Review

"Ein Mord wird angekündigt. Er wird Freitag, den 29. Oktober, um 6 Uhr 30 abends in Little Paddocks verübt. Freunde und Bekannte sind herzlichst eingeladen, daran teilzunehmen. Eine zweite Aufforderung erfolgt nicht."

Vierter Film der Ersten Staffel der Neuauflage der Miss Marple - Serie, in der unabhängig der chronologischen Reihenfolge die Romane von Agatha Christie einer oft die inhaltliche Wiedergabe recht treu wiedergebenden Verfilmung, anfangs noch mit Geraldine Mc Ewan in der Titelrolle unterzogen wurden. Die Bearbeitungen selber vertrauen zu Recht dem Text, ohne sich in der Aufbereitung des Erreichens des entsprechenden Milieus und seiner Umstände rühmen zu können; zumeist stehen nicht nur die Bücher, sondern auch die vorherigen gleichnamigen Inszenierungen der BBC mit Joan Hickson als Hindernis im Weg. Auch diese Episode nach dem Anfang der Fünfziger publizierten „A Murder is announced“ hält sich eng an der Schrift und kann im Vergleich zu bspw. den anderen Folgen der Reihe wie Mord im Pfarrhaus, Die Tote in der Bibliothek oder 16.50 ab Paddington gar teilweise mit Erfolgen punkten, bleibt aber dennoch immer weit hinter den eigenen Vorstellungen beim Lesen zurück:

Als in der lokalen Wochenzeitung eine seltsame Annonce erscheint, die mit festem Termin einen Mord ankündigt, halten dies alle für einen Scherz der unfreiwilligen Gastgeberin Miss Letitia Blacklock [ Zoë Wanamaker ]. Tatsächlich wird sie an dem Abend allerdings richtig verletzt, und liegt die Leiche des Schützen auch prompt im Flur, was den ermittelnden DI Craddock [ Alexander Armstrong ] in seiner Rätselhaftigkeit recht verwundert, die zufällig zu einer Kur anwesende Miss Jane Marple [ Geraldine McEwan ] aber nicht.

Zugutehalten muss man der Produktion in der Schrift einen Sinn für die gewisse Kompliziertheit des Geschehens, das weit in die Vergangenheit zurückreicht und mit Personen in der Handlung arbeitet, die entweder nicht mehr oder gar nicht oder in einer möglicherweise anderen Identität und/oder Bezug zueinander existieren. Denn so simpel und spannend die Prämisse ist, wird es nach dem angekündigten Mord bei der Queen of Crime selber etwas verschachtelt bis diffizil, und auch in die Länge und Breite statt in die Tiefe gestrickt und von Zufällen und Unwahrscheinlichkeiten en masse okkupiert. Hier rollt man den Faden da teils gar besser und übersichtlicher, redigierend auf, zumindest wenn man mit der Kenntnis der Vorlage herangeht, an die sich trotzdem im weiteren Verlauf und teils gar wörtlich, auch in der allgemein getragenen Stimmung, in der man nicht im Jetzt, sondern im Damals lebt, gehalten wird.

Die Tür zur Halle wurde mit einem Ruck aufgerissen. Eine starke Blendlaterne leuchtete im Kreis umher, und eine heisere Männerstimme, die an vergnügliche Kinovorführungen erinnerte, schnauzte:
"Hände hoch!... Hände hoch, sage ich!"
Begeistert wurden die Hände hochgestreckt.
"Ist das nicht wunderbar?" keuchte eine weibliche Stimme. "Ich bin ja so aufgeregt!"
Und dann, überraschend, donnerten zwei Revolverschüsse... zwei Kugeln pfiffen. Auf einmal war das Spiel kein Spiel mehr. Jemand schrie...


Entscheidender fast im Buch ist dann die Beschreibung der Umstände im kleinen Dorf, in der die Miss Marple auch diesmal nur zu Besuch und somit (Zaun)Gast von Tratsch und Klatsch und Niederträchtigkeiten und gar nicht wie sonst in der Heimat St. Mary Mead in innerer Anteilnahme und Kenntnis der Bewohner, sondern nur die Beobachterin, der Spitzel von außen ist. Im Grunde ist sie mit ihrer 'Schnüffelei', ihrer Spionage selber inkognito, was auch bei vielen anderen Anwohnern und deren ungeklärten, da rundherum getarnten Herkunft gegeben ist, und mit als Faktor nach dem Zweiten Weltkrieg immer wieder in die Beschreibung und Handlungsweisen hineinfließt. Fotos und andere Gegenstände der Erinnerungen wurden im Bombenhagel zerstört, Familien und Bekanntschaften auseinander gerissen, zusätzlich hat sich die Zeit in der Moderne verändert und werden andere moralische und ethische Prioritäten als dem Festhalten an Früher gesetzt. So nimmt man Leute daheim auf, die man eigentlich gar nicht kennt und verlässt sich auf Worte statt Taten und Beweise. Hat man sich einmal vor 30 Jahren gesehen, und schreibt sich Briefe nur zu Weihnachten und an Geburtstagen, was als richtiger Kontakt jetzt nicht wirklich zählt; wenn auch sowieso alles andere Tarnung und Vergänglichkeit ist.

Ähnlich ungenau – und das ist mitentscheidend, was die Ausgangsidee so nebulös und mysteriös und als Teaser appetitanregend macht – ist die Sache, dass keiner der Anwesenden während der Tat wirklich etwas gesehen hat, sondern auch nur vermutet und die eigenen Gedanken und Gefühle statt die Realität wiedergibt. Jeder hat etwas Anderes gehört und jeder auch die Sekunden in der Fantasie ausgeschmückt, wobei der Aufbau der Szene und ihre unvermeidliche Steigerung dem Regisseur John Strickland ganz gut glückt. Auch darstellerisch diesmal in den Nebenrollen prägnanter, nicht ganz so oft chargierend oder wie schlecht parodierend in das Stück besetzt und vermehrt als mögliche Verdächtige in das Licht rückt; was eine Rätselei hierbei wahrhaftig möglich macht, da man sich als Krimi und nicht verhinderte Schmierenkomödie formuliert.

Details
Ähnliche Filme