In George A. Romeros („Day of the Dead“) nach dem vorläufigen Abschluss seiner bahnbrechenden Zombiereihe 1988 veröffentlichten Horrorthriller „Der Affe im Menschen“ treffen Mad-Scientist-Motive auf Tierhorror und Psychothrill. Das von Romero selbst verfasste Drehbuch basiert auf dem gleichnamigen, mir unbekannten Roman Michael Stewarts.
Der junge, sportliche, mitten im Leben stehende Allan (Jason Beghe, „Tödlicher Anruf“) erleidet unverschuldet einen schweren Unfall, als er beim Joggen von einem Lkw angefahren wird und ist fortan vom Hals abwärts gelähmt. Auf den Rollstuhl angewiesen, hadert er mit seinem Schicksal, zudem verlässt ihn auch noch seine Freundin Linda (Janine Turner, „Cliffhanger – Nur die Stärksten überleben“) und brennt ausgerechnet mit seinem Arzt (Stanley Tucci, „Die Akte“) durch. Seine Mutter (Joyce Van Patten, „Die Sopranos“) und eine bestellte Pflegerin betreuen ihn, schaffen es aber nicht, ihn aus seiner Verbitterung zu befreien. Sein Freund Geoffrey (John Pankow, „Tödliche Gedanken“) führt derweil Tierversuche an Kapuzineräffchen durch, einer Rasse, die auch speziell darauf trainiert wird, Behinderten im Alltag zu helfen. Er erklärt kurzerhand eines seiner Versuchstiere (Boo) seinem Arbeitgeber gegenüber für tot, schmuggelt es jedoch zu solch einer Tiertrainerin (Kate McNeil, „Geht’s hier nach Hollywood?“). Diese arbeitet mit dem Tier, mit dem sie und Geoffrey schließlich Allan überraschen. Sehr zum Leidwesen seiner Pflegerin freundet er sich schnell mit dem Ella getauften Äffchen an, das ihn im Alltag unterstützt. Seine Lebensfreude kehrt zurück, zudem verliebt er sich in Melanie, die Tiertrainerin. Doch was niemand außer Geoffrey weiß: Im Rahmen seiner Versuche verabreicht er Ella regelmäßig ein aus menschlichen Gehirnzellen bestehendes Serum, das Ella außerordentlich intelligent macht – so intelligent, dass Ella schließlich beginnt, Allan zu manipulieren und gar telepathische Fähigkeiten erlangt...
Manipulative, intelligente Affen gab es des Öfteren im Horrorgenre und insbesondere aufgrund seiner Zombiefilm-Großtaten lag die Messlatte für diesen Film Romeros verdammt hoch. Leider tut sich Romero unabhängig von der hohen Erwartungshaltung recht schwer mit der Umsetzung dieses interessanten Stoffs. Dramaturgisch holpert es hier und da, wie es bei Romero ja ganz gern mal der Fall ist, doch das ist halb so wild. Viel irritierender empfand ich das löchrig wirkende Drehbuch. Woran genau und zu welchem Zweck forschen Geoffrey bzw. der Konzern, für den er arbeitet, eigentlich? Diese Frage beantwortet man nicht, was verschmerzbar wäre, hätte man nicht Konflikte zwischen Geoffrey und seinem Vorgesetzten in die Handlung integriert. Die potentielle Wirkung dieser halbherzigen Auseinandersetzung mit dem Thema Tierversuche bzw. -schutz verpufft so recht schnell und geht unter. Und wenn man schon mit Mad-Scientist-Versatzstücken arbeitet, sollte man wenigstens den Versuch einer pseudowissenschaftlichen, dennoch möglichst glaubwürdig wirkenden Erklärung für den Zuschauer dahingehend unternehmen, was genau sich da abspielt, weshalb das Äffchen durch die Verabreichung eines Serums plötzlich derartige, bis ins Übernatürliche hineinreichende Fähigkeiten erlangt. All dies bleibt diese Verfilmung leider schuldig.
Die bereits angesprochene Erwartungshaltung indes wird zusätzlich angeheizt, wenn man im Vorspann zu lesen bekommt, dass niemand Geringerer als Tom Savini für die Spezialeffekte verantwortlich zeichnet. Blutige Effektarbeit muss man hier nämlich mit der Lupe suchen und man fragt sich unweigerlich, was Savini eigentlich überhaupt zu tun hatte. Dieser Umstand dürfte manch einen Zuschauer mit Romeros bzw. Savinis vorausgegangenen Arbeiten im Hinterkopf zumindest während der Erstsichtung doch arg verunsichern und es erschweren, sich auf die eigentliche Handlung zu fokussieren. Glücklicherweise handelt es sich jedoch um einen Film, in dem man ausufernde Gewaltorgien eigentlich kaum vermisst, denn die Geschichte ist vielmehr psychologischer Natur und setzt sich u.a. mit der geistigen Verfassung plötzlich an den Rollstuhl Gefesselter auseinander, deren Leben innerhalb kürzester Zeit komplett umgekrempelt wurde. Erscheint Allan zunächst noch eher klischeehaft als Sunnyboy gezeichnet, entwickelt sein Charakter nach dem Unfall eine gut ausgearbeitete Ambivalenz, mit der er nicht allein steht: Auch Allans Mutter, zu der er ein zwiespältiges Verhältnis pflegt, und selbst sein Freund Geoffrey bewegen sich außerhalb eines vereinfachenden Gut/Böse-Schemas. Die schauspielerischen Leistungen der Darsteller sind dabei stets mindestens solide, modische und sonstige kulturelle Geschmacklosigkeiten des Jahrzehnts halten sich in eng abgesteckten Grenzen.
Doch der eigentliche Star des Films ist Ella, das zunächst so niedliche, kleine Kapuzineräffchen, das bald mehrere Menschenleben auf dem Gewissen haben soll. Was in ihrem Falle an absolut perfekter Tierdressur geleistet wurde, ist unheimlich faszinierend und wertet den gesamten Film deutlich auf. Romero versteht es, sie stets ins rechte Licht zu rücken und geizt nicht mit Nah- und Detailaufnahmen, während der Zuschauer nie einen Zweifel an Ellas Intelligenz und Verschlagenheit hegt. Großartig! Jedoch wollten Romero respektive die Produktionsgesellschaft mit „Der Affe im Menschen“ zu starke Zugeständnisse an ein Massenpublikum machen, gestalteten den Film zu kalkuliert-kommerziell. Ein niedliches Äffchen statt blutrünstiger Zombies, keine expliziten Gewaltszenen und – und das ist die größte negative Überraschung – statt eines zynischen, sarkastischen oder wenigstens nachdenklich stimmenden Ausgangs ein „Happy End“, das die Kitschgrenze passiert, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt. Das wiegt umso schwerer, als man das nicht ganz so glückliche Ende der Literaturvorlage offensichtlich gar dafür umschrieb.
Unterm Strich bleibt ein in psychologischer Hinsicht interessanter, dramatischer Spielfilm, der unter der Fassade brodelnden Hass Benachteiligter thematisiert, die manipulative, destruktive Kraft menschlicher Liebesbeziehungen anhand eines sich unnatürlich verhaltenden Äffchens verdeutlicht und die gefährliche emotionale Wechselwirkung von Partnerschaften aufzeigt, die ein äußerlich kein Wässerchen trüben könnendes Geschöpf entlarvt – leider verborgen unter einer für Romero-Verhältnisse ungewohnt glatten Oberfläche und mit Schwächen in Logik und konsequenter Spannung sowie einer vermasselten Pointe. Doch genug nun, allein schon Ella ist Grund genug, sich diesen Film einmal anzusehen und gleichzeitig Garant dafür, dass man es keinesfalls bereuen wird.