Review

Charlie und die Schokoladenfabrik

Oder: Tim Burton meets Disney

Regisseur Tim Burton hat uns schon oft mit aussergewöhnlichen Filmen überrascht. Angefangen beim legendären Käfersaft (ich rede von Beetlejuice), dann die erste Batman-Verfilmung, anschliessend die erste Zusammenarbeit mit Starschauspieler Johnny Depp (Edward mit den Scherenhänden). Der in meinen Augen beste Film des talentierten Regisseurs war allerdings „Big Fish“, der von Fantasie und Ideenreichtum nur so triefte.
Nun wählte Burton erneut Depp’s Nummer – er soll dem Schokoladenfabrikbesitzer (verdammt langer Name) ein Gesicht geben. Ging der Clou auf? In meinen Augen nein.

Charlie ist ein kleiner Junge aus äusserst ärmlichen Verhältnissen. Sein grösster Wunsch ist es, ein einziges Mal die Schokoladenfabrik um die Ecke zu besuchen. Der introvertierte Besitzer Willy Wonka lässt sich allerdings niemals blicken und alle Bewohner des kleinen Dorfes stehen vor verschlossenen Türen.
Eines Tages lanciert Wonka einen Wettbewerb: In fünf Verpackungen der berühmten Wonka-Schokoladen befinden sich jeweils ein goldenes Ticket, dass einen Exklusivbesuch in der Fabrik verspricht. Weltweit geht jetzt die Jagd nach den begehrten Tickets los, gewisse Millionäre engagieren gar eine ganze Fabrik um die Tafeln öffnen zu lassen. Nach und nach finden die Tickets ihren Besitzer – und völlig zufällig kommt genau der gute Charlie auch an ein solches. Wer hätte das gedacht? (ich irgendwie schon)
Nun geht für fünf Kinder und ihre Eltern (oder Grosseltern) die Reise los, in die irrwitzigen Tiefen der berüchtigten Schokoladenfabrik. Willy Wonka begleitet die Truppe durch die fantastischen Produktionswelten um einen Sieger zu finden, dem ein grosser Preis winkt…

Nehmen wir mal die positiven Punkte zuerst unter die Lupe. Burton hat Fantasie. Er hat verdammt viel Fantasie! Die Welt um und in der Schokoladenfabrik ist extrem Bunt und originell in Szene gesetzt, den verrückten Einfällen sind keinerlei Grenzen gesetzt. Es ist wirklich erstaunlich zu sehen, was dem guten Burton so alles einfällt.

So, nun zum negativen. Jawohl, ihr lest richtig – das war es auch schon mit den guten Aspekten des Films, der Rest ist leider nur kalter Kaffee. Die Story ist extrem einfach gehalten und bietet zu keinem Zeitpunkt Überraschungen oder Wendungen. Man weiss eigentlich immer im Voraus was geschehen wird. Aufgrund dieser Voraussicht wird der Film auch schnell langweilig, zumal sich die Ereignisse eigentlich immer wiederholen; es entstehen vermeidbare Längen. Zudem bewegt sich die Intelligenz der Geschichte eher auf Vorschulstufe, es ist definitiv ein Kinderfilm.
Die Schauspieler agieren allesamt auf Mittelmass, Herr Depp eingeschlossen. Er hat es zu keinem Zeitpunkt geschafft mir die Figur „Willy Wonka“ überzeugend zu verkaufen, da bin ich mir von Depp deutlich besseres gewohnt.
Nervig waren in meinen Augen auch die ständigen Gesangseinlagen, die meiner Meinung nach weder angebracht noch amüsant rüberkamen.

Tim Burton kann deutlich mehr, dass hat er mir mit „Big Fish“ eindrücklich bewiesen.
So blieb leider nach Sicht des Streifens ein leicht getrübtes Gefühl, Geld aus dem Fenster geworfen zu haben. Klar, die Landschaften sind sehr nett anzusehen. Doch im heutigen Digitalzeitalter ist dies auch nicht mehr sonderlich schwer zu bewerkstelligen. Die – zugegebenen - hohen Erwartungen konnten bei weitem nicht erfüllt werden, ich bin ziemlich enttäuscht. Die zu langen zwei Stunden haben mir in keinster Weise Lust auf Schokolade gemacht, schade eigentlich.

Ich glaube, ich muss mir wieder mal einen guten Burton antun – wo ist meine „Big Fish“ DVD schon wieder?

4/10

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