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"Nen schräger Typ sind sie."

Der Junge Charlie Buckett (Freddie Highmore) und seine Familie leben in ärmlichen Verhältnissen eigentlich glücklich und zufrieden ihr bescheidenes Leben. Charlie schwärmt für die Schokolade von Willy Wonka (Johnny Depp), dessen Fabrik sich in der Nähe befindet. Einmal im Jahr zu seinem Geburtstag schenken seine Eltern ihm eine Tafel.
Willy Wonka hat sich nach Spionagevorfällen in seiner Schokoladenfabrik gänzlich von der Öffentlichkeit zurückgezogen. Für längere Zeit war die Fabrik geschlossen. Doch seit geraumer Zeit produziert das Werk wieder. Niemand betritt und verlässt allerdings das Gelände und viele Fragen sich, was in dem Werk vor sich geht.
Eines Tages verkündet Willy Wonka, dass er fünf Kindern den Zutritt zu seiner Firma gewähren wird. Um diese zu ermitteln, versteckt er goldene Eintrittskarten in seinen Tafeln und verschickt diese weltweit. Da Charlie's Geburtstag näher rückt, hofft auch er eine der fünf Karten zu finden. Auch wenn es statistisch unmöglich erscheint.

"Charlie und die Schokoladenfabrik" basiert auf dem gleichnamigen Kinderbuch, das hierzulande eher unbekannt ist. Weniger unbekannt ist Regisseur Tim Burton ("Sleepy Hollow", "Edward mit den Scherenhänden"), dessen Filme stets einen sperrigen, geradezu exzentrischen, Stil haben, was gleichzeitig seine Handschrift ist. Somit ist "Charlie und die Schokoladenfabrik" ein für Burton typisches sattbuntes und warmherziges Märchen, das hin und wieder die Grenze des Erträglichen überschreitet.

Die märchenhafte Parabel um Habgier, Optimismus und Anstand schreitet erzählerisch flott voran. Zielstrebig bewegt sie sich auf, für ein erwachsenes Publikum offensichtliches, Ende zu, persifliert bis dahin ordentlich Charakterzüge und hängt sich an die Klischees von Nationalitäten. Blaublütige Engländer sowie TV- und spielsüchtige Amerikaner finden sich hier ebenso wie fresssüchtige Deutsche. In dessen Mitte steht die Hauptfigur Charlie, selbstverständlich durch und durch anständig und süß, sowie ein überaus eigenartiger Willy Wonka.

Burton mutet dem Publikum so einiges zu, was im Kontext zur realen Welt steht. Schokoladenwasserfälle, essbares Gras, Kaugummi mit Geschmacksrichtungen von dem Mittagstisch, Aufzüge jenseits der Schwerkraft und physische Auswirkungen auf Menschen, die eher einem Comic entspringen.
Aus einem Comic könnten auch die Gnome entspringen, die für musikalische Theatralik sorgen. Während die erste Vorführung noch zum schmunzeln animiert, sind folgende nur noch albern und peinlich. Abseits dessen funktioniert der hin und wieder eingestreute, geradezu skurrile, Witz aber gut.

"Charlie und die Schokoladenfabrik" gibt sich absolut fantastisch und geradezu künstlerisch bei der Optik. Es dominieren grelle Farben die ein gewollt künstliches Bild erzeugen. Nur selten bestimmen Schwarz- und Grautöne das Bild. Die digital erschaffenen Gebäude und Kulissen sind detail- und einfallsreich.

Die Kinderdarsteller, allen voran Freddie Highmore ("Wenn Träume fliegen lernen"), geben sich spielfreudig, stehen aber alle im Schatten eines phänomenalen Johnny Depp ("Fluch der Karibik"- Reihe, "Alice im Wunderland"). Tritt er auf, nimmt er die ganze Leinwand für sich ein. Dies verschiebt beinahe den Fokus von der eigentlichen Hauptfigur zu ihm.
In Nebenrollen finden sich Helena Bonham Carter ("Fight Club") sowie Christopher Lee ("Der Herr der Ringe"-Reihe) mit einer guten Performance.

"Charlie und die Schokoladenfabrik" ist ein erzählerisches Leichtgewicht mit skurrilen Figuren, einer märchenhaften Aufmachung und kunterbunten Bildern. Eine Spannungskurve ist kaum spürbar und so manch alberne, musikalische Präsentation unnötig. Abseits dessen ist der Film aber wunderbar ideenreich und unglaublich charmant. Vor allem durch einen beeindruckenden Johnny Depp. Knappe ...

8 / 10

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