„Der weiße Hai“ ist und bleibt wohl für immer der klassische Beitrag zum Thema „Monsterhorror“ schlechthin. Dreißig Jahre hat der Film mittlerweile überstanden, ohne dass der Zahn der Zeit im etwas anhaben hätte können. Wer sich heute über Steven Spielbergs mangelnde Fähigkeiten aufregt, historische und ernste Themen gebührend auf die Leinwand zu bringen (sicher nicht immer zu Unrecht), der kann sich hier überzeugen, dass er zumindest ein Meister der Unterhaltung ist.
Ein Film, der zu allererst den Begriff „Blockbuster“ prägte, muss natürlich seine Qualitäten haben, denn sonst wären die Leute in den 70ern nicht in Scharen in die Kinos gerannt. Spielbergs Können zeigt sich vor allem darin, von Anfang an eine derart bedrohliche Atmosphäre aufzubauen, dass man gar nicht mehr anders kann, als sich am Kino- bzw. Fernsehsessel festzukrallen. Dass man dazu weder ein großes Budget, noch Computereffekte benötig, demonstriert er ebenfalls eindrucksvoll, da man das gefürchtete Ungetüm erst nach einer guten Stunde zu Gesicht bekommt und dann auch immer nur kurz. Ansonsten schwimmt mal eine Flosse an der Wasseroberfläche oder die Kamera nähert sich von unten an Badegäste an. Kamera- und schnitttechnisch kann man das nur als perfekt bezeichnen, kombiniert mit John Williams’ legendärem Score ergeben sich Spannungs- und Schockmomente für die Ewigkeit. Musterbeispiele hierfür wären gleich die berühmte Eingangssequenz, in der eine junge Frau in den frühen Morgenstunden Opfer des Hais wird, der Tauchgang eines Ozeanographen unter ein Boot, dass der Hai vorher angegriffen hat, sowie das komplette Finale mit drei Männern auf einem Kutter, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Biest zu erlegen.
Ansonsten ist das alles schön straff inszeniert, ganz ohne Subplots oder ähnlichem. Das führt einerseits zwar zu einer etwas eintönigen Gangart in Hälfte eins, ist andererseits aber nur spannungsfördernd, da man vom eigentlichen Thema nie abgelenkt wird. Großartig auch die Charakterzeichnung, so gehen vor allem die drei Hauptdarsteller regelrecht in ihren Rollen auf, ohne billige Abziehbilder oder Stereotypen zu sein, wie man das von den unzähligen Plagiaten und Ablegern des Films gewohnt ist.
Tatsächlich kenne ich keinen Menschen, der sich bei diesem ersten „großen“ Spielberg im Nachhinein über zuviel Langeweile beschwert hat. Ein Schocker, der einer ganzen Generation das Blut in den Adern gefrieren ließ, ohne den uns allerdings Aberdutzende schwacher Plagiate der Marke „Shark Attack“ erspart geblieben wären. Wer das Original gesehen hat, braucht danach eigentlich keinen Tiefsee-Monster-Horrorfilm mehr zu Gesicht bekommen, der Schrecken reicht auch so auf Lebenszeit!