst ein aufwändiger Pilotfilm mit honoren Schauspielern, danach die Serie mit B-Besetzung und gekürzten Mitteln - in dieser Reihenfolge haben wir das schon dutzende Male erleben dürfen. Bei Serenity ist es (fast) genau anders herum.

Ursprünglich als TV-Kost von Serien-Profi Joss Wheadon (Buffy, Angel) in Szene gesetzt, erlebt "Firefly" nun mit "Serenity" einen Abschluss, der eingefleischte Fans und Neulinge gleichermaßen begeistern soll. Möglich wurde das durch die abrupte Absetzung der Firefly-Serie nach nur 14 Folgen, was der Sender Fox seinerzeit trotz breiter Fanbase der Serie mit zu hohen Produktionskosten im Verhältnis zu lediglich moderaten Einschaltquoten rechtfertigte. Warum 'Straßenfeger-Produzent' Whedon mit Firefly keinen Quotenhit ála Buffy landete, wird schnell deutlich, wenn man sich deren Genrevermischung aus Science Fiction und Wilder Westen vor Augen führt. Sicherlich nicht jedermanns Geschmack, und vor allem vermutlich für die doch wesentlich breitere (und vielleicht auch jüngere) Zielgruppe der heutzutage weit verbreiteten Vampir-, Werwolf- und Dämonen-Filmchen zu uninteressant.

Auch für meinen Geschmack krankt Serenity ebenso wie die Serie Firefly genau an dieser Genremischung, die zwar sicherlich ungewöhnlich und vor allem auch neu ist, in letzter Konsequenz aber doch allzu unglaubwürdig erscheint. Hier fliegt ein moderner Gleiter durch die Prärie, während nebenher die Cowboys zu Pferde reiten, dort schießt ein Bösewicht mit einer hoch modernen Laserwaffe um sich, während sein Kontrahent einen alten Colt aus der Hüfte zieht. Warum das so ist, bleibt uns ein Rätsel, bietet auf der anderen Seite jedoch genügend Möglichkeiten für die eine oder andere interessante Kulisse.

Die Geschichte, die Whedon in den 14 Folgen von Firefly langsam zu entspinnen begann, findet in dem knapp zweistündigen Kinofilm ihren Abschluss. Ein sicherlich nicht leicht zu vollbringendes Werk, stehen doch über zehn Stunden Serienmaterial eben lediglich 2 Stunden Film gegenüber. Dennoch gelingt der Spagat ziemlich gut, was ich Herrn Whedon hoch anrechnen möchte. Bei der näheren Betrachtung des Films kann man sich diesen Umstand gar nicht oft genug ins Gedächtnis rufen. Und dennoch vermag der Film auch für sich allein zu stehen (ich habe beispielsweise zuerst den Kinofilm gesehen und bin über ihn auf die Serie gestoßen). Ein großer Pluspunkt der Konstellation, zuerst eine Serie zu haben und danach einen Film zu drehen, ist sicherlich die Ausgereiftheit seiner Charaktere. Auch wenn im Film natürlich viele Charakterzüge der Protagonisten lediglich angerissen werden können, gelingt es dennoch, schnell ein Gefühl der Vertrautheit zu ihnen zu entwickeln. Offensichtlich motivationslose Stereotypen sucht man in Serenity glücklicherweise vergeblich. Doch zurück zum Film.

In einer unbestimmten Zukunft mussten die Menschen die Erde verlassen und schufen sich in einem anderen Sonnensystem eine neue Heimat, indem sie diverse Planeten in einem langwierigen Verfahren durch Terraforming bewohnbar machten. Die inneren Planeten dieses Systems werden von der Allianz regiert, die widerspenstigen, weit außen liegenden Welten wurden in einer Art Bürgerkrieg unterworfen. Capt. Malcom Reynolds (Nathan Fillion) und Zoe Wahsburn (Gina Torres) kämpften einst auf der Seite der Rebellen und fliegen seitdem auf einem kleinen, alten Handelsfrachter namens Serenity durchs All, immer auf der Suche nach kleineren Aufträgen, die nicht selten die Grenze zur Legalität überschreiten. Ihnen zur Seite stehen die begabte Mechanikerin Kaylee (Jewel Staite), der etwas tumbe Waffennarr Jayne Cobb (Adam Baldwin), sowie die Edelprostituierte Inara Serra (Morena Baccarin), deren Berufszweig in dieser Zukunft höchstes Ansehen genießt und mit einem hohen gesellschaftlichen Status verbunden ist. Gesteuert wird die Serenity von Wash (Alan Tudyk), der zugleich Zoes angetrauter Ehemann ist. Der Arzt Simon Tam (Sean Maher) und seine Schwester River (Summer Glau) begleiten die Crew seit acht Monaten als Dauerpassagiere, die der Serenity-Crew schon bald jede Menge Ärger einbringen sollen. Denn tief in Summers Geist verbirgt sich ein Geheimnis, das die Allianz um jeden Preis in die Hände zu bekommen versucht.

Serenity ist sicherlich kein Blockbuster in den Fußstapfen von Star Wars, Alien oder ähnlichen SciFi-Größen. Dennoch bietet auch Serenity ausgefeilte Special Effects, die nötige Portion 'Weltraum-Ranz', eine Raumschiffschlacht und nicht zuletzt eine gute Portion filmemacherisches Geschick. Vor allem zeichnet sich Serenity jedoch durch jede Menge trockenen Humor, scharfzüngige Dialoge und skurille wie gleichermaßen sympathische Protagonisten aus. Die Pointen sitzen größtenteils punktgenau, ohne jemals in dumpfes Kalauern abzugleiten. Heutzutage beinahe schon eine Seltenheit.

Timing ist sowieso die eigentliche Stärke des Films. Die zwei Stunden vergehen wie im Flug, Längen oder umständliche Storybögen sind so gut wie nicht vorhanden. Die Handlung bleibt stets nachvollziehbar, und endlich dürfen wir auch wieder einmal einen charismatischen Bösewicht bestaunen. Danke hierfür!
Der Film nimmt sich an keiner Stelle zu ernst, was sich auch positiv im Spiel der Akteure niederschlägt. Wer Harrison Ford in seinen Rollen als Han Solo oder Indiana Jones mochte, wird sich an Capt. Reynolds erfreuen können, der ebenso schnoddrig agiert und dafür oft genug Prügel einstecken darf, dass es eine Freude ist. Apropos Prügel: Serenity bietet auch einige wirklich nett anzuschauende Martial Arts Szenen, die mittels gelungener Schnitte gleichermaßen Witz und Dramatik bieten.

Den einzigen wirklichen Schwachpunkt von Serenity und Firefly gleichermaßen bilden meiner Meinung nach lediglich die 'Reaver', die mir als absolut böse Bedrohung der zivilisierten Menschheit doch allzu harmlos daher kommen.


Alles in allem bietet Serenity einen unterhaltsamen Filmabend, der Popcornkinofans ebenso befriedigen dürfte, wie Fans der Serie, oder Freunde trockenen Humors.

Joss Whedon liefert mit Serenity sicherlich nicht die populärste Arbeit seines Schaffens ab, dafür schafft er einen Spagat in mehrfacher Hinsicht, an dem genügend andere Filmemacher vor und nach ihm bereits kläglich gescheitert sind.

8/10

P.S. Fans von Serenity kann ich die Serie Firefly wärmstens ans Herz legen. Wer mehr von den verschiedenen Charakteren aus Serenity und mehr "Wild West meets Science Fiction" sehen möchte, wird hier voll auf seine Kosten kommen.

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