Im Zuge der globalen Klimaerwärmung schlägt das Wetter in letzter Zeit immer häufiger Kapriolen.
Vor kurzem wurde mein Modem von einem Blitz erschlagen, obwohl das Gewitter noch weiter weg schien und in diesem Jahr sah ich erstmals eine Windhose, die sich zum Glück verflüchtigte.
Doch (noch) haben wir hierzulande vergleichsweise weniger Probleme als in den USA, der Tropensturm Allison im Juni 2001 richtete allein in Houston einen Schaden von dreieinhalb Mrd. US-Dollar an.
Auf diesen Tatsachen beruhend, schildert „14 Hours“ die Evakuierung eines großen Krankenhauses.
„Inspired by actual events“ steht da zu Beginn geschrieben und man erwartet einen dramatischen TV-Film über das Ausmaß einer Naturkatastrophe.
Mit den ersten Aufnahmen, teilweise Archivmaterial, wird dem Zuschauer ein wenig von den schrecklichen Ausmaßen vermittelt: Straßen stehen unter Wasser, ganze Orte sind von der Außenwelt abgeschnitten, Einsatzkräfte, wo man nur hinschaut.
Doch dann folgt der Bruch und wir begeben uns ins „Memorial Hermann Hospital“, in dem Oberschwester Jeanette (JoBeth Williams) schnell zur Hauptfigur herausgefiltert wird: Überaus engagiert, stets lächelnd und dabei aufopferungsvoll und herzensgut, als wären die Auswirkungen des Tropensturms nur eine Lappalie.
Von einem Katastrophenszenario bleibt fortan wenig zu sehen, vielmehr haben wir hier eine ausgedehnte Folge wie „Emergency Room“ nur ohne Emergency.
Zwischendurch dringt zwar Wasser in das Krankenhaus ein und in einer Szene kommt auch kurz Hoffnung auf Spannung auf, als drei Krankenschwestern kniehoch im Wasser stehen, um Blutkonserven zu retten, doch das war´s auch schon.
Später fallen zwar der Strom und das Notstromaggregat aus, aber dennoch kommt bei keinem der Beteiligten auch nur ein Anflug von Panik auf.
Nach kurzem Hin und Her entscheidet man sich für eine Evakuierung der Patienten und diese läuft in den letzten 20 Minuten so richtig problemlos über die Bühne.
Im Gegenteil, aus dem Umkreis nahen willige Helfer heran, die pathetisch von streicherbetonter Musik in Szene gesetzt werden.
Kris Kristofferson, der bis dato nur in der Zentrale seines Katastrophenschutzes nutzlos herumgammelte, schickt noch ein paar Hubschrauber von der Nationalgarde und am Ende liegen sich alle in den Armen, hat ja alles super geklappt.
Von den tatsächlich 539 evakuierten Patienten wird ein junges Elternpaar hervorgehoben, das um ihr Neugeborenes bangt und eine Vierzehnjährige, die gemeinsam mit ihrer Mutter einen Unfall hatte. Die Mutter befindet sich in einem kritischen Zustand und muss operiert werden, zu diesem Zeitpunkt fällt der Strom aus.
Im Prinzip keine schlechte Idee, der Story ein paar Einzelschicksale mit auf den Weg zu geben, aber bitte nicht mit soviel Kitsch verbunden.
Während es der Vierzehnjährigen im Vergleich zu ihrer Mutter recht gut geht, kommt Oberschwester Jeanette vorbei, um sie zu trösten und ihr die Stirn zu streicheln.
Ist ja soweit auch lieb von ihr. Aber wenn die Evakuierung bereits im vollen Gange ist und Einsatzkräfte mit medizinischem Fachwissen gefordert sind, geschieht genau das noch drei bis vier Mal!
Sicher sollte man von einem TV-Film nicht allzu viel erwarten, aber auch auf diesem Niveau ließe sich Spannung und Dramatik erzeugen, wenn man es denn wollte.
Doch hier wird eine heile Welt vermittelt, bei der alle Beteiligten ausnahmslos zusammenhalten und wirklich ohne jegliche Probleme hervorragende Arbeit verrichten.
Ich mag nicht bestreiten, dass solche Katastrophen Zusammenhalt ermöglichen, aber Gezeigtes wird der wahren Katastrophe nicht gerecht und wirkt beschönigend, ohne die traurigen Seiten zu zeigen.
Denn wofür ist es gut, dass eine zu evakuierende Oma bis zuletzt im Gebäude bleibt, um dann als letzte Patientin von den Leuten außen laut gefeiert und umjubelt zu werden.
Sicher kommt mit den Szenen der Evakuierung etwas mehr Tempo ins Spiel, doch es fehlt an dramatischen Momenten, selbst die Rettungsaktion der Frühchen in den Inkubatoren verläuft ohne Zwischenfälle.
Nicht, dass ich es ihnen nicht wünschte, um Himmels Willen, aber realistisch erscheint das halt nicht.
So wirkt der Film am Ende wie eine Extended-Fassung einer Krankenhausserie mit etwas Wasser drumherum.
Er ist zwar nicht gänzlich langweilig, aber dem ernsten Hintergrund wird er nicht gerecht.
3,5 von 10 Punkten