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Tom Cruise spielt einen jungen Iren, der Ende des 19. Jahrhunderts nach einigen unglücklichen Ereignissen in seinem Heimatland beschließt, sein Glück in Amerika zu versuchen. Zusammen mit der Tochter eines reichen Großgrundbesitzers, gespielt von Nicole Kidman, die ebenfalls in Amerika einen Neuanfang starten will, kommt er schließlich in Boston an, wo er als Boxer und sie als Tänzerin ihr Geld verdienen. Schließlich plant er, sich ein Stück Land in Oklahoma zu sichern.

Zwischen seinen spannenden und sehr ansehnlichen Blockbustern "Backdraft" und "Apollo 13" startete Ron Howard mit "In einem fernen Land" den Versuch, das Leben der neuen amerikanischen Siedler Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts zu portraitieren, so ist unter Anderem der Oklahoma Land Run ein wesentlicher Bestandteil der Handlung. Aber an diesem Ziel scheitert der doppelte Oscar-Preisträger leider.

Zwar wird das Leben der beiden Siedler anfangs zumindest in Ansätzen dem Zeitgeist entsprechend dargestellt und die Milieustudie der Harfenstadt Boston, in der viele der neuen Siedler über die Runden zu kommen versuchen, ist auch in Ansätzen vorhanden, genauso, wie die von Irland, in dem sich die Landbevölkerung in großer Armut befand, aber ein skizzenhaftes Zeitportrait allein reicht leider nicht aus, um einen, gut zweistündigen Film zu füllen. Daher rächt sich, dass die Charaktere ziemlich klischeehaft konstruiert sind und ihr Schicksal daher kaum zu fesseln vermag. In scheinbar ewig andauernden Hochs und Tiefs der Beziehung Cruise/Kidman verliert sich der Film anschließend über weite Strecken und erzeugt damit Langeweile, obwohl Ron Howard, gerade dann, wenn es um gute Unterhaltungswerte geht, normalerweise ein Garant ist. Damit ist "In einem fernen Land" leider nicht das Siedler-Epos, das es gern wäre, sondern ein langatmiges Liebes-Drama mit historischen Teilaspekten.

Der langatmige, höhepunktslose Verlauf und die, doch relativ flache Story, bedeuten jedoch nicht, dass es sich bei "In einem fernen Land" um einen gänzlich schlechten Film handelt. So sind die Landschaftsaufnahmen von Oklahoma sehr gut fotografiert und werden gleich mehrfach mit hervorragenden Kamerafahrten in Szene gesetzt und auch die Aufnahmen von Irland, und von Boston können sich durchaus sehen lassen. Auch die Ausstattung lässt keine Wünsche offen und die dynamischen Bilder des Oklahoma Land Runs sind ebenfalls sehr gut geworden, aber, dass Ron Howard sein Handwerk versteht, ist ja nichts Neues. Der Score von John Williams ist ebenfalls gut gelungen. Teilweise sehr melancholische angehaucht, stellenweise auch mal etwas auffälliger, gewaltiger, wird der Film durchgehend gelungen unterlegt und so kommt zumindest stellenweise ein Hauch von Emotion auf, aber wirklich dramatisch oder spannend ist der Film leider kaum.

Tom Cruise, der sich nach seinen anfänglichen Sunnyboy-Rollen, wie zuletzt in "Tage des Donners" und drei Jahre nach seiner Rolle in "Geboren am 4. Juli" wohl endlich mal wieder als Charakterdarsteller profilieren wollte, spielt seine Rolle zwar ordentlich und ist ausreichend sympathisch, aber wirklich stark ist er nicht, dafür bewegt er sich die meiste Zeit über auf einem zu schmalen Grat zwischen einer authentischen Darstellung und seinem Sunnyboy-Image, wobei der schablonenhafte Charakter, mit dem er zu kämpfen hat, im Endeffekt seinen Teil dazu beisteuert. Nicole Kidman, die hier noch in einer ihrer früheren Rollen zu sehen ist, spielt ihre Figur noch blasser und lässt ihren Charakter daher nicht einmal ansatzweise an Profil gewinnen. Solide, mehr aber sind die Schauspielerleistungen leider nicht.

Fazit:
Herrlich fotografiert, mit den melancholisch getragenen Klängen von John Williams unterlegt und von Tom Cruise und Nicole Kidman zumindest solide gespielt, scheitert Ron Howards Siedler-Epos an seinen klischeehaften Charakteren und seiner nicht allzu spannenden Handlung, mit der "In einem fernen Land" leider sehr langatmig gerät. Annehmbar, mehr aber auch nicht.

50%

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