Review

Arm- und Auge-zu-Drücken

„Ricochet“ lockt einen mit Actionaura und zwei Topstars - aber man bleibt für eine wirklich bizarre und rachsüchtige Thrillerstory… Über einen Polizisten, der zu Beginn seiner Laufbahn einen echt gefährlichen Psychopathen hinter Gittern bringt, dadurch seinen Bekanntheitsgrad in L.A. erhöht und seine Karriere durch die Decke schießt - doch sein „Opfer“ plant hinter den schwedischen Gardinen einen langwierigen und bitterbösen Racheplan, der sich über Jahre ziehen wird…

In Sachen Musikvideos hat Regisseur Russell Mulcahy zwar abgeliefert wie kaum ein zweiter - doch Langfilme hätte der Mann meiner Meinung nach doch noch deutlich mehr in seiner Sturm- und Drang-Zeit abliefern können. Mit „Highlander“ hat er sich zwar wahrhaftig unsterblich gemacht und es gibt auch Geheimtipps wie „Razorback“ oder „Silent Trigger“ in seiner Filmografie zu finden, oder eben „Ricochet“. Doch wahrscheinlich hat ihm ein Flop und eine Enttäuschung auf allen Ebenen wie „Highlander II“ einfach zu sehr geschadet und wehgetan. Was jedoch zum Glück nichts vom Handwerk und Können eines „Ricochet“ nimmt - obwohl dieser sogar im selben Jahr wie das gänzlich schiefgegangene Highlander“-Sequel entstanden ist! Zum Glück ist „Ricochet“ nicht ein solcher Reinfall. Ganz und gar nicht. Denzel liefert ab, egal ob als Cop auf der Straße, als Familienvater daheim oder Anwalt im Gerichtssaal. Dazu kann man mit einem John Lithgow als Bösewicht nun wirklich nichts falsch machen. Und wer ein reines Actionfeuerwerk erwartet wird überrascht - manche eventuell positiv, andere negativ - denn über weite Züge nimmt er eine perfide Psychothrillerspielweise an, die näher an sowas wie „Cape Fear“ als an „Con Air“ liegt. Dazu lockert ein Ice-T das recht ernste Geschehen auf, dazu werden die Watts Towers endlich mal für einen Film und sogar (kuriosen!) Showdown genutzt, dazu gibt’s bizarre Nebenfiguren und Sets (z.B. einen Fetischnachtclub!). Zimperlich ist das Ganze auch nicht. Insgesamt kann und will ich da nicht meckern. Selbst wenn er tonal und logisch nicht immer homogen oder clever bleibt, um es noch milde auszudrücken. Selbst wenn die ganz großen Action-Setpieces fehlen. Und selbst wenn es nicht an jeder Ecke knallt und splattert. „Ricochet“ wird mir dennoch im grünen Bereich im Gedächtnis bleiben. 

Fazit: vollkommen kompetenter, unberechenbarer und unterhaltsamer 90s-Action-Thriller mit einem Top-Darsteller-Duell und fiesen Psychospielchen… Sehr solide. „Denzel vs. Lithgow“ hält was es verspricht. 

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