Gerüchte sind in der Medienwelt leider ein Übel, dass man nicht abschalten kann. Die Menschen sind gierig nach schmierigen Geschichten und die Medien heizen jedes noch so kleine Gerücht so an, dass der Betroffene sich kaum dagegen wären kann, nur damit die Zuschauer befriedigt werden. Das manche Gerüchte dabei sogar bis an die Grenzen gehen können, dürfte dabei niemanden überraschen. In der Nachwendezeit waren es dabei vor allem Stasi-Gerüchte, die der Prominenz aus dem Osten große Sorgen bereiteten, vor allem natürlich dann, wenn sie vollkommen aus der Luft gegriffen sind. Von so einer Geschichte erzählt der TV-Film "Die Nachrichten". Auf sensible, glaubwürdige und spannende Art und Weise!
Es geht um den Nachrichten-Sprecher Jan Landers, der es, 5 Jahre nach der Wende, geschafft hat, zu einem angesagten Nachrichtensprecher bei Deutschlands angesagtester Nachrichtensendung zu werden. Es könnte eigentlich alles nicht besser laufen, bis eine Reporterin des Spiegels erfährt, dass Landers für die Stasi gearbeitet haben soll. Sensationshungrig wie die Presse nun einmal ist, möchte sie den Skandal an die große Glocke hängen. Doch auch ein windiger Reporter eines Lokalnachrichtenblattes ist an der Sache dran und für den unschuldigen Landers beginnt ein unglaubliche Tour durch Lug, Trug und Mediensensation, die für einen Menschen kaum auszuhalten ist...
Das Drehbuch ist dabei eigentlich von Anfang bis Ende sehr gut geworden und hält sich auf einem hohen Niveau. Im Laufe des Films erfährt der Zuschauer auf eine sehr eindringliche Art und Weise was es heißt, wenn man sich gegen ein übles Gerücht zur Wehr setzen muss, so wie es hier Landers zu tun hat. Dabei bleibt die Story durch die Bank weg spannend, interessant und vor allem glaubwürdig. Es wird die Gier nach der Macht, die für viele Teile der Presse mit das Wichtigste ist, auf eine absolut nachvollziehbare Art und Weise vor Augen geführt, die den Zuschauer nur mit dem Kopf schütteln lässt. Ist denn das Leben eines Menschen gar nichts mehr wert, wenn man für die Zerstörung dieses Lebens nur ein bisschen Macht bekommt und vielleicht 3000 DM?
Aber auch die Zeichnung der Charaktere bleibt durch die Bank weg auf einem sehr glaubwürdigen Niveau und ihre Handlungen sind zu jedem Moment nachvollziehbar. Vor allem die Figur des Landers, der an dem Stasi-Gerücht langsam zu Grunde geht, ist bis ins letzte Detail glaubwürdig und so identifizierbar, dass man im inneren fast schon losheulen möchte, so schlimm ist das, was mit ihm hier eigentlich geschieht! Aber auch alle anderen Figuren sind ideal umgesetzt worden.
Schade nur, dass sich die ganze Handlung, trotz größter Glaubwürdigkeit und Interesse, immer wieder etwas zäh abspielt und dazu neigt sich in die Länge zu ziehen. Nicht selten hätte der Film etwas kompakter- und vielleicht mit einigen anderen Szenen bereichert werden dürfen.
Und auch das Ende wirkt ein wenig zu sehr auf Happy End getrimmt. Auch wenn man sich natürlich irgendwo darüber freut, dass hier alles noch ein glückliches Ende findet, so hätte ein Non-Happy-End vielleicht etwas glaubwürdiger gewirkt. Da der Streifen auf einem Roman basiert, kann ich zwar jetzt nicht genau sagen, ob man sich dabei an das Buch gehalten hat, doch ich bin mir sicher, dass ein bitteres Ende eher gepasst hätte. Aber nun gut!
Was die Darsteller angeht, wird glücklicherweise nur allerfeinste TV-Ware abgeliefert. Jan Josef Liefers verkörpert den Nachrichtensprecher Jan Landers mit einer der überzeugenden Glaubwürdigkeit, dass man ihn nur in jeder Szene zu seiner Leistung gratulieren möchte. Nach eher überflüssigeren Comedy-Parts wie in "666", hätte man ihm so eine Performance sicher nicht zugetraut. Dazu ein grandioser Henry Hübchen, ein ewig guter Herbert Feuerstein und Marie Gruber, die man seit "Go Trabi Go 2" eigentlich nicht mehr zu Gesicht bekommen hat, von ihren Auftritten in einigen TV-Krimi-Reihen mal abgesehen. Allesamt legen sie eine ordentliche Leistung ab, der man nur Positives abverlangen kann. Gut so!
Fazit: Packendes und höchst glaubwürdiges TV-Drama, über die Macht der Medien und die Gefahr von Gerüchten, gerade in der TV-Welt. Die Story ist zu jedem Zeitpunkt absolut glaubwürdig, spannend und interessant gestaltet und schafft es den Zuschauer, mit seinen wunderbaren Figuren, durchgehend emotional zu packen und mit der Hauptfigur mitzufühlen. Auch wenn der Filmablauf mitunter etwas zäh ist und auch das Ende dann leider etwas zu stark auf Happy End getrimmt wurde, ist "Die Nachrichten" mal wieder ein toller Beweis dafür, dass auch das deutsche Fernsehen durchaus mit guter Filmware aufwarten kann, die zudem mit wunderbaren Darstellern zu überzeugen weiß. Bitte mehr davon!
Wertung: 7,5/10 Punkte