Review

Die Dramaturgie eines Thrillers funktioniert oft dann am besten, wenn das simple Spiel zwischen Gut und Böse im Vordergrund steht. Cop gegen Gangster und später renommierter Staatsanwalt gegen entflohenen Häftling mit Racheplan, - das funktioniert soweit ganz gut, lässt aber Merkmale eines wirklich denkwürdigen Streifens vermissen.

Das Markante des Geschehens geht am ehesten auf das Konto seiner beiden Hauptdarsteller: Der noch junge Denzel Washington agiert als Held Styles, als er anfangs Gangster Blake (John Lithgow) auf dem Rummelplatz stellt. Da diese Aktion durch die Medien geht, nicht zuletzt, weil Styles den Fiesling in Unterhose dingfest machte, geht seine Karriere steil bergauf. Blake hingegen schmort einige Zeit im Knast, bevor er mit einigen Typen ausbricht, seinen eigenen Tod vortäuscht und fortan seinen perfiden Plan verfolgt, Styles Leben zu ruinieren.

Besonders die manipulative Macht des Fernsehens kommt gut zum Vorschein. Immer wieder erscheint Styles locker lächelndes Gesicht auf dem TV-Schirm, er findet stets die richtigen Worte und macht schon bald als Staatsanwalt von sich reden, was Blake alles während seiner Knastzeit verfolgt.
Als Blake den Spieß umdreht, stürzen sich die Medien erst Recht wie Geier auf die Ereignisse.
Ein Kollege wird als pädophiler Selbstmörder hingestellt, Styles ein Sexskandal in die Schuhe geschoben und am Ende werden die Medien fast zum Spielball, zumindest aber Zeugen des Showdowns.

Was Blake so alles anstellt, um Styles leiden zu sehen, geht oftmals in Bereiche des Überkonstruierten. Der Bösewicht pokert mit Unwahrscheinlichkeiten und hat lange Zeit ein unglaubwürdig günstiges Timing, als auch irrationales Verhalten der Spielfiguren auf seiner Seite, was besonders gegen Ende vermehrt auffällt.
Glücklicherweise kann das die recht straffe Erzählweise größtenteils kaschieren.

Was auf Ebene des Thrillers ganz solide funktioniert und mit einem konstanten Spannungsbogen trotz simpler Prämisse daherkommt, lässt auf Actionbasis leider ein wenig vermissen. Zwar fallen ein paar ungewöhnlich harte Szenen, blutige Schießereien und eine wuchtige Explosion positiv ins Auge, doch gerade fürs Finale hätte man sich etwas mehr Dampf gewünscht und auch ansonsten wirkt so ein merkwürdiger Schwertkampf im Knast eher wie eine unnötige Reminiszenz an „Highlander“, wofür sich Regisseur Russell Mulcahy ebenfalls verantwortlich zeichnet.

Der Unterhaltungswert ergibt sich schlicht durch die klare Darstellung beider Parteien. Blake verachtet man von Beginn an, er ist ein kalt lächelnder, überaus brutaler Klotz und es läuft einem kalt den Rücken herunter, als dieser sich in Abwesenheit des Kontrahenten in dessen Haus befindet und sich als Mann von der Stadtwerke ausgibt und den beiden Kindern als lieber Onkel präsentiert. Dieser Typ geht auch innerhalb eigener Reihen über Leichen.
Styles ist hingegen der Bilderbuch-Held mit sozialer Ader, Sinn für Gerechtigkeit und einem grundlegend sanften Wesen, - in ihm findet man sich (fast) jederzeit wieder.
Aus dieser Konstellation hätte man mithilfe beider Darsteller durchaus noch mehr herausholen können, doch immerhin ist man konstant bei der Sache und fiebert zwischenzeitlich auch mal mit.

Insofern ist „Ricochet“ beileibe kein Meilenstein unter den Action-Thrillern geworden. Er ist eher einer, der über die Distanz gut unterhält, aber nicht lange in Erinnerung bleiben dürfte.
Sauber inszeniert, optisch passabel, durchaus kurzweilig, aber eben ohne jene Szenen, die einem eine Mundwüste bescheren.
Dafür mangelt es letztlich doch an wirklichen Überraschungen.
Knapp
7 von 10

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