1974 faszinierte und erschütterte ein Erotikfilm Kinozuschauer auf dem ganzen Globus und war kommerziell so erfolgreich, dass zahlreiche offizielle und inoffizielle Sequels folgten. "Die Frau auf dem Pfauenthron" (Sylvia Kristel) mauserte sich zur Erotikikone ihrer Generation und regte die Phantasie zahlreicher Männer an. Heute ist der Name "Emmanuelle" tief in der populären Kultur verankert.
Emmanuelle, die Frau eines französichen Diplomaten folgt ihrem Mann nach Bankok. Angekommen muss sie feststellen, ihr Mann wird von seiner Arbeit so in Anspruch genommen, dass sie oftmals das riesige Anwesen für sich alleine hat. Sie trifft sich mit anderen "reichen Gattinen", die ganz offen über ihren dekadenten Lebensstil sprechen und sich wundern, dass Emmanuelle keinen Liebhaber besitzt. Sie muss feststellen, dass in dieser fast schon paradiesischen Welt Polygamie/Polyandrie herrscht und die Liebe zu einer Person missachtet wird. Emmanuelle wird in der Folgezeit eine Reihe von neuen sexuellen Erfahrungen sammeln, vorangetrieben von dem gealterten Playboy Mario, der sie in die Philosophie der Polygamie/Polyandrie einführt.
Seinen Erfolg verdankt dieser Film einerseits seiner Handlung und andererseits der Ästhetik der Körper und Landschaften. Der Film gibt dem Zuschauer die Illusion einer Welt, in der sexuelle Eskapaden und Abenteuer mit jeder Person möglich sind und in der darüber hinaus kein moralisches Urteil getroffen wird. Der Gedanke an eine Welt der Offenlegung von sexuellen Lüsten straht damals wie heute einen gewissen Reiz aus. Die paradiesischen Landschaften und der Lebensstil der Protagonisten, die sich um Geld keine Sorgen machen müssen, ziehen den Zuschauer in einen Bann. Der Film konstruiert eine "Welt des Erstrebenswertem", die mit dem Alltag der meisten Zuschauer so grundverschieden ist (Meinem Ideal entspricht sie übrigens nicht).
Emmamuelle ist ein unumgänglicher Klassiker des erotischen Films. Auch wenn Emmanuelle den heutigen "Filmkonsumenten" bei weitem nicht befriedigen wird, bleibt für mich persönlich der Blick in eine fremde Welt übrig und ein tiefes Verständnis der Kinogänger der 70er Jahre.
8/10 Punkten