Der Versuch des an der École arts décoratifs in Paris umfangreich ausgebildeten Modefotografs Justin Jaeckin, den Bestseller „Emmanuelle“ von Emmanuelle Arsan auf Leinwand zu bannen, bildet einen Gegenentwurf zu dem nicht zuletzt in Deutschland am Fließband produzierten dümmlichen Sexklamauk mit all den pseudorealistischen und schlampig in Szene gesetzten Reporten über Schulmädchen, Hausfrauen und was weiß ich nicht alles (Briefträgerinnen? Schornsteinfegerinnen?). Unter Mithilfe von Kameramann Richard Suzuki entstand ein hochglanzverpacktes Endprodukt vor exotischer Wohlfühlkulisse (Thailand) und mit der sinnlichen Niederländerin Sylvia Kristel als Hauptdarstellerin sowie einer Reihe weiterer hübscher junger Frauen, über deren wohlgeformte Körper die Kamera genießerisch streifen kann. Der Erfolg an der Kinokasse, der unzählig viele Fortsetzungen rechtfertigte, soll allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, daß „Emanuela“ nicht viel mehr ist als ein belangloses Nichts von Film.
Vereinzelt werden ästhetische, aber stets abrupt beendete Erotikszenen in die inhaltsleere Handlung geworfen, wofür man nur dankbar sein kann, vermögen sie doch wenigstens kurzzeitig davon abzulenken, daß, immer wenn der Mund aufgemacht wird, reichlich Blech scheppert. Die Dialoge sind in der Tat strunzdoof und erweisen sich als nicht wesentlich gehaltvoller als der durchschnittliche französische Erotikfilm aus dem VOX-Nachtprogramm. Den Gipfel der Lächerlichkeit erreicht der Film am Schluß, wenn die hier noch recht unschuldige Titelfigur von einem Mann im Greisenalter, Mario (Alain Cluny), auf eine mehrstündige Reise mitgenommen wird, an deren Ende sie zur richtigen Frau werden soll. Das heißt im Kontext dieses Films, daß sie sich von wildfremden Männern erst begrabbeln, später vergewaltigen lassen und abschließend als Hauptgewinn für den Sieger eines Boxkampfes unter Einheimischen herhalten muß, während ihr greiser Mentor brav dabei zusehend sie permanent mit pseudophilosophischem Geschwurbel wie „Die Frau, die im Bett geschwängert wird, hat keine Ahnung von Erotik“, „Jeder Akt der Liebe muß eine dritte Person mit einschließen“ oder „Die wahre Liebe ist die Erektion, nicht der Orgasmus“ zusülzt, als gäbe es kein Morgen mehr. Wer ein Faible für hohle Filmzitate hat, ist herzlich eingeladen, sich darüber lustig zu machen, allen anderen sei empfohlen, seine Birne auf Einschlafmodus einzustellen. Zu welcher Gruppe auch immer man sich selbst zählt: Es ist völlig unmöglich, das ernstzunehmen.
Doch auch davor gibt es genügend Grund zur Heiterkeit: Die Szene, in der Emmanuelle weiblichen Besuch bekommt, der penetrant Lolli lutschend sich vor ihren Augen befriedigt, woraufhin sie so erregt wird, daß sie an ihren Flug nach Thailand zurückdenkt, auf dem sie es sich erst von einem Mann im Flugzeugsitz besorgen läßt, um nur wenige Sekunden später von einem anderen Mann in die Bordtoilette getragen zu werden, wo sie die ganze Prozedur gleich noch ein zweites Mal hinter sich bringt, schreit förmlich „Lach mich aus“. Nichts anderes wäre hier angebracht. Damals kontroverse Dinge wie die Vergewaltigung, die so gar nicht in den seichten Film hineinpassen will, locken heute keinen mehr hinter dem Ofen hervor, zumal diese wie alles andere, was mit Sex zu tun hat, zurückhaltend gefilmt ist und obendrein mittendrin nach nur wenigen Sekunden abbricht. Eher störend wirkt sich die Tatsache aus, daß die Thailänder als eine Horde von Primitivlingen dargestellt werden, die grausame Begrüßungszeremonien praktizieren (so weit mag das stimmen, ich bin in der thailändischen Kultur nicht zu Hause) und den lieben langen Tag offenbar nichts Besseres zu tun haben, als Drogen zu konsumieren oder sich um eine weiße Frau zu prügeln.
Prunkvoll aufgemacht, auf handwerklich routiniertem Niveau abgekurbelt und vielen Genrevertretern in der Hinsicht überlegen ist „Emanuela“ bei weitem nicht der Überflieger in Sachen Erotikfilm, den man ob seines Bekanntheitsgrades erwarten darf, sondern vielmehr immens einschläfernd und nur dank der betörenden Sylvia Kristel einen Blick wert. Mehr als hübsch aussehen muß sie dabei nicht, nicht einmal schauspielern. 3/10.