Ich habe mir das alte Original von Casino Royale anders vorgestellt: Ich dachte, es wäre eine typische Bond-Verfilmung. Gewisse Tendenzen zur Selbstironie hatte der ein oder andere Bond bisher auch. Aber was ich zu sehen bekam, war einfach unglaublich:
1. Schauspieler: Hier trifft sich eine ganze Starriege, von Peter Sellers, über David Niven, bis hin zu Woody Allen sind fast alle Komödienstars dieser Zeit in diesem Film zu finden. Es macht den Anschein, als hätten sie beim Dreh viel Spass gehabt, denn alle spielen ihre Rollen überzeugend, ohne jedoch aus ihrem (vom Regisseur gewollt erzeugten) Klischee auszubrechen. Ganz vorne dabei ist da natürlich der geniale Peter Sellers, der – ohne grossartige Klamaukgrimmassen oder Rumgekasper – einfach unbeschreiblich komisch wirkt. Gab es jemals einen Bond mit trockenem englischen Humor, dann ist er es!
2. Der Film ist für die damalige Zeit absolut state-of-the-art. Explosionen sind nicht ganz so zahlreich wie in den richtigen, offiziellen James Bond Filmen, braucht aber von der Qualität und der Stimmigkeit her keinen Vergleich mit seinen Artgenossen zu scheuen. SFX sind gut in Szene gesetzt und wirken passend.
3. Der Soundtrack ist eher satirisch und reicht von kinderliedartigen Melodien bis hin zu Bond-liken Big Band Untermalung. Alles in alles sehr gelungen, wenngleich auch nicht oscarreif.
4. Ein paar Worte zum Konzept: Der Film ist eindeutig eine Satireversion des bekannten Bond-Genres. Immer wieder habe ich mich dabei erwischt, dass ich laut lachen musste, denn die Seitenhiebe sind wirklich so passend und manchmal auch wirklich fies, dass man selbst das ganze Bond-Konzept anzuzweifeln beginnt. („Und Sie erst, M. Sie mit Ihrer flammenwerfenden Zigarre. Sie sind auch ein Scherzartikel-Spion!“) Bezeichnenderweise sind fast alle bösen Charaktere überaus gutaussehende Frauen. Hier wird kräftig mit dem Mythos „James Bond“ aufgeräumt. „Wahre“ Bond-Fans sollten sich von diesem Film aber jetzt nicht entmutigen lassen. Denn immerhin gilt ansonsten noch immer: Wo Bond drauf steht, ist auch irgendwo Bond drin. Ausser in diesem Film, denn hier findet man mehr, als das typische Bondklischee – nämlich den Mut, bewährte Konzepte zu hinterfragen und durch den Kakao zu ziehen.
Fazit: Von mir bekommt diese mutige James Bond Persiflage eine Wertung von 9 von 10 Punkten. Manchmal sind die Dinger recht vorhersehbar, was dem ganzen Vergnügen aber keinen Abbruch tut. Auf jeden Fall empfehlenswert für alle Fans von Peter Sellers. James Bond Fans mit einem gepflegten Sinn für Humor und Selbstkritik sei dieser Streifen auch ans Herz gelegt. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass die neue Bond-Verfilmung des Ian Flemming Buches ebenfalls einen solchen Standard erreicht – spielt keine Rolle ob Komik oder mit Action und Ballerei.