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Blax’ Back! Nicht etwa “Back in da Ghetto”, sondern einfach in irgendeiner beliebigen Siedlung, die nicht näher benannt wird. Wir befinden uns innerhalb der Grenzen eines Spielplatzes, auf dem der Autor, Regisseur und Hauptdarsteller Keenen Ivory Wayans mit kleinen Sandburgen abzubilden versucht, was sich seiner Vorstellung nach unter dem Begriff “Blaxploitation” etabliert hat. Inklusive aller zugehörigen Filmklischees. Die Straßen in dem von ihm erdachten Viertel sind also prall gefüllt mit da Pimps, da Macks und da Funk. Seine Bewohner werden überwiegend dargestellt von ehemaligen Stars des Blaxploitation-Kinos, sie tummeln sich wie glückliche Tümmler in dieser Fundgrube schwarzer Subkultur, die man einst durch die weiße Geldwäsche geschleudert und kommerzialisiert hat, bis sie völlig ausgetrocknet war. Mittendrin Wayans höchstpersönlich als Heimkehrer vom Dienst bei der US Army, dem Mutti das alte Kinderzimmer warmgehalten hat. Und wie er nun so dasteht im Türrahmen seines Elternhauses, behangen mit militärischen Auszeichnungen und beschlagen mit einem Grinsen von unnachahmlicher Naivität, da weiß man ganz genau, dass hier bald Welten miteinander kollidieren werden. Can you dig it?

Dem Blaxploitationfilm könnte man auf so viele unterschiedliche Arten seine Ehre erweisen, doch wessen Geistes Kind “Ghettobusters” ist, dazu muss man nicht lange raten. Selbst wenn nicht der ein oder andere Bowlingkugel-Kopf aus dem Bestand der Wayans-Familie vor der Kamera aufblitzen würde, so wäre deren Handschrift trotzdem unverkennbar. Gnadenlose Überzeichnung ist ihr Stilmittel der Wahl, um die Kalauer in Position zu bringen, wenngleich die ganz schmerzhaften Zaunpfähle der 90er und 00er Jahre noch nicht geschwungen werden. Nichtsdestotrotz, der Erhalt von Würde und Selbstachtung ist für einen Wayans, der etwas auf sich hält, völlig entbehrlich. Je größer die Demütigung, desto lauter lacht das Publikum, lautet die Devise.

So sind dann auch schnell die Manierismen der schwarz angestrichenen 70er-Jahre-Bahnhofsfilme als erstes Angriffsziel ausgemacht. Ihre Mode, ihr Slang und ihre simplen Story-Aufhänger werden mit kindlichem Elan auf die Spitze getrieben. Junebug, der kleine Bruder der Hauptfigur, beißt gleich am Anfang im Namen der Wayans’schen Vorliebe für maßlose Übertreibungen ins Gras. Als Opfer seiner Goldketten (Diagnose: Goldvergiftung) gibt er am Tatort-Schauplatz im Prolog nicht nur eine hübsch funkelnde Leiche ab, die glatt das Produkt eines größenwahnsinnigen Bond-Bösewichts sein könnte, sondern er beschafft seinem Bruder auch gleich die nötige Rache-Motivationsspritze, die vor ihm bereits so viele schwarze Helden der zweiten Garde verabreicht bekommen haben.

Dass anschließend in jeder dritten Szene mit einem Foto des schwer behangenen Goldjungen gewedelt wird und jeder Betrachter die Frage stellt, wie man mit so viel Gold über der Schulter eigentlich aufs Klo gehen könne, ist nur der Anfang einer ganzen Reihe von eher schlecht als recht aufgezogenen Running Gags. Zu denen gehört auch die auf „Zwei Glorreiche Halunken“ verweisende Angewohnheit zweier Gangster, Räume auf besonders spektakuläre Weise zu betreten oder zu verlassen („There are two kinds of spurs, my friend. Those that come in by the door; those that come in by the window“).

Witziger werden diese Kettenereignisse durch ihre beharrliche Wiederholung nicht. Überhaupt hat „Ghettobusters“ eine unheimliche Mühe damit, seine Einlagen einfach mal ganz natürlich aus der Hüfte zu schießen, was dazu führt, dass sie nicht selten ins Leere laufen. Anstatt sie dann aber einfach in Frieden ruhen zu lassen und etwas anderes zu probieren, wird so lange auf ihnen herumgeritten, bis nur noch ihre zerfledderten Überreste zurückbleiben. Das gilt schon für die Beerdigung Junebugs, bei der alle Möglichkeiten ausgelassen werden, die eine Komödie für ein solches Szenario eben bietet. Noch schlimmer trifft es eine spätere Sequenz, in der unser Mannsbild von einem Helden eine Dame aus einer Bar abschleppt. Gedacht als Verballhornung der Liebeskünste von Roundtree, Brown & Co., eskaliert die Situation ziellos ins Blaue hinein, ohne am Ende überhaupt noch etwas mit dem Balzverhalten der Vorbilder zu tun zu haben. Dabei hätten die doch zweifelsohne eine Menge parodistisches Potenzial geboten…

Aufgrund des sehr skizzenhaften Aufbaus des Drehbuchs gibt es immerhin genug Möglichkeiten, weniger gelungene Abschnitte zu kaschieren, nach dem Motto: Neues Spiel, neues Glück. Dadurch entstehen zwar ein paar fremdkörperartige Augenblicke (Die Exorzisten-Nummer hätte dann doch besser in die Scary-Movie-Franchise gepasst), erfreulicherweise zündet aber auch mal die ein oder andere Idee oder verführt zumindest zum dezenten Schmunzeln. Ein babyfaciger Chris Rock absolviert als unverschämter Kunde beispielsweise einen ziemlich bescheuerten, aber nicht uncharmanten Cameo, der auch noch einmal klar macht, dass dies eigentlich das Werk einer Meute respektloser Stand-Up-Comedians sein soll. Zumal es ein gewisser Eddie Murphy war, der Wayans das Konzept der Blaxploitation-Parodie vorschlug – jener Eddie Murphy, der rund dreißig Jahre später mit der Biografie „Dolemite Is My Name“ wieder zu diesem Themenbereich zurückkehren würde. Letztlich sind das aber auch nur nur einzelne Tropfen auf den heißen Stein, solange sich der Main Plot durch überwiegend zahnlos geschriebene, holprig aufgebaute und suboptimal aufgelöste Gag-Abfolgen kämpfen muss.

Wenn „Ghettobusters“ seine Vorzüge hat, dann liegen sie wohl in der Vielfalt der verarbeiteten Einflüsse. Selbst hinter den müdesten Schenkel-Flachköppern des Films verbergen sich durchaus gezielte Bezüge sowohl auf einzelne Werke als auch auf das gesamtgesellschaftliche Abbild der parodierten Entstehungszeit. Durch Kostüme und Ausstattung entsteht eine farbenfrohe Ode an eine turbulente Zeit, die zum Drehzeitpunkt Ende der 80er gar nicht mal so lange her war. Ob nun die Black-Power-Bewegung als Initialzündung der Blaxploitation gewürdigt wird (mit einer endlich mal treffsicheren Anekdote über Rebellen und einen fehlgeschlagenen Protest gegen den Kapitalismus), ob die Blax- mit der Bruceploitation verknüpft wird oder der Pimp-Lifestyle Häme über sich ergehen lassen muss, die thematische Breite ist durchaus gegeben.

Hilfreich ist dabei selbstverständlich auch der schwergewichtige Cast. Abgesehen von den vielen Wayans-Geschwistern in unzähligen Nebenrollen (Damon Wayans als Geldeintreiber im lächerlichen Aufzug, Marlon und Shawn als Fußgänger, Kim Wayans als Tinnitus verursachende Nachtclubsängerin) findet man da allerlei Genre-Stars, Jim „Slaughter“ Brown zum Beispiel, Soulmeister Isaac Hayes oder Antonio „Huggy Bear“ Fargas, der zahlreiche der hier aufs Korn genommenen Filme mit seiner schrillen Erscheinung veredelt hat und diesmal ganz besonders herausgeputzt wird. Da der Film insbesondere beim Soundtrack (u.a. mit dem „Shaft“-Theme von Hayes) dazu neigt, auch mal die Vierte Wand zu durchbrechen und die Figuren mit den Grenzen des fiktionalen Sets zu konfrontieren, treten bei die oben genannten Darsteller in vielen Situationen vor noch vor ihre Alter Egos, so dass man den Groove trotz der vielen Blindgänger und Rohrkrepierer doch noch irgendwie zu spüren bekommt – zumal sich der Film in Sachen Action und Drive im letzten Drittel deutlich steigert.

Es ist eben schwierig mit der Wayans-Sippe. Wer sich schon ein wenig mit ihrem Humorverständnis vertraut gemacht hat, der wird nicht überrascht darüber sein, welches Saatgut bereits in diesem Frühwerk zu finden ist. Als Komödie ist „Ghettobusters“ noch etwas weniger offensiv als das, was in den 90er und 00er Jahren noch folgen würde, es werden aber die gleichen Merkmale geteilt und Grundsteine gelegt für spätere Arbeiten aus dem gleichen Dunstkreis, wie etwa „Hip Hop Hood“, der in fast identischer Manier das New Black Cinema von Regisseuren wie Spike Lee oder John Singleton zur Zielscheibe erklärte. Immerhin, wer Blaxploitation liebt, wird es hier in all seiner schillernden Vielfalt repräsentiert finden.

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