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Der Film lässt einen unbemerkt in die Rolle des Beobachters schlüpfen und man begleitet die Protagonisten auf ihrem Weg durch diese Amour fou. Die eingesetzte Handkamera vermittelt eine ungeheure Nähe und vermag den Zuschauer mitzureißen. Die Doppeldäutigkeit des Titels wird einem bei fortschreitendem Filmverlauf immer mehr bewußt - nicht Jimmy (das Kind), sondern Bruno (die Hauptfigur) benimmt sich wie jenes. Leider war das meine erste Begegnung mit den Brüdern "Dardennes" aber es wird bestimmt nicht meine letzte bleiben. Ihr Stil in "L'enfant" ist extrem nah an der Wirklichkeit ohne eine Wertung vorzunehmen, und das ist was mir hier so gefällt. Sie zeigen uns eine Etappe im Leben von Bruno und Sonia, heben dabei aber nicht warnend den Zeigefinger, sondern überlassen es dem Zuschauer seine eigenen Schlüsse daraus zu ziehen. Ein bemerkenswerter Film.