Regisseur Russell Mulcahy kann in seiner Filmographie lediglich auf einen wirklichen Superhit zurückblicken, auf den er zu Recht stolz sein darf, und das ist „Highlander“.
Alles andere wurde entweder zu einem Flop oder von Kritikern zerrissen.
Und auch sein Cop-Thriller „Ricochet“ fand mit einem Einspielergebnis von lediglich 20 Mio Dollar nur relativ wenig Aufmerksamkeit am US-Markt.
Dabei ist Ricochet gar kein schlechter Film.
Die Geschichte des L.A. Cops Nick Styles (Denzel Washington), der über Nacht einen steilen Karriere Aufschwung erlebt, indem er durch eine ungewöhnliche und publikumsreife Show den Wahnsinnigen Talbot Blakes (John Lithgow) dingfest macht, und Jahre später das Opfer eines heimtückischen Racheplanes des inzwischen ausgebrochenen Blakes wird, ist trotz einiger Schwächen im Drehbuch äußerst spannend und unterhaltsam.
Grund dafür ist allen voran Denzel Washington, der hier zwar gewiss nicht die Rolle seines Lebens spielt, aber auf jeden Fall richtig Laune macht mit seiner lebhaften Darstellung.
Sein Nick Styles ist ein kleiner Entertainer, denn er kann verdammt gut reden, und obendrein auch noch eine tolle Show abziehen. Man achte nur darauf wie stilvoll und lässig er seine zukünftige Ehefrau zum Rendevouz einlädt, oder wie er dem bösen Blake herrlich zynische Sprüche an den Kopf wirft.
Wie er schließlich die schicksalhafte Auseinandersetzung mit Blakes meistert dürfte jedem Zuschauer ein „WTF?“-Face herbeizaubern, und schon bleibt Washington’s Performance unvergesslich.
Und auch John Lithgow bleibt auf jeden Fall im Gedächtnis mit seinem skrupellosen Wahnsinngs-Bösewicht Blake, auch wenn er noch nicht ganz so professionell und kalt agiert wie später in seiner Lebensrolle in „Cliffhanger“.
So gewissenlos wie er während seines Knastausbruches wie ein Verrückter um sich meuchelt, will man gar nicht daran denken, dass er nach seinem geglückten Ausbruch irgendetwas tiefgehenderes mit Styles vor hat.
Doch genau das ist der Fall; Blake hat Styles sorgfältig studiert, und einen Masterplan ausgetüftelt, mit dem er das Leben von Styles Stück für Stück zerstört.
Anstatt ihn also einfach umzubringen will Blakes seinen Erzfeind viel lieber in den gesellschaftlichen Ruin treiben, und dort leiden sehen.
Und ab hier beginnt der Film richtig interessant zu werden, wenn Styles guter Ruf allmählich den Bach runter geht, er nur noch völligen Blödsinn zu reden scheint, und dank Blakes raffiniert eingefädelter Umstände auch kein Mensch dem sichtlich verwirrten Styles glauben möchte.
Zwar sind einige dieser von Blakes gestellten Fallen vorhersehbar, aber das tut dem Filmspass keinen Abbruch.
Was da eher den Spass etwas trübt, ist die unnötig brutale Gewaltdarstellung.
Da der Film ohnehin weitestgehend als Thriller durchgeht, und die Action sich bis zum Finale hin eher zurückhält, fallen die wenigen, für die FSK-18 Freigabe verantwortlichen Gore Szenen umso negativer ins Gewicht. Da wird einem Polizisten ein Bohrer in den Hals gerammt, und einem anderen wird die Schulter mit einer Kreissäge „massiert“...
Diese doch recht heftigen Szenen wollen nicht recht zum Rest des Filmes passen, wo Denzel Washington mit seiner lässigen Vorstellung einen wesentlich lockereren Ton angeschlagen hat.
Zudem wird es auch ganz schön lächerlich, wenn sich Blakes mit Telefonbüchern auspolstert um im Knast in einem eindeutig an Highlander angelehnten Zweikampf gegen einen Knastbruder zu bestehen.
Bleikugeln fliegen den gesamten Film durch verhältnismäßig wenig, denn es gibt gerade mal eine ausgiebige Schießerei (Blakes Ausbruch), dafür aber wird eine große, klar das Highlight des Filmes markierende Explosion geboten, mit einem anschließenden Zweikampf an einem großen Klettergerüst.
Hier sind nun beide Figuren an einem Stadium angelangt, in welchem sie gar nicht mehr wieder zu erkennen sind. Styles markiert hier nun den psychopathisch lachenden, siegessicheren Übermann, für den selbst ein aufgespießter Arm kein Handicap darzustellen scheint, und Blakes wirft seine Prinzipen völlig über Bord und klettert wutentbrannt wie ein wildes Tier auf seinen Kontrahenten zu.
Gar so packend wird dieser Showdown zwar nicht inszeniert, denn dafür agiert Styles zu in dieser Szene bereits viel zu selbstsicher, aber immerhin spricht das für Denzel’s hervorragendes Schauspiel.
Und genau das gepaart mit dem weitestgehend spannenden Drehbuch macht „Ricochet“ sehenswert. Mal abgesehen von den paar Gore-Ausrutschern, den kleinen storytechnischen Ungereimtheiten und einigen Vorhersehbarkeiten bleibt Ricochet dank zweier starker Hauptdarsteller spannend und vor allem unterhaltsam