Review

Am Ende des Lebens

"Die Zeit, die bleibt" habe ich zum ersten Mal 2006 in einem kleinen Grazer Kino gesehen, das mittlerweile - so glaube ich - leider dicht machen musste, und zwar zu einer Zeit als es mir seelisch äußerst schlecht ging. Mag sein: der denkbarst schlechte Zeitpunkt für einen solchen Film, zumal es darin aus meiner Sicht um nichts anderes als bewusstes sterben geht, glaube aber sogar doch wesentlich gestärkt das Kino nach den 80 Minuten wieder verlassen zu haben.
Der immer noch junge, aber krebskranke Protagonist des Films will darin wenige Monate vor seinem gewissen Tod manche Dinge noch ändern, wahrscheinlich aber am ehesten noch etwas wertvolles hinterlassen: hat er bislang doch scheinbar sein Leben in vergänglicher Oberfläche verbracht. Die sexuell gleichgeschlechtliche Orientierung des Mode-Fotografen spielt dabei zunächst selbstverständlich überhaupt keine Rolle und kommt erst zum tragen, dann auch nur kurz als "Schwierigkeit", wenn sich ihm die Gelegenheit bietet sich biologisch zu reproduzieren: was eine erfrischende Fortschrittlichkeit des europäischen Films deutlich macht, denkt man daran welches irrsinnige aufhebens um den ebenfalls Mitte des Jahrzehnts entstandenen Cowboy-Films Ang Lees (in den USA) gemacht wurde...
Wie dem auch sei: es sind letzten Endes schon sehr einfache Denkmuster, welche den Protagonisten bis zu dessen gesicherten Ableben leiten, und wahrscheinlich kann man dem Film auch deshalb Einfallslosigkeit vorwerfen. "Die Zeit, die bleibt" ist (auch in anderer Hinsicht) unterschiedlich zu den vorangegangen, Aufsehen erregenden Filmen Ozons, der auch schon als "Bilderstürmer" tituliert wurde: davon kann hier wahrlich nicht die Rede sein, nichts ist bis zu den abschließenden Einstellungen einer Sonne besonders bemerkenswert oder ungewöhnlich. Gerade das wird dem eigentlichen Thema des Films für mich jedoch so gerecht.

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