Review

Dritte und bislang letzte Verfilmung des gleichnamigen Romanes von Agatha Christie, nach der ZDF-Variante unter Hans Quest und dem BBC-Film von Julian Amyes. Trotz des gleichen Materials unterscheiden sich alle Varianten des anhaltenden Interesses halber in der Umsetzung, ihnen gemein ist die Tatsache, dass keine von Ihnen dem geschriebenen Text selber das Wasser reichen kann, aber die Vor- und Nachteile untereinander sich dennoch im Grunde aufwiegen vermögen. Jeweils wird Treue versucht und bewahrt, aber dennoch Eigenes in Anspruch genommen und Kürzungen oder Veränderungen oder auch Zusätze bemüht, die oft seltsame Ansichten zu eigen haben, nur dem Vergnügen des Verfolgens kein großartiges Unrecht tun:

Mein Zeitplan
Donnerstag, 21. d. Mts.

12.30 – Colonel Protheroe [ Derek Jacobi ] ändert seine Verabredung
von 18 Uhr auf 18.15. Wahrscheinlich vom
halben Dorf mitgehört.

12.45 – Pistole zuletzt am Aufbewahrungsort gesichtet.

17.30 (ca.) – Colonel und Mrs Protheroe [ Janet McTeer ] verlassen Old
Hall im Wagen und fahren ins Dorf.

17.30 – Anruf für mich mit falschen Angaben von
der North Lodge, Old Hall.

18.15 – (oder eine oder zwei Minuten früher) Colonel
Protheroe kommt im Pfarrhaus an.
Wird von Mary [ Siobhan Hayes ] ins Arbeitszimmer geführt.

18.20 – Mrs Protheroe kommt über den hinteren
Weg und durch den Garten zur Glastür des
Arbeitszimmers. Colonel Protheroe nicht
zu sehen.

18.29 – Anruf von Lawrence Reddings [ Jason Flemyng ] Häuschen
zu Mrs Price Ridley durchgestellt (laut
Vermittlung).

18.30–35 – Schuss gehört. (Zeit des Anrufs als korrekt
angenommen.)

18.45 – Lawrence Redding kommt ins Pfarrhaus
und findet die Leiche.

18.48 – Ich treffe Lawrence Redding.

18.49 – Ich finde die Leiche.

18.55 – Haydock [ Robert Powell ] untersucht die Leiche.


Gerade die beiden englischen Serien, hier im Auftrag der ITV, die sich parallel dazu anhaltend auch der Figur des Hercule Poirot bedient, und in den Achtzigern die Idee der BBC, haben jeweils ihre Anhänger, die das Gegenüber je nach Gusto bevorzugen oder verschmähen. Zwei Lager, die ihre Argumente für das jeweilige Favorisieren streng mit sich führen, wobei in Sachen Anpassung an den Text und seine Stimmung, die gewisse Altertümlichkeit, das Gefühl der britisch-provinziellen Behäbigkeit im kleinen abgeschottenen Kreis eigentlich immer und weit vorne die Ausführung mit Joan Hickson und nicht die Spielart mit Geraldine McEwan gewinnt. Auch hier im konkreten Beispiel wird sich erst an die 1930 veröffentlichten Buchstaben gehalten, aber dennoch keine Verkörperung des Geschriebenen erlangt, stimmt vielleicht noch die gewählte Örtlichkeit selber, aber viel mehr an Umfeld, allen voran den Darstellern und ihre Personifizierungen nicht.
 
Die Liste an Fehlentscheidungen oder Fehlinterpretierungen ist lang, angefangen von der Haupt- und Titelperson selber, die immer viel zu lustig, zu vorwitzig, wie eine kleine Maus aus der Ecke hinaus wirkt, auch keinerlei Ecken und Kanten hat und statt wie in den Worten von Agatha Christie nicht nur nicht eher unbeliebt ist, sondern hier geradezu auf Händen aller getragen wird. Der Polizist ist zu nachgiebig und weich und stellt keinerlei eigene Ermittlungen, geschweige denn so etwas wie ein offizieller Gegenpart an. Der Pfarrer, eigentlich Ich-Erzähler des Ganzen und so mit viel eigenen Gespür und eigener Aktivität dabei, ist ein (vielleicht noch liebenswerter) Trottel vor dem Herrn; ein Missverständnis von Drehbuchautoren und Regie, die der Reihe nahezu komplett eigen ist und jede Bearbeitung trotz gewisser Nähe immer auch an den unfreiwilligen Rande einer Parodie dessen drückt.

So wirkt auch das meiste Schauspiel eher schlecht als recht, als Schmierenkomödie, wird keine Überzeugung, sondern nur ein Verkleiden im Kostüm und ein Chargieren und Karikieren einer längst vergangenen Zeit präsentiert. Ein Laienspiel, dass mit einigen Kostümen und Instrumentarieren und Dekorationen aus ehedemem Jahren angefüllt, aber nie richtig zum Leben, sondern höchstens dem so Tun und vielleicht noch der humoristischen Überzeichnung erweckt wird. Warum auch immer die Geschichte nun mit 1951 über zwanzig Jahre nach dem eigentlichen Original spielt, wird ebenso wenig erwähnt wie die ausgedachten Rückblenden zum Kriegsgeschehen um 1915. Auch die weiteren Zusätze wie französische 'Spione' im Hause des Colonels und ein 'Attentat'per Motorrad in London machen der Handlung das selbstständige Atmen nicht leichter, auch wenn dadurch die Glosse noch zusätzlich zur Absurdität und auch der großen Rätselei des Ganzen gebündelt wird. Ganz zu schweigen davon, dass sich die Zuschauer- und Sehgewohnheiten entsprechend der Veränderung der Generationen gewechselt und gelockert haben, wird hier nicht mehr nur der graue Tweed getragen und alle Minuten zur Kirche gerannt, sondern stattdessen und lieber der Blick auf eine sich im Bikini räkelnde Blondine, ein heimliches Tête-à-Tête mit der Hand des Mannes deutlich unter dem Rock und auch mal die offensive Kameraperspektive auf sich bückenden junge Frauen gewagt.

Wer hier nun als Täter in Frage kommt, und wer nicht, lässt sich dann, wie es Miss Marple so bezeichnend ausdrückt und vorlebt, an einer Hand abzählen; was das Kriminalstück ob der Auflösung des Mord im Pfarrhaus am weiter schreiten und einem vorhandenen Bedürfnis an Deskription und Deduktion befriedigen hilft. In allen Farben kräftiger und beschwingter, voller an Artenreichtum und aufdringlicher im Gemüt, dass aus dem 'im Herzen Englands' hier eine wahre Brutstätte an Hinterhältigkeit und Klatsch und Tratsch zu Tee und Keksen macht.

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