Review

Solovorstellung für Dean Cain - "Lost" lebt ausschließlich von einem Charakter, gespielt von Cain: Jeremy Stanton. Dieser nette Bankier ist in einen Überfall auf seine eigene Bank verwickelt und der festen Überzeugung Polizei, Kollegen und Komplizen zusammen über's Ohr hauen zu können. Wenn das mal gut geht... zunächst sieht es auch ganz danach aus, doch "Lost" bedeutet "verloren", und das ist Mr. Stanton rettungslos: verloren in der Wüste Nevadas. Verirrt, ohne brauchbare Straßenkarte und ohne Ausweg.

Nur Judy, die nette Telefonstimme der Routenplaner-Gesellschaft, kann hier noch weiterhelfen - was sie auch sehr gerne tut. Aber ob das Mr. Stanton wirklich weiterhilft?

Wenig Budget, klasse Story, tolle Kameraeinstellungen, Fixierung ausschließlich auf den Hauptdarsteller, nachvollziehbare und realistische Situationen - "Lost" wirkt fast wie ein Experiment, allerdings wie ein gelungenes.

Spannung kommt von Beginn an auf und baut sich langsam auf, obgleich auf Action und klassische Roadmovie-Elemente bewußt verzichtet wird. Regisseur Darren Lemke gelang ein kleines und viel zu wenig beachtetes Kunstwerk über Familie, Versuchung, Amateure und Profis, Gier und Vernunft. Das alles auf kleinstem Raum, immer den Hauptdarsteller im Visier, allenfalls geringe Abwechslung durch Stimmen aus dem off. Zudem gelungene Einfälle wie die Persönlichkeitsentwicklungs-Kassette, die schlauen Straßenkarten-Sprüche und die Einblendungen von Jeremys Erinnerungen, eine saubere Charakterausarbeitung und ein passender und stilvoller Soundtrack, ja, "Lost" kann man getrost als Perle des gepflegten Kinos betrachten.

Dean Cain meistert hier wohl die größte Rolle seiner bisherigen Karriere und kann sich als Darsteller durchaus profilieren. Den braven Businessman, mit dem Irrglauben in einer ihm fremden Unterwelt mitmischen zu können, mimt er glaubwürdig und zu keiner Zeit überzogen - und so überzeugend, daß man von der ersten bis zur letzten Minute trotz fehlender "Schauspielerabwechslung" gefesselt bleibt.

Über kleinere Ungereimtheiten im Plot blickt man wohlwollend hinweg, "Lost" ist im gesamten betrachtet absolut empfehlenswert.

(8/10)

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