"Sie werden ein größeres Boot brauchen."
Die Stadt Amity ist durch seine beliebten Sandstrände bekannt und zieht zur Sommerzeit zahlreiche Touristen an. Da passt es Bürgermeister Vaughn (Murray Hamilton) garnicht, dass nach dem auftauchen einer zerstückelten Leiche am Strand eben dieser von Polizeichef Martin Brody (Roy Scheider) vorübergehend gesperrt wird. Trotz der Bedenken von Brody und dem Forscher Matt Hooper (Richard Dreyfuss) ein Hai könnte für den Angriff zuständig sein und sich noch immer in den Gewässern befinden, wird der Strand vom Stadtrat wieder geöffnet. Erst ein weiterer Übergriff des Tieres veranlasst Brody, Hooper sowie den Fischer Quint (Robert Shaw) mit einem Boot auf die Jagd nach dem Hai zu gehen. Allerdings erweist sich das Tier als größer und gefährlicher als zunächst vermutet.
Schon lange gilt "Der weiße Hai" von Steven Spielberg ("Indiana Jones"-Reihe, "Jurassic Park"-Reihe) als Klassiker und Auslöser für eine folgende Flut an Filmen, die sich einer ähnlichen Erzählweise bedienten. Die Mischung aus Charakteraufbau, sanft ansteigender Spannungskurve und atmosphärischer Bedrohlichkeit hat allerdings auch schon in ihrer ursprünglichen Form den Hang zu Längen.
In seiner ersten Hälfte formuliert "Der weiße Hai" eine große Anzahl an Figuren, insbesonders den Hintergrund seiner Hauptfigur Brody. Neben der Definition einer auslösenden Paranoia findet hier allerdings noch keine Vertiefung der Charaktere statt. Dies passiert erst in der zweiten Hälfte, die mit dem Fokus auf drei Figuren viel mehr Interaktion erreicht als zuvor mit zahlreichen Personen. Da die vielen Nebenfiguren auffällige Klischees aufweisen, wird es in der ersten Stunde doch ein wenig langwierig, denn die Szenen mit dem Hai halten sich noch zurück.
Nach jener Exposition, wechselt der Film das Setting, und wendet sich den Abenteueraspekten seiner Geschichte zu, ohne jedoch bereits angerissene Themen versanden zu lassen. Hier entsteht auf Basis der zuvor offenen Inszenierung eine beklemmende Dichte. Einerseits durch die Einschränkung des Szenarios, andererseits durch die Kombination aus aufkeimender Angst und den Angriffen eines unterschätzten tierischen Kontrahenten.
Durch die greifbaren Umstände wirkt "Der weiße Hai" stets real und schürt somit auch die Angst des Publikums vor dem Unbekannten im Wasser. Besonders der einprägsame, bedrohliche Soundtrack und die erschreckenden Hai-Szenen vermitteln ein angenehm unwohles Gefühl. Spielberg ist sich hier auch nicht zu schade um im Finale mit bestialischen Höhen völligst neue Wege zu eröffnen.
Die Schauspieler erweisen sich als ordentlich ohne Höchstleistungen zu bieten. Charismatisch geben sich die Hauptdarsteller Roy Scheider ("Der Marathon-Mann"), Richard Dreyfuss ("Unheimliche Begegnung der dritten Art") und Robert Shaw ("Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123"). Ein Gespann, das untereinander gut harmoniert.
"Der weiße Hai" gehört zu den besten Filmen der 70er Jahre und ist gleichzeitig ein Meilenstein der Kinogeschichte. Durch seine kompromisslos realistische Inszenierung hat er auch nach weit mehr als 30 Jahren nichts von seiner dichten Atmosphäre verloren. Allerdings erweist sich die Charakterisierung und schleppende Erzählweise in der ersten Stunde als etwas zu langwierig.
8 / 10