Roy Schneider spielt den Polizeichef einer amerikanischen Kleinstadt, der den Strand absperren will, da ein weißer Hai sein Unwesen treibt. Als der Bürgermeister seiner Bitte nicht nachkommen will, da die Badesaison eine wichtige Erwerbsquelle für die Stadt darstellt und die Zahl der Opfer immer weiter zunimmt, beschließt er zusammen mit einem Biologen, gespielt von Richard Dreyfuss, und einem professionellen Jäger, gespielt von Robert Shaw, das Tier zu jagen und zu töten.
Mit drei Oscars prämiert und mit einem Einspielergebnis von 470 Millionen Dollar bei einem Budget von sieben Millionen Dollar der seinerzeit kommerziell erfolgreichste Film überhaupt, ist "Der weiße Hai" heute gleichermaßen ein Kultfilm, eines der besten Werke aller Zeiten und ein Klassiker und hat über drei Jahrzehnte kein Stück seines Reizes eingebüßt.
Im Wesentlichen ist es Steven Spielbergs nahezu perfekte Inszenierung, die dieses hervorragende Stück Filmgeschichte ausmacht und dem Blockbuster-Giganten schließlich einen fulminanten Durchbruch bescherte. Nachdem er den ersten Angriff des weißen Hais ziemlich brutal und erschreckend aufgezeigt hat, lässt er sich Zeit, um seine Charaktere zu konstruieren und nach und nach eine gespannte Atmosphäre aufzubauen, da der Hai jederzeit zuschlagen könnte. Dabei legt er ein verhältnismäßig langsames Erzähltempo vor, behält dabei aber alle Fäden in der Hand, mit denen er auf die lang ersehnte zweite Hälfte zusteuert: Die Jagd auf den Hai.
Und eben diese könnte nicht besser sein. Mit dem hervorragenden Score des Meisterkomponisten John Williams, der für "Der weiße Hai" seinen zweiten von mittlerweile fünf Oscars in Empfang nehmen konnte, baut Spielberg seine zum Bersten gespannte Atmosphäre noch weiter aus und hält den Adrenalin-Spiegel rund eine Stunde lang auf Höchst-Niveau. Dabei fängt er sowohl die Weiten und die Faszination, als auch die Bedrohung und die Einsamkeit des Ozeans hervorragend ein und bietet so auch optisch einiges, zumal auch der Hai täuschend echt wirkt und darüber hinaus auch die Action-Szenen am Ende voll und ganz überzeugen können.
Das, was Spielberg auch später zu einem der besten Regisseure aufsteigen lies und vor allem seine Blockbuster, wie seine "Indiana Jones"-Reihe, oder seine "Jurassic Park"-Teile auszeichnen sollte, ist seine Fähigkeit, das Tempo immer weiter zu erhöhen und damit eine enorm hohe Spannungskurve zu erreichen. Anfangs ist die Jagd auf den weißen Hai so leicht bedrohlich, stellenweise beinahe heiter, wird dann aber immer spannender und ernster. Spielberg platziert zunehmend mehr Action-Szenen und verwendet immer häufiger die Spannungsmusik von Williams. Zudem zünden auch die, zum Ende hin vielleicht etwas zu oft verwendeten Ton-Effekte, die immer mal wieder erschrecken und so liefert Spielberg einen der spannendsten Filme aller Zeiten ab, der nach der erfolgreichen Jagd schließlich schnell und abrupt endet, ohne noch einmal zu langweilen, oder zu einem kitschigen Happy End anzusetzen. Man kann von seinem Profitkalkül halten was man will, aber Spielberg ist definitiv einer der besten Regisseure, den Hollywood je hervorgebracht hat.
Angesichts von Spielbergs virtuosen Inszenierung tritt die Story relativ weit in den Hintergrund und das ist im Prinzip auch gut so. "Der weiße Hai" bietet leider keine einzige unvorhersehbare Wendung und läuft bereits anfangs sehr offensichtlich auf den Kampf Mensch gegen Tier hinaus. Die drei Hauptcharaktere sind nicht wirklich vielschichtig konstruiert und ziemlich deutlich auf niveauloses Unterhaltungskino zugeschnitten, so haben sie alle Ecken und Kanten, sind aber doch sehr sympathisch und liebenswert. Die Story ist damit sehr kindgerecht, fast schon naiv, was aber auch nicht weiter stört, da in diesem Fall das zählt, was Spielberg daraus macht.
Da die drei Jäger in der zweiten Hälfte des Films auf sich allein gestellt auf dem Meer treiben und es vor allem anfangs keine größeren Zwischenfälle gibt, ergibt sich zwischenzeitlich ein relativ leerer Raum, den die drei Hauptdarsteller jedoch perfekt ausfüllen können. Für Roy Schneider sollte die Rolle des engagierten Polizeichefs, der schließlich beschließt den Hai zu jagen für immer seine Paraderolle bleiben, obwohl er mit "French Connection" und "Der Marathon-Mann" in den 70ern einige weitere Erfolge verbuchen konnte. Schneider liefert eine rundum sympathische Leistung ab und überzeugt damit voll und ganz als Held des Films. Nach "American Graffiti" und "Die Reifeprüfung" und vor seinem Oscar-Gewinn mit "Der Untermieter" befand sich Richard Dreyfuss in den 70ern auf dem Höhepunkt seines Schaffens und auch er brilliert als liebenswerter Biologe, der trotz seiner Abneigung gegen die Jagd auf Haifische an einer teilnimmt, genauso, wie Robert Shaw, der als kerniger Jäger eine starke Leistung vollbringt.
Fazit:
Mit dem hervorragenden Score von John Williams, den drei überzeugenden Hauptdarstellern und der überragenden Inszenierung von Stephen Spielberg kann "Der weiße Hai" durchgehend unterhalten und wird zum Ende hin zunehmend temporeicher, atmosphärischer und spannender. Auch nach drei Jahrzehnten bietet Spielbergs Meisterwerk also Nervenkitzel vom Feinsten und gehört zum cineastischen Pflichtprogramm.
90%