Früher, als Kinder noch lesen konnten, war ROALD DAHL einer der größten Autoren für Heranwachsende. Seine Bücher waren schlau, oft bösartig und beinhalteten einen moralischen und trotzdem menschenfreundlichen Grundton, der auch den Erwachsenen so manche Klatsche hinter die Löffel verpasste.
Zu seinen bekanntesten Büchern zählt Charlie und die Schokoladenfabrik, der 1971 bereits als WILLY WONKA UND DIE SCHOLOLADENFABRIK verfilmt wurde und es dieses Jahr unter seinem Originaltitel in die Kinos schafft.
Der mysteriöse König der Süßigkeiten, Willy Wonka, verlässt nach vielen Jahren die Einsamkeit und verlost eine Handvoll Gutscheine für eine Fabrikbesichtigung unter den, hauptsächlich kleinen, Kunden seiner Produkte. Der arme Wäscherinnensohn Charlie gewinnt, gemeinsam mit anderen Kindern, die allesamt Blaupausen für menschliches Fehlverhalten zu sein scheinen, die Rundreise, sowie die Einsicht, dass es nicht immer hilft, ein Arschloch zu sein. Wonka, sein Vater (CHRISTOPHER LEE in einer Rolle, die im Musical von 1971 nicht vorhanden war) und die zwergwüchsigen Umppa Lummpas strafen kleine Sünden auf dem Fuß.
Da hat der gegenwärtige Remake-Wahn doch noch seine guten Seiten.
TIM BURTON bezeichnete das Buch bereits seit Jahren als sein Lieblingsverfilmungsprojekt. Neben – natürlich – CHRISTOPHER WALKEN war der hochnotpeinliche MARILYN MANSON bereits im Gespräch für die Hauptrolle, wurde aber von gesundem Menschenverstand, wenigstens Ansätzen geschmacklicher Sicherheit und JOHNNY DEPP ersetzt. Die Besetzung der Hauptfigur ist in Ordnung, wenn man CHARLIE UND DIE SCHOLOLADENFABRIK als Verfilmung des Romans und nicht Remake des 1971er Originalfilms betrachtet. Im Vergleich mit dem überirdischen GENE WILDER geht DEPP nämlich erwartungsgemäß unter. Nicht nur, weil sein WONKA den verschiedensten vorhergegangenen Rollen einfach zu stark ähnelt – DEPP plays DEPP könnte man sagen – sondern auch, weil sein Schokoladenkönig die Kinder von vornherein zu hassen scheint. WILDER war eher von der Bosheit der lieben Kleinen überrascht, was ihn natürlich noch sympathischer machte. Ansonsten TIM BURTON so weit die Sinne reichen. Über-über-über-stylische Bauten, völlig hysterische Musik von DANNY ELFMAN und die, bei aller Farbigkeit gewisse Art glattpolierter Düsternis, die sich in Hollywood nur dieser Regisseur erlauben kann. Bleibt zu hoffen, dass trotz allem Spaß die wunderschöne Originalverfilmung doch noch zu Ehren kommt.