Review
von Alex Kiensch
Wohl kein Film zuvor sorgte für so große Angst und anhaltende Sorgen bei den Zuschauern wie dieser Klassiker des Tier-Horrorschockers. Nachdem der berühmte "Weiße Hai" im Kino auf die Jagd nach nichts ahnenden Badeurlaubern gegangen war, brachen die Sommereinnahmen selbst der bekanntesten Badeorte in den USA und auch dem Rest der Welt bedenklich ein. Nach diesem einschlagenden Erfolg ließen Fortsetzungen natürlich nicht lange auf sich warten und bis heute hat es ungezählte Nachahmer gegeben, in denen die verschiedensten Haie aus verschiedensten Gründen immer wieder dasselbe tun.
Im Grunde kein Wunder: Mit für seine Zeit außerordentlich blutigen und grausamen Szenen schockt der Film selbst heute noch Zartbesaitete. Hinzu kommt eine herausragende Dramaturgie werden in der ersten Hälfte Ur-Ängste des Menschen angesprochen, wenn immer wieder aus subjektiver Sicht des Hais gezeigt wird, wie er sich den Schwimmenden von unten nähert, um sie in die dunklen, unbekannten Tiefen des Meeres zu reißen, wendet sich die Story in der Schlusshälfte schlagartig zu einer kammerspielartigen, hochspannenden Jagd, bei der man nicht genau weiß, ob nun der Hai oder die drei Männer auf dem Boot, die ausgefahren sind, ihn zu töten, die Gejagten sind. Bis hin zum furiosen Finale besticht der Film durch eine anhaltend hohe Spannungskurve, unterlegt von John Williams' berühmter Musik. Auch ist es ein gelungener Schachzug von Regisseur Steven Spielberg, die Bestie lange Zeit gar nicht zu zeigen oder bestenfalls anzudeuten. Erst am Ende, im Zweikampf mit seinen Jägern, zeigt er sein ganzes, riesiges Gesicht.
Doch das wahre Talent Spielbergs zeigt sich in der Figurenkonstellation. Trotz des Zuschnitts des Films auf Spannung und Unterhaltung geht ihm nicht die Charakterisierung der Hauptprotagonisten abhanden. Was man heute wohl schon als Klischees abtun müsste, stellt hier die klassische Figurensammlung dar: ein Mann, der gegen bürokratische Uneinsicht für das Gute kämpft, ein Raubein mit bewegter Geschichte, das mit großer Sicherheit gefressen wird, und ein Fachmann, der unauffällig dem Zuschauer all das vermitteln soll, was er wissen muss.
Natürlich sind Filme, die Tiere jedweder Art als mörderische Bestien zeigen, mit Vorsicht zu genießen. Und in dieser Hinsicht dürfte "Der weiße Hai" sicher nicht gerade dazu beigetragen haben, die bestehenden Vorurteile gegen die majestätischen Räuber der Meere zu verringern. Aber wollen wir mal nicht päpstlicher sein als der Papst - in filmischer Hinsicht ist dies unbestreitbar ein Klassiker des Horrorfilms, der seine Zuschauer bis heute in den Bann zu ziehen weiß.