Emanuela war nicht nur damals *die* Sensation des Jahres 1974, es ist heute noch ein absoluter Kult-Klassiker, was sich in relativ hohen Preisen für die gebrauchten wenigen VMP- oder ATLAS- Cassetten, die hier und da noch im Umlauf sind, niederschlägt.
Der Film ist nicht nur schön und ästhetisch durch die gekonnte Fotografie von Just Jaeckin anzusehen, sondern er ist auch in seiner Botschaft bedenklich. Und zwar genau deswegen, weil er sich bildlich-ästhetischer Mittel bedient, um grenzenlose sexuelle Freizügigkeit zu propagieren.
Dies wurde ihm auch von der Kritik vorgeworfen, was letztendlich 1983, also fast zehn Jahre später, zu einer Indizierung führte.
Aus diesem Grund möchte ich den 'Filmdienst' zitieren, der damals zum Kinostart am 20.09.1974 folgendes kommentierte:
"Geschmäcklerisch gestalter, verlogener Pornofilm über die sexuellen Eskapaden einer Französin in Thailand. Mit pseudo-philosophischem Geschwätz versucht der Film sich aus der Masse einschlägiger Produkte hervorzuheben."
Das ist natürlich ein klarer Verriß, zumindest aus moralischer und ethischer Sicht, die natürlich ihre Berechtigung hat und nicht unbegründet ist.
Dennoch ist der Film aus erotischer filmgeschichtlicher Betrachtung ein Meisterwerk, an den heutige Sex-Produktionen aus meiner Sicht auch nicht nur annähernd heranreichen.
In Verbindung mit einer vorzüglichen und berühmt gewordenen handlungsbegleitenden Musik, ist es vor allem die Hauptdarstellerin Sylvia Kristel (Emmanuelle) selbst, die mit ihrer provokant unschuldigen und fast "gesunden, natürlichen Art", Sex auszustrahlen und Sex mit beiden Geschlechtern zu haben, das Publikum begeisterte. Die Holländerin Silvia Kristel, 1952 in Utrecht geboren, war während der Dreharbeiten des Films (1973) gerade erst 21 Jahre alt.
Hinzu kam, daß "Emanuela" der erste Sexfilm war, der in einem "normalen" Kino lief, nicht in den sogenannten "Schmuddelkinos" und somit auch einen viel breiteren Zuschauerkreis fand.
Der Erfolg blieb nicht aus: Rund 100 Millionen Zuschauer in aller Welt sahen sich ihre Eskapaden in diesem ersten Teil an.