Nach dem Niederschlag von John Woo’s erklärtem Lieblingsprojekt Bullet in the Head, der zwar unverdient, aber aufgrund seiner Thematik und Inszenierung verständlicherweise finanziell floppte, stand Once a Thief auf dem Plan; der mehr oder minder eine leichte Fingerübung in Sachen entspannter Caper – Comedy darstellt.
Woo kehrt dabei zu seinen mittlerweile abgelegten Wurzeln zurück und schuf ein beschwingt – lockeres Werk, dass so richtig massenkompatibel gestaltet wurde und erwartungsgemäß für volle Kassen sorgte. Nur die mittlerweile aufgebaute Woo – Klientel selber konnte hiermit weniger anfangen, zu wenig Aufregendes in Sachen stilisierter Zeitlupengewalt wird geboten.
Die Abkehr vom mächtigen Heroic Bloodshed könnte auch nicht deutlicher sein, bereits die Location stellt mit dem sonnigen Frankreich ein klares Gegenstück zum tristen HK dar; die ersten Szenen zeigen ein frohgelauntes Trio fast wie auf einem Urlaubstrip an der Cote D’Azur.
Jim [ Leslie Cheung ] flirtet mit einem männlichen Strassenmaler und hinterlässt ihm mit dem eben gezeichneten Porträt samt Unterschrift und Vorankündigung eines Raubes bereits das beste Phantombild der Welt; der folgende Überfall auf einen Transporter mit einem Modgliani an Bord ist eine sehr spielerische Angelegenheit, nicht mal bedroht wird jemand.
Die Gentleman – Diebe ziehen sich daraufhin kurz in ihr luxuriöses Domizil zurück, erste Anzeichen einer komplizierten Dreiecksbeziehung werden aufgezeigt; Jim hält später Joe [ Chow Yun Fat ] einen kleinen Vortrag darüber, wie man Frauen richtig behandelt. Joe reagiert eher ablehnend; die von seiner Freundin Sherry [ Cherie Chung ] angesprochenen Heiratspläne und das Beenden der kriminellen Laufbahn werden auf die leichte Schulter genommen und weggewischt.
Ein zweiter Auftrag wird dann auch gegen Sherry’s Willen ausgeführt, Jim und Joe klauen in einer nächtlichen Aktion das nächste Bild.
Auch dieser Einbruch stellt sich eher als adrenalinarme Sequenz dar, geheime Drehtüren und Laserfallen sind kein Hindernis, wirkliche Gefahrenquellen gibt’s auch nicht, die wenigen akrobatischen Einlagen werden in etwas ungelenkiger Weise gemanagt. Am nächsten Morgen erscheinen plötzlich eine Handvoll Männer, die das Feuer eröffnen und bei der Flucht der beiden Chinesen eine grossangelegte Verfolgung veranstalten. Während der kurze Schusswechsel noch praktisch nach Nichts aussieht ist die anschliessende Autohatz schon besser gelungen, was wohl vor allem der Mitwirkung von Rémy Julienne zuzuschreiben ist. Mehrere ordentliche Autostunts verlagern das Geschehen an den Pier, Jim muss in einer wüsten Schiesserei gleichzeitig seine Haut verteidigen, das Bild schützen und sich dem Beschuss von mehreren Seiten erwehren; Woo – typisch wird dabei auch ein Kind aus dem Kugelhagel gerettet.
Joe dagegen setzt sein Auto direkt auf ein Motorboot; die Explosion verpufft ihn anscheinend aus dem bisher recht mittelmäßigen und etwas enttäuschenden Film.
Ohne Joe und das Bild kehrt das nunmehr geschrumpfte Duo nach HK zurück, wo plötzlich ein ganz anderer, besserer Film draus wird. Die jetzt herausgearbeiteten dramatischen Komponenten sorgen für Kontraste gegenüber dem bisherigen weichlichen Geschehen; zudem wird sich um einen narrativen Spannungsaufbau bemüht. Die zwischenzeitlich ablaufenden 2 Jahre Erzählpause werden raffiniert in Rückblenden und gleichzeitig verändernden Parallelereignissen gerafft zusammengefasst und eine konfliktreiche Personenkonstellation geschaffen: Die Figuren sind endlich gesetzt.
Die mittlerweile dritte Einbruchssequenz verlangt von Woo sogar etwas inszenatorisches Geschick, was prompt mitsamt einigen plötzlich funktionierenden Actionszenen geliefert wird. Dann folgt auch schon der Showdown als patentierter Indoor – Shootout; gegenüber den brachialen Gegenstücken in The Killer oder A Better Tomorrow 2 natürlich weit harmloser und leider zeitweilig auch zu sehr mit Schabernack verwässert, aber dennoch mit genug gekonnten Einstellungen geschmückt.
Die zweite Hälfte ist also klar besser, der Film besitzt nun Schwung und das nötige Timing, eine befürchtete Konzentration auf Probleme innerhalb des Trio’s wird zugunsten eines reinen Buddy – Picture von Cheung und Chow weggelassen. Die Witze ziehen zwar nicht immer, werden aber durch die Spielfreude des gut aufgelegten Teams etwas wettgemacht; zudem sich der Klamauk bis auf die Endszene relativ in Grenzen hält. Die Action ist nun flüssig und wartet trotz der fehlenden Härten mit einem hohen Bodycount auf; dass sich die Gwailos ab Minute 45 zurückziehen, dürfte den meisten auch positiv aufgefallen sein.
Dass der Film als Endprodukt nicht so wirklich beliebt ist, bleibt verständlich; als letztlich zu vernachlässigende, aber unterhaltsame Actionkomödie hat er dennoch einige Vorzüge.