Review

Gleich mehrere Prädikate könnte man bei der Besprechung von Tim Burtons „Charlie und die Schokoladenfabrik“ vergeben: zuckersüß, urkomisch, charmant, atemberaubend und dabei auch noch pädagogisch wertvoll. Von welchem Film kann man das schon alles in einem Atemzug behaupten?

Der kleine Charlie Bucket (Freddie Highmore) wächst unter ärmsten Umständen auf. Und doch ist er im Herzen reicher als viele andere, denn er hat eine Familie, die ihn liebt. Dieses Glück wird eines Tages dadurch angereichert, dass eine goldene Eintrittskarte für Willy Wonkas (Johnny Depp) Schokoladenfabrik findet, die ihm einen Tag in ebendieser Fabrik beschert. Es sollte die Eintrittskarte für einen Tag sein, den Charlie wohl so schnell nicht vergessen wird.

Wie schaffen die beiden das nur? Das Duo Infernale des abgedrehten Kinos – Tim Burton und Johnny Depp – beweist mit „Charlie und die Schokoladenfabrik“ erneut, dass eine Zusammenarbeit zwischen den beiden einfach nicht schief gehen kann. Was mit „Edward mit den Scherenhänden“ begonnen wurde, wurde hier schon fast auf die Spitze getrieben. Tim Burton beweist, dass er der Meister optischer Zuckerguss-Leckereien ist, die jedem Filmfreund das Wasser im Munde zerlaufen lassen und Johnny Depp bringt auf ein Neues auf einen Punkt, was alle Welt eigentlich schon längst weiß (oder wissen müsste); er schreit es mit seiner Performance förmlich stumm heraus: „Ich bin ein Weltklasse-Schauspieler!!!“

Ja, der aufmerksame Leser wird schon gemerkt haben: Hier war jemand sehr begeistert von „Charlie und die Schokoladenfabrik“. Märchenhaft schildert Burton anhand dieser schon fast steinalten Kindergeschichte von Roald Dahl das Geschehen rund um den kleinen Charlie und den unnahbar erscheinenden Willy Wonka, sodass sowohl die kleinen als auch die großen Zuschauer recht schnell in den Bann dieser Geschichte gezogen werden. Die Kulissen sind einfach so überragend aufgebaut, dass sich jeder Zuschauer schnell in der Welt der Schokolade verliert. Selbst wenn man gerade keine Schokolade zum Greifen nahe hat, spürt man mit jeder Minute, die der Film andauert, den Geschmack von Schokolade im Mund. Und so verwundert es dann auch nicht, dass das Lächeln auf dem Gesicht es Zuschauers von Sekunde zu Sekunde breiter wird. Visualisierte Schokolade; Schokolade, die durch den Bildschirm greifbar wird – eine Vision, die Willy Wonka in seiner Schokoladenfabrik verfolgte und die Tim Burton hier wie durch Zauberei in die Realität geholt hat.

Als Assistent in dieser Zaubershow fungiert ein überragender Johnny Depp, den ich zwar schon zuvor verehrte, nun jedoch vollends als einen meiner Lieblingsschauspieler in mein Herz geschlossen habe. Es ist lange her, dass ich beim Ansehen eines Filmes so herzlich lachen musste, wie in den Szenen, in denen Johnny Depp seine trockenen und dennoch herzerfrischenden Sprüche und Lebensweisheiten an den Mann/an das Kind bringt. Beide Daumen hoch für die perfekteste Besetzung des Chocolatiers Willy Wonka, die überhaupt gefunden werden konnte. Nun ja. Bei dieser Leistung verliert man gerne mal die anderen Schauspieler aus dem Auge. Das soll die Leistung von Akteuren wie Freddie Highmore (Charlie), David Kelly (Opa Joe) oder Christopher Lee (als Willy Wonkas Vater) keineswegs schmälern. Sie alle haben jedoch nahezu keine Chance, gegen die allgegenwärtige Leinwandpräsenz des Herren Depp anzukämpfen. Allenfalls Deep Roy (als – Gott und Tim Burton mögen wissen wie viele – Oompa Loompas) fällt da noch durch den regelmäßigen Auftritt als musikalische(r) Moralapostel auf. Diese musikalischen „Moral von der Geschicht“-Einspieler sind auch wirklich der einzige Wermutstropfen, den ich bei der Sichtung von „Charlie und die Schokoladenfabrik“ entdecken konnte. Zeitweise wirken dieser Episoden einfach zu peinlich, zu – ja ich weiß auch nicht – zu aufdringlich, knallig, poppig. Jedenfalls waren die Musical-Einlagen Momente, in denen sich mein breites Lächeln allmählich zurückentwickelte. Letzten Endes ist aber selbst so etwas zu verzeihen; denn was zählt, ist: nach den 100 Minuten in der Schokoladenfabrik war ich glücklich! Glücklich darüber, dass alle das bekommen haben, was sie verdient haben und vor allen Dingen glücklich darüber, einen wundervollen Film gesehen zu haben. Und wie oft kann man das nach einem Film von sich behaupten?

Die Endorphine, die „Charlie und die Schokoladenfabrik“ freisetzt, vermögen vermutlich zehn Tafeln Schokolade nicht freizusetzen. Daher mein Rat an alle da draußen: lasst die Finger vorerst weg von der Alpenmilchschokolade und seht euch Tim Burtons Geniestreich an! Macht mindestens genauso glücklich und allerhöchstens halb so dick (wenn man dabei auch die Finger von der Chips-Tüte lässt). Hier vergebe ich liebend gerne 9,5 von 10 Oompa Loompas!

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