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Der Film zum Medienhype: Mitte der 90er war „Baywatch“-Star Pamela Anderson noch schwer angesagt und man glaubte tatsächlich einen Kinofilm mit ihrer Hauptrollenpräsenz so richtig dolle vermarkten zu können.
Die Auftaktszene lässt keine Zweifel aufkommen mit welchen Argumenten man das Teil vermarkten will, wenn Kopfgeldjägerin Barbara (Pamela Anderson) alias Barb Wire bei einem Undercovereinsatz als Stripperin posiert. Nach der Show befreit sie noch schnell ein kleines Mädchen und kassiert bei dessen Eltern ab, doch man achte auf Länge und Gewichtung der Szenen und man weiß, worum es hier ging.
Nebenher betreibt Barb noch eine Bar in der hier präsentierten Zukunft, in der ein böses Regime despotisch herrscht und Andersdenkende über den Jordan schickt. Eindzeittechnisch ist mal die große Schrottkultur angesagt, die Stadt besteht scheinbar nur als Hinterhöfen, Bikerbars und zwielichtigen Miniwohnungen und die Regie knallt mächtig Farbfilter, meist in orange oder blau, davor, damit man auch ja merkt, dass das Ganze in der Zukunft spielt.

Früher gehörte Barb mal dem Widerstand an, doch als ihre alte Flamme Axel (Temuera Morrison) sie sitzen ließ, hielt sie sich aus allem raus. Ausgerechnet Axel tanzt dann in ihrer Bar an, mit einer wichtigen Bitte: Sie soll ihm helfen eine wichtige Widerstandskämpferin außer Landes zu schmuggeln...
Das war also der große Fan zum Pam-Hype, doch selbst die größten Fans dürfen nach dem Ende des Hormonstaus anerkennen, dass Frau Andersons Schauspielleistung hier eigentlich nur aus angepisst gucken und wenig anhaben besteht. Temuera Morrison spielt dagegen unauffällig routiniert, Clint Howard zieht seine übliche Feaknummer durch und der Rest ist kaum der Rede wert, von drei Ausnahmen abgesehen. Da wäre Steve Railsback als charismatischer Fiesling mit wenig Screentime, Udo Kier in der augenzwinkernden Rolle als Oberkellner sowie Xander Berkeley, der hier den rechtschaffenen Polizeichef gibt, welcher nicht ganz so ergeben ist, wie das Nazi-mäßige Regime es gerne hätte.
Die Handlanger des bösen Imperiums laufen auch stets in Pseudo-SS-Uniformen herum, nur für den Fall, dass irgendjemand nicht kapiert hat, dass es sich hierbei um eine Art verkapptes Remake von „Casablanca“ handelt. Insofern sind Leck-mich-am-Arsch-Einstellung der Heldin, ihr Sinneswandel und der große Handlungsverlauf aus dem Hollywoodklassiker entnommen und als schräge Trash-Variante hat „Barb Wire“ durchaus seinen Reiz, denn immerhin kann der Kenner des Originals immer mal wieder mitraten, welches Element nun wie in der Neuauflage verbraten wurde.

Großartige Substanz oder einen wirklich brauchbaren Spannungsbogen sollte man hingegen nicht erwarten, es wird viel gelabert, geposet und in Bars rumgehangen bis das Neonlicht die Netzhäute glitzern lässt, doch einige selbstironische Dialoge lockern das Geschehen auf, so platt und vorhersehbar das Ganze auch sein mag. Doch wenn der Oberkellner anfängt zu singen oder die grotesk anmutenden Fieslinge groteske Pläne schmieden, dann kann man sich durchaus amüsieren.
Als Actionfilm taugt das Spektakel um dicke Möpse, dicke Wummen und dicke Motorräder dann nur bedingt, denn für dauerhaft in Erinnerung bleibende Genreware rummst es dann zu wenig; an sich gibt es nur zwei längere Actionszenen. Da wäre zum einen das schicke Shoot-Out, bei dem Barb Schmitz (Clint Howard) einsackt, zum anderen das Finale mit Verfolgungsjagd und schlussendlicher Konfrontation auf einem am Kram hängenden Auto. Das ist alles durchaus brauchbar in Szene gesetzt, gewinnt vielleicht keine Preise, bietet aber doch ganz ordentliche Schauwerte der anspruchslosen Art.

Insofern kann man „Barb Wire“ im gesunden Mittelmaß verorten, so wenig spannend die Chose auch sein mag, doch zwei nette Actionparts und die schrille, leicht ironische Machart helfen der trashigen „Casablanca“-Variante für Moppenfans noch über die Runden.

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