Roger Vadim drehte mit " ... et mourir de plaisir" ein sehr ruhig voranschreitendes Melodram, das das Vampirthema, obwohl dieses in den Dialogen eine große, jedoch auch oberflächliche Rolle spielt, letztlich eher unterschwellig behandelt. Mit der literarischen Vorlage "Carmilla" von Joseph Sheridan Le Fanu hat der Film nicht mehr allzu viel zu tun. Während es dort vor allem um die intensive, erotisch akzentuierte Beziehung zweier junger Frauen geht, beschäftigt sich Claude Brulés und Claude Martins Neufassung mit einer Dreiecksbeziehung um den vor der Heirat stehenden Leopoldo (Mel Ferrer), der von der Weiblichkeit umworben wird, wobei Carmilla (Annette Vadim) die Rolle der unglücklich Verliebten zufällt, die in die Rolle des schmückenden Beiwerks gedrängt wird und beginnt, sich mit ihrer verstorbenen, in Form eines Gemäldes mit (durch eine Beschädigung) verzerrten Gesichtszügen stets präsenten Vorfahrin Millarca zu identifizieren, was unter anderem durch die Wahl eines ähnlichen weißen Kleides zum Ausdruck kommt. Die psychologisch schlüssige Wendung zeigt, dass Carmilla in der gegenwärtigen Welt keinen Platz für sich sieht und einen solchen in der Vergangenheit sucht, während ihre Schwägern in spe Giorgia (Elsa Martinelli) das blühende Leben verkörpert.
Das Vampirische wird hier zu einer Ausdrucksform des "In-der-Vergangenheit-Lebens". Als passend dazu erweist sich die eigentliche Attraktion des Films, die wunderschönen, wie Ölgemälde erstrahlenden Technicolor-Bilder des Cinematographen Claude Renoir, der hier wohl das Erbe seines Vorfahren, des Malers Pierre-Auguste Renoir, zeigt. Inmitten der in satten herbstlichen Farben gekleideten Landschaftsbilder gibt es aber auch eine surreale Traumsequenz, die von metallischen Grau- und Blautönen mit einzelnen roten Farbakzenten (was von Hollywoodregisseuren von den 90ern bis heute noch als großartige neue Idee verkauft wurde und wird - siehe "Schindlers Liste" oder "Sin City") dominiert wird.
Die bildliche Intensität, mit der das Thema Vampirismus hier umgesetzt wird, fällt dem Entstehungsjahr 1960 gemäß noch sehr zurückhaltend aus - wenngleich eine Szene, in der sich Carmilla ihr blutbeflecktes Kleid zerreißt, schon auf den freimütigeren Genrefilm der 70er Jahre verweist. Was stärker ins Gewicht fällt, ist die Zurücknahme der homoerotischen Aspekte, die von der ursprünglichen Literaturvorlage vorgegeben und von späteren Genrevertretern wie etwa Roy Ward Bakers "Gruft der Vampire" ("The Vampire Lovers") dankbar aufgegriffen wurden, gegenüber einer eher an alten Machotraditionen orientierten Darstellung des Buhlens zweier klassischer Schönheiten um einen eitlen adligen Gockel. Dennoch ist " ... und vor Lust zu sterben", wie der Film in erfreulicher Treue zum Originaltitel auf Deutsch heißt, insbesondere wegen der hervorragenden Bildarbeit Claude Renoirs unbedingt einen Blick wert.