Review

Mit diesem Film beweist Steven Spielberg, dass er in den 70ern einer der größten Talente in Hollywood war. Dass er erfolgreiche Filme gedreht seitdem noch und nöcher und stets zu wissen schien, was das Publikum sehen wollte, steht absolut außer Frage. Und dass er mittlerweile einer der mächtigsten Männer im Show-Biz sowieso nicht.

Aber der weiße Hai ist - kreativ gesehen - der absolute Höhepunkt seines Filmschaffens. Nahezu kompromisslos und ohne jeglichen Humor schickt er Roy Scheider auf eine brutale Tour de Force gegen einen scheinbar ungreifbaren weißen Hai, der nicht mehr davor zurück schreckt, Menschen anzufallen.

Dabei geht Steven Spielberg so rigoros zu Werke, dass der Zuschauer selbst alleine beim Sehen des Films für eine lange Zeit keine Lust mehr auf's Schwimmen im Meer haben wird. Sein Film ist psychologisch absolut ausgefeilt und dramaturgisch zieht Spielberg die Spannungsschraube derart an, wie es eigentlich danach in kaum einem anderen Film je wieder erreicht wurde. Mit möglichst wenig Worten wird ein spröder schnörkelloser Film abgeliefert, der völlig zu recht damals der erfolgreichste Film aller Zeiten war. Spielberg selbst hat diese Marke wohl diverse Male überboten, mit weitaus schlechteren Filmen, aber das ist eine andere Geschichte.

Sogar das kompromisslose, ja man fast meinen böse, Finale zeugt von Spielbergs wahrlich vorhandenem Talent, welches er bereits in Duell und Sugarland Express in ähnlicher Form andeutete. Hier vollendet er sein Können und ist nunmehr als ein Meister seines Fachs sichtbar.

Doch genau hier tritt nun das ein, was Spielberg als ganz großen Regisseur disqualifiziert, und warum dieser Film sein letzter großer Film war:Spielberg baut seine Dramaturgie in der Form auf, dass es zu einem finalen Showdown Mann gegen Hai im Wasser kommt. Bis hierhin ist alles gut, alles perfekt. Roy Scheider gewinnt. Auch hier ist noch alles gut. Er bleibt alleine im Wasser übrig. Auch hier ist alles perfekt.

Abspann. Und alles ist in Butter. Aber nein, Spielberg muß noch ein As aus seinem Ärmel herausholen, um ein Happy End zu gewährleisten: Richard Dreyfuß hat auch überlebt, und alles ist in Butter.

Wieso zum Teufel muß dieser Typ überleben? Und wieso kriegt man diesen Scheiß erst zwei Sekunden vor dem Ende aufgetischt? Zugegebenermaßen ist der Weiße Hai als Film so gut, dass man ihm dies verzeiht.Aber Spielberg bringt diese Art seiner Geschichtenerzählung und -aufbereitung fortan ununterbrochen, die schönsten und kompromisslosesten Geschichten, die er aufbaut, verlieren dadurch immer an Intensität. Zuletzt in Krieg der Welten, wo die Familie am ende glücklich vereint ist.

Glaubt er wirklich, dass das Publikum ohne dieses aufgezwungene Happy End schlechter leben würde? Oder das er weniger verdienen würde? Beim Weißen Hai, der ja bis dahin ein extrem kompromissloser Film war, hätte das mit Sicherheit niemanden gestört.

Ja, Spielberg ist ein Meister seines Fachs, ohne Zweifel, aber er hat definitiv seine Kunst und zweifellos vorhandene Kreativität dem Kommerz geopfert. Was hätte dieser Mann für gute Filme drehen können, stattdessen versank er im kommerziell erfolgreichen Mittelmaß. Und als er dann schließlich so lange so erfolgreich gewesen war, dass er die Filme drehen konnte, die ihm auch am Herzen lagen, wo er auch nicht auf die Gunst des Publikums angewiesen war, wo er nur noch gute Filme drehen wollte, um des Filmens willen oder für sich selbst, da war es plötzlich zu spät: Er hatte viel zu lange dem Kommerz gehuldigt, die Filme viel zu lange und viel zu oft, dem breiten Publikum angepasst, dass er seine Fähigkeit wirklich gute, feine, kleine Filme zu drehen völlig verloren bzw. vergessen zu haben schien. So konnten seine ambitionierten Filme wie Schindlers Liste, Amistad oder München, ja teilweise sogar A.I., nie das einhalten, was sie versprachen, sie konnten nie die Klasse eines kleinen feinen Horrorfilms über einen Hai auch nur annähernd erreichen.
Nur weil dieser Dreyfuß überleben musste, verpasst dieser Film also die volle Punktzahl.
9 Punkte.

Details
Ähnliche Filme