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Barry Pepper spielt einen Grenzposten an der mexikanischen Grenze, der versehentlich einen mexikanischen Einwanderer erschießt und den Leichnam im Nirgendwo vergräbt. Dabei hat er jedoch die Rechnung ohne den besten Freund seines Opfers, gespielt von Tommy Lee Jones, gemacht, der ihn mit einer Waffe bedroht, ihn zwingt die Leiche auszugraben und sich mit ihm auf den Weg nach Mexiko macht, wo er seinen Freund in seinem Heimatdorf beisetzen will.

Clint Eastwood hat es mit "Million Dollar Baby", "Mystic River" und "Erbarmungslos" bereits mehrfach bewiesen, Kevin Costner hat es mit "Der mit dem Wolf tanzt" gezeigt, Mel Gibson mit "Braveheart", Tim Robbins mit "Dead Man Walking" und Sean Penn mit "Das Versprechen" und "Into the Wild". Gute Darsteller können auch gute Regisseure sein und bereits beim Regiedebüt ist alles drin, auch wenn bekannte Schauspieler natürlich nicht zwangsläufig gute Regisseure sein müssen und nun versucht auch Tommy Lee Jones mal sein Glück. Dass sich Tommy Lee Jones, Hollywoods letzter Cowboy, der selbst auf einer Ranch Rinder züchtet, einen Western für sein Regiedebüt aussuchen würde, war klar und alles in allem ist der Film durchaus gelungen, vor allem weil Jones keine Zugeständnisse an typische Hollywood-Western macht und den Film konsequent jenseits aller Stereotypen hält.

Die Story stammt von Guillermo Arriaga, der schon bei "21 Gramm" überragende Arbeit leistete und ein perfektes, vielschichtiges und verschachteltes Drama ablieferte. Und wie schon bei "21 Gramm" ist der Plot an sich nicht sonderlich interessant und hat kaum Komplexität, da es kaum Wendungen gibt. Arriga verschachtelt die Stränge jedoch hervorragend und hebt den Anspruch damit deutlich. Die Charakterkonstruktion ist hervorragend gelungen und die beiden Hauptfiguren sind dabei leicht skurril überzeichnet, haben aber dennoch so viel Tiefe, dass man sämtliche Beweggründe der beiden Figuren versteht und auch die Wandlung der beiden Personen durch den gemeinsamen Trip deutlich sieht. Arriga lässt einige Nebenfiguren und Nebenhandlungen in den Film mit einfließen und portraitiert das Leben an der mexikanischen Grenze hervorragend, bremst den Film so aber stellenweise aus. Dabei wird die ganze Zeit über das Thema Schuld und Sühne behandelt, aber nicht aufgelöst, um dem Zuschauer Spielraum für eigene Gedankengänge zu lassen.

Ohne Action, ohne sonderlich auffällige Musik- und Ton-Effekte, ohne erzählerische Ungeduld und auch nur den geringsten Ansatz von Kurzweiligkeit und ohne jeglichen Humor setzt Tommy Lee Jones den Film absolut stielarm in Szene und liefert damit ein, stellenweise etwas bizarr wirkendes, sperriges Werk, dass dennoch sehenswert ist. Auch wenn Jones auf die meisten Stilmittel des Unterhaltungskinos verzichtet, kann er eine gespannte Atmosphäre aufbauen, da man die Spannung zwischen den beiden Hauptfiguren förmlich spüren kann und sich die beiden Darsteller ein hervorragendes Duell liefern. Dramatik erzeugt Jones ebenfalls nicht zu knapp und mit der stielarmen Inszenierung wirkt der Film zwar spannend, aber auch beruhigend, zumal er die weiten Landschaften von Mexiko virtuos einfängt und so einen hohen Schauwert mit surrealen Bildern erzeugt. Leider braucht der Film so natürlich sehr lang, bis er einen hohen Unterhaltungswert entwickeln kann und langweilt in der ersten Hälfte über weitere Strecken.

Auch als Darsteller überzeugt Jones voll und ganz und fühlt sich in der Rolle des ruhigen Cowboys, die er schon in "The Missing" meisterte wohl wie eh und je und passt zudem mit seiner kantigen und kauzigen Art hervorragend in seine Rolle. Während er als Darsteller in letzter Zeit vor allem mit seinen Meisterleistungen in "No Country for Old Men" und "Im Tal von Elah" in Erscheinung treten konnte, macht er sich hier also erneut hervorragend und zeigt, dass er nach wie vor zu den besten Charakterdarstellern der Welt gehört. Barry Pepper kennt man hauptsächlich aus potentiallosen und unauffälligen Nebenrollen, wie in "Der Soldat James Ryan", "The Green Mile" oder "Wir waren Helden" und bekommt nun endlich einmal die Chance, sich in einer Hauptrolle zu empfehlen und das macht er mit seiner makellosen Darstellung auch. Er stellt den fortlaufenden Wandel seiner Figur überzeugend dar und macht sich sowohl in der Täter-, als auch in der Opferrolle sehr gut. Der übrige Cast ist ebenfalls gut.

Fazit:
"Three Burials" ist langatmig, läuft sehr langsam an und ist wirklich sperrig, ist das Ansahen aber wirklich wert. Mit zwei überragenden Hauptdarstellern, einer guten Optik, einer verschachtelten Erzählstruktur und einer vielschichtigen Handlung, in der der Wandel der beiden Hauptfiguren sehr überzeugend dargestellt wird, ist "Three Burials" ein sehenswerter Western, in dem Tommy Lee Jones durchaus Talent als Regisseur beweisen kann.

66%

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