Steel Harbor ... in nicht allzu ferner Zukunft ... nach dem zweiten amerikanischen Bürgerkrieg – die letzte freie Stadt des Landes, ein Tummelplatz für Gesetzlose und Freiheitskämpfer. In dieser letzten Bastion befindet sich ein Nachtclub namens „Hammerhead“, geführt von einer Kopfgeldjägerin mit Kampferfahrung aus dem Krieg ... ihr Name: Barb Wire.
Willkommen zu einer weiteren Verfilmung eines „Dark Horse“-Comics. Mit Pamela Anderson Lee („Baywatch“) hat man für die Titelfigur die Optimalbesetzung gefunden – das ist jedem Zuschauer bereits nach wenigen Sekunden klar. Schauspielern kann sie zwar nicht, doch das Posen beherrscht sie – und das reicht völlig für einen Film wie diesen. Wer bei diesen Prämissen mit zu hohen Erwartungen herangeht, der ist selber schuld und wird sich vermutlich ziemlich ärgern – wer jedoch die richtige Einstellung mitbringt, kann sich an einem unterhaltsamen Hochglanz-B-Movie erfreuen...
Zur Story: Barb Wire verdient sich neben der Führung ihres Nachtclubs als Kopfgeldjägerin den Lebensunterhalt. Mit der örtlichen Polizei hat man sich arrangiert, und die freie Stadt bietet Barb und ihren Freunden eine sichere Umgebung – bis ihr Ex-Geliebter Axel (Temuera Morrison) zusammen mit der Wissenschaftlerin Cora D (Victoria Rowell) auftaucht und sie um Hilfe bittet, da sich eine neuartige Kontaktlinse (mit der man durch jeden Netzhautscanner schlüpfen kann) in deren Besitz befindet und sie umgehend das Land verlassen müssen.
Von Washington her hat sich inzwischen der rücksichtslose Colonel Pryzer (Steve Railsback) an die Verfolgung gemacht. Sein Ziel ist es, die Lisen wiederzubeschaffen und sie auf keinen Fall in die Hände der Widerstandsbewegung fallen zu lassen – ganz egal welche Mittel er dazu einsetzen muss. Schnell wird klar, dass Barb Wire mit der Sache in Verbindung steht, doch es fehlen die Beweise, weshalb er es erst mit Einschüchterungen versucht, die aber eher zur Folge haben, dass sich Barb widerwillig auf Axels Hilfegesuch einlässt...
Nachdem Pryzer dann aber ihren blinden Bruder (Jack Noseworthy) foltert und tötet, spitzt sich die Lage weiter zu und wird darüber hinaus auch noch persönlich ... der Showdown kann beginnen, und hier dreht Regisseur David Hogan (nach einem von der Action her eher gemäßigten Filmverlauf) noch einmal richtig auf: Verfolgungsjagden, Schießereien, Explosionen und ein wahrhaft spektakulärer Schlusskampf auf einem gigantischen Hafenkran sind die Folge – alles auf gehobenem B-Film-Niveau mit großem Unterhaltungswert.
Gleich die erste Einführung der Figuren rückt alles in Perspektive: Barb strippt in einer „Flashdance“-artigen Revue, bis ein Gast „ausziehen!“ schreit und sie „Babe“ nennt, worauf sie ihren Charakter-Oneliner „don´t call me babe“ haucht und ihm einen hochhackigen Schuh mit dem Absatz voran zwischen die Augen wirft. Derweil foltert Colonel Pryzer sadistisch-genüsslich eine junge halbnackte Frau...
„Barb Wire“ ist Trash pur – ein Fetischtraum aus Lack, Leder, engen Korsetts, großen Oberweiten, Motorrädern und Schusswaffen aller Art. Wenn sich Barb (undercover als Prostituierte) einem S/M-Fetischisten in voller Ledermontur nähert, ihn dann mit dessen eigenem Prügelbrett KO schlägt, nur um an einen Zeugen im Nebenraum zu gelangen, mit dessen Bewachern sie sich folgend eine Schießerei liefert ... dann fasst diese Szene den Grundtenor gut zusammen.
In gelackter Hochglanz-Optik, mit cooler Musik (z.B. von Pams damaligen Ehemann Tommy Lee) untermalt, ist der Film rein auf Pamela Anderson zugeschnitten – auf ihre Präsenz, Reize und Auftritte (Outfits, durchsichtige Badewanne etc.). Es gibt großartig platte Dialoge und Sprüche („If she escapes, I will rip your heart out of your ass!” – “That´s not very sanitary…”), doch leider kommt die Action etwas zu kurz – zu sehr konzentriert man sich auf die Storyline und Szenenarrangements.
Großartig ist jedoch die Verbindung zum Klassiker „Casablanca“ gelungen, denn hier ist die Homage wirklich geglückt: Die Geschichten bieten Parallelen bis hin zum Finale am Flughafen vorm letzten Flieger raus aus dem Land, die Bösen verhalten sich nicht nur wie eine Gestapo-Einheit der Nazis, sie tragen auch SS-artige Uniformen, der Nachtclub spielt eine entscheidende Rolle und so weiter ... echt gut!
Zu den Schauspielern: Pam ist halt Pam, Temuera Morrison („die letzte Kriegerin“) der harte Mann des Films, Jack Noseworthy („Breakdown“) etwas Optik fürs weibliche Geschlecht, Steve Railsback („Ed Gein“) herrlich bösartig, Xander Berkeley („24“ / „Air Force One“) als Vertreter des Gesetzes ebenfalls okay. Um den Kult-Faktor zu verstärken, hat man zwei Nebenrollen mit Kult-Schauspielern besetzt: Clint Howard („Ticks“ / „House of the Dead“) spielt einen schmierigen Auftraggeber in Zuhälterklamotten, und Udo Kier („End of Days“ / „Love Object“) liefert den besten Part des gesamten Films als Barbs Geschäftsführer – glatzköpfig, mit Tätowierung unterm Auge und beim Aufräumen „wie eins Lili Marlene“ singend ... klasse!
Fazit: „Barb Wire“ ist eine unterhaltsame Comic-Verfilmung für eine männliche Zielgruppe, die teilweise etwas zu seriös sein will – was auf Kosten der Action und des Kultpotentials geht. Trash? Ja, aber nicht so trashig, wie man den Film gern gehabt hätte – erst dann wäre das Vergnügen vollkommen abgerundet, doch auch so ist der Film allemal kurzweilig und unterhaltsam ... solide 6 von 10.