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Als böse Antwort auf Hughes-Filme wie „The Breakfast Club“ wurde „Heathers“ gern als Teenfilm, der die Ära des Teenfilms beendete, gesehen.
Sie sind die Heathers – Heather Chandler (Kim Walker), Heather McNamara (Lisanne Falk) und Heather Duke (Shannon Doherty). Sie sind die Königinnen ihrer Schuler – die Jungs würden sie gern vernaschen, die Mädchen buckeln vor ihnen und die Außenseiter fürchten sie. Als vierte in den Bund ist trotz unterschiedlichen Vornamens Veronica (Winona Ryder) aufgenommen worden. Dass Veronica nicht ganz dazugehört, zeigt die Traumsequenz zu Beginn: Die Heathers spielen Croquet, ein finaler Schnitt zeigt das Ziel der geschlagenen Bälle – den Kopf der eingebuddelten Veronica. Veronica ist der eher geduldete Teil der Clique, das wird klargemacht, aber ihre Fähigkeiten im Schriftfälschen sind bei den gemeinen Streichen der Heathers gern genutzt.
Veronica ist zwar lieber eine Mitläuferin als ein Opfer, kommt aber trotzdem nicht klar mit ihrer Position Azubi-Heather. Doch dann trifft sie J.D. (Christian Slater), den Neuen an der Schule, den Bad Boy, der sich gegen Football-Bullies notfalls auch mit der Knarre in der Hand wehrt. Nicht nur vom Namen (J.D. steht für Jason Dean), sondern auch vom Auftreten her erinnert er an James Dean und Veronica erliegt ihm schnell. In ihm sieht sie jemand, mit dessen Hilfe sie die Heathers aufhalten kann, doch schon bald stellt der Film perfide in Frage, wer hier der tatsächliche Planer und wer der eigentliche Helfer ist.

J.D. und Veronica spielen Heather Chandler einen Streich, der für diese tödlich endet – auf J.D.s Anweisung hin fälscht Veronica eine Selbstmordnotiz. Doch J.D. hat einen Plan und dies soll nicht der einzige Todesfall bleiben…
„Heathers“ ist rabenschwarz und bitterböse, eine fiese Farce, welche den American Way of Life in ätzender Form angreift: Dumme Medienberichte und dumme Schüler verklären die vermeintlichen Selbstmorde zu Verzweiflungstaten und vorher Gehasste zu Märtyrern, das Kastensystem der US-Highschools wird als Brutstätte für Arroganz, Diskriminierung und psychische Gewalt dargestellt, wobei die Rebellion im Sinne J.D.s eine genauso schlimme Form der Antwort ist. Eltern sind desinteressiert und/oder schlechte Vorbilder, Autoritäts- und Erwachsenenfiguren kommen sonst kaum vor und sind durch mangelnde Effizienz gekennzeichnet. Selbst die Heldin ist oft eher Spielball des Geschehens, erst gegen Ende kann sie die Situation unter Kontrolle bekommen, der sie vorher ganz unheroisch ausgeliefert war.
Tatsächlich klingt die Prämisse fantastisch und „Heathers“ bietet viele großartige Szenen: Wenn J.D. den vermeintlichen Doppelselbstmord zweier Jocks inszeniert und ausgerechnet Mineralwasserkonsum die beiden als potentielle Homosexuelle brandmarkt, wenn eine Schülerin angeheizt durch den Medienhype Selbstmord begehen will und die entsprechenden Notiz auf die eigene Brust heftet oder Heather Chandlers bizarrer Tod mit einem Sturz in einen ebenso bizarren Couchtisch endet, dann weiß Michael Lehmanns Film zu begeistern. Das Script hat viel Wortwitz parat, steckt voller Verweise auf Teeniefilme und die Populärkultur insgesamt und macht sich auf bitterböse Weise daran allem und jedem den Stinkefinger zu zeigen, auch wenn er immerhin eine Art Happy End und eine Lösung für die Probleme parat hat.

Leider hat Daniel Waters’ Script dann nicht ganz die Stringenz, die dem Film gut täte, gegen Ende zerfasert der Plot und weiß auch nicht so recht, wie er J.D. positionieren soll: Mal scheint er zum Todfeind von Veronica geworden zu sein, mal will er sie wieder auf seine Seite ziehen – vielleicht soll dies innere Zerrissenheit bedeuten, der Film stellt diese allerdings in diesem Falle nicht so überzeugend da. Auch die Inszenierung ist gleichzeitig Stärke und Schwäche des Films. Zum einen wirkt der surreale Touch des Films, angefangen bei der bizarren Eröffnungssequenz über eigenwillige Kameraperspektiven bis hin zu einer schrägen Traumsequenz gegen Ende, einfallsreich wie hip, gleichzeitig verfremden diese Momente nicht nur, sie entfremden bzw. entfernen „Heathers“ auch von einer realistischen Darstellung des Highschoolmilieus, was der Satire dann schon wieder ein wenig die Schärfe nimmt. Sicher, nicht jeder groteske Gag wäre dann möglich gewesen, aber es hätte die Anklage von „Heathers“ noch bissiger gemacht.
Dafür hat man Christian Slater selten so gut wie hier gesehen, als Mephisto-Figur der hippen Teen-80er lässt er grandios die Sau raus, aber auch Winona Ryder spielt den Reifeprozess ihrer Figur, die von einer Blenderin zum nächsten geht, ehe sie eigenverantwortlich handelt, sehr überzeugend. Shannon Doherty übt für die Rolle als „Beverly Hills, 90210“-Zicke, Lisanne Falk gibt die Mitläufer-Heather mit dem überraschend zarten Innenleben, doch Kim Falk als kalte Oberbitch ist genial – schade, dass sie sich drehbuchbedingt so früh aus dem Film verabschiedet.

Alles in allem also eine herrlich abgedrehte und ziemlich gut gespielte Teeniesatire im und über das Genre des Highschoolfilms, aber in seiner surrealen Art dann leider nicht so satirisch scharf wie er sein könnte und gegen Ende erzählerisch etwas faserig. Gelungen, aber mit Luft nach oben.

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