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Zweifellos ist Francois Ozon ein sehr guter Regisseur. Wie in seinen Filmen zuvor gelingt es ihm auch in „die Zeit, die bleibt“ der Hauptfigur emotional sehr nah zu kommen und intensive Bilder zu finden.
Allerdings hat sich der als „Frauenversteher“ bekannte Regisseur in diesen Film für einen homosexuellen Mann (keine Tunte) als Figur entschieden. Als Zuschauer muss man dafür dann leider auch auf Humor in jeder Couleur verzichten. Denn der 31-jährige Romain ist todkrank, ihm bleiben nur wenige Monate zu leben.

Damit ist dann aber auch schon fast alles erzählt, was sich spannend anhört, entpuppt sich schon nach kurzer Zeit als leere Hülle. Denn was dem Film fehlt, ist eine gute Idee.

Anfangs vertuscht der Film das recht geschickt, indem Ozon seine Hauptfigur extrem unsympathisch darstellt, die nach der Diagnose keinesfalls auf Versöhnung aus ist, sondern stattdessen vollständig auf Konfrontationskurs geht. Aber dann folgt keine überaschende Wendung, kein Dialog, der die Handlung weiterführt. Es geht einfach zu Ende.
Das ist nicht spannend und auch nicht interessant. Im Prinzip genauso langweilig wie "Leaving Las Vegas".
Es gibt keine Reflexion über den Tod. Und schließlich wirkt auch das besondere Angebot, das Romain erhält, ein bisschen zu weit hergeholt. Aber immerhin ist es sehr, sehr bildstark umgesetzt worden.

Doch, wie bereits gesagt, gibt es zu wenig Denkanstöße und damit auch Gründe für den Film. Tod und Sterben sind große Themen und müssten die Figur eigentlich zwingen ein Resümee zu ziehen, aber hier endet alles in der Kindheit. Das so etwas auch ganz anders geht, hatte zuletzt der extrem bemerkenswerte Film „Das Meer in mir“ gezeigt. Aber was Ozon aus der Thematik macht, ist dann doch ein bisschen platt.
Kinder sollen alles sein, das enttäuscht als Aussage, schließlich hat auch Kant einiges hinterlassen, wenngleich keine Kinder.

Ozon hätte es gut getan, sich mit Evolutionsbiologie zu beschäftigen, denn die hat für Homosexualität noch eine ganz andere Erklärung parat. Demnach soll es sich gesellschaftlich auszahlen, wenn nicht alle Männer eigene Familien gründen, sondern sich manche für die Kinder ihrer Schwestern engagieren, in genetischer Hinsicht zahlt sich das dann auch für sie aus, schließlich sind sie zweifellos mit den Kindern ihrer Geschwister verwandt.

Möglicherweise wäre ein solcher Schluss für diesen Film auch eine befriedigendere Lösung, als die hier hervorgezauberte „zufällige“ Lösung.
Doch ganz schlecht ist der Film natürlich nicht. Allen voran zeigt der Hauptdarsteller Melvil Poupaud eine ganz hervorragende Leistung. Zustätzlich geht der Film in Bezug auf die Darstellung von Sexualität deutlich über den normalen Mainstream hinaus. In einer Szene, in der zwei Männer miteinander schlafen, sieht man sogar die erigierten Penisse der beiden Akteuren ohne, dass das Werk dadurch zur Pornografie verkommt..

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