Rob Cohen dreht stets Popcornfilme, die meist wenig Grips haben, doch dafür Spaß machen – was man von seinen neuesten Werk „Stealth“ leider nicht sagen kann.
Ben Gannon (Josh Lucas), Kara Wade (Jessica Biel) und Henry Purcell (Jamie Foxx) sind die Fliegerelite der Navy, dafür ausgebildet als Formation die gefährlichsten Einsätze zu fliegen. Eines Tages ruft ihr Chef sie zu sich und erklärt ihnen, dass sie einen vierten Wingman bekommen – eine computergesteuerten Flieger. Damit wäre die Exposition blitzschnell abgehandelt, wir erfahren noch, dass Henry in jedem Hafen mäßig Mädels aufreißt, weil es ihm gefällt, Kara hingegen enthaltsam lebt, weil sie den richtigen noch nicht getroffen und Ben in jedem Hafen massig Mädels aufreißt, aber nur weil er in Kara verliebt ist und das darf bei der Navy nicht sein.
Die persönlichen Aspekte werden an den Rand gestellt, weiter geht’s mit dem Jet mit Eigenleben. Bei einem ersten Einsatz trifft ein Blitz das Cockpit, woraufhin sich das Denken der Maschine ändert und sie beim Einsatz ausrastet. Jetzt können nur die Piloten ihn stoppen…
Was das Script angeht, ist „Stealth“ eine echte Katastrophe und lässt die „xXx“-Drehbücher komplex wirken. Der fiese Vorgesetzte ist ein wandelndes Klischee, fast jede andere Figur ist auch nur aus Stereotypen zusammengebastelt und bei der Logik hapert es selbst für Actionverhältnisse sehr. Über physikalische Unglaubwürdigkeiten sieht man als Genrefan gerne hinweg, aber ein Computer, der nach einem Blitzschlag nicht nur denken, sondern auch Gefühle entwickelt (*autsch*) und später von Querdenker Marke HAL zum netten Nummer 5 Verschnitt mutiert (*arrghh*) ist echt zuviel. Solche Klöpse gibt es zuhauf: Ein ganzes nordkoreanischer Außenposten ballert mit zig Waffen auf Kara, trifft kein einziges Mal und sie nietet mit einer ungezielten Salve auf eine Riesenentfernung noch Feinde um – daneben sind „Phantom Kommando“ und „xXx“ Ausbünde an Realismus.
Das wäre ja alles weniger schlimm, wenn „Stealth“ wenigstens spannend wäre, doch auch das ist er nicht. Gerade für eine Laufzeit von rund 115 Minuten hat er viel zu wenig zu bieten und statt für einen richtigen Plot zu sorgen, pendelt das Drehbuch zwischen verschiedenen Handlungssträngen: Mal geht es mehr um den Jet, mal mehr um den fiesen Vorgesetzten, dann wieder um das Schicksal der abgestürzten Kara. Neben dem faserigen Drehbuch verärgert dann auch mal der Mangel an Plottwists, denn „Stealth“ bietet nur eine überraschende Wende und die ist noch nicht mal gut. *SPOILER* Henry kommt beim dem Versuch den Flieger zu stoppen zu Tode – dabei hatte man gedacht das Klischee, dass der Schwarze immer zuerst stirbt, wäre seit Jahren passe. *SPOILER ENDE*
Ein geringes Ärgernis ist die dreiste Soundtrackwerbung: Anstatt die Stücke einfach einzuspielen, wird die Mucke noch innerhalb der Geschichte verortet. EDI, das Computerkampfflugzeug, lädt die Songs aus dem Internet runter und spielt sie beim Fliegen nach Belieben ab (*aua*). Immerhin ist es gute Musik, zum Großteil von Incubus, aber auch Gavin Rossdales charismatische Stimme ertönt mal.
Doch das Hauptaugenmerk bei diesen Film liegt ja auf der Action und die hat bei Cohen ja meistens überzeugt, da Filme wie „The Fast and the Furious“ und „xXx“ schicke, handgemachte Stunts auffahren konnten. Die paar Old School Explosionen (am Anfang und am Ende) sind auch wirklich atemberaubend spektakulär, so eine gute Pyrotechnik hat der Rest vom Film gar nicht verdient. Die Fliegerszenen hingegen kommen komplett aus dem Rechenknecht und das raubt schon mal gewaltig Schauwerte, da CGI-Action nie so wirklich spektakulär aussieht. Da mag die Kamera noch so wirbeln, Dynamik oder Thrill bieten die wenigsten Luftkämpfe hier, zumal einige der PC-Animation mäßig sind.
Darstellerisch ist es mit „Stealth“ auch nicht weit her, dabei hat man mit Jamie Foxx einen erstklassigen Mimen am Start. Der bekommt jedoch kaum was zu tun und ist in seiner klischeehaften Rolle total unterfordert. Josh Lucas hingegen grinst stets mit dem gleichen Gesichtsausdruck, als wäre seine Fresse aus Plastik gegossen. Jessica Biel ist etwas besser, soll aber vor allem gut aussehen (sogar an eine nutzlose, vordergründige Bikiniszene hat der Drehbuchautor gedacht). Sam Shepard als Fiesling ist ebenfalls ohne großen Elan dabei, die Nebendarsteller OK, aber kaum der Rede wert.
Die wenigen handgemachten Actionszenen in „Stealth“ sind wirklich atemberaubend, der Rest ist Mainstream-Schrott aus dem CGI-Kindergarten. Leider noch nicht mal spannend, dazu noch hanebüchen und klischeehaft, da winkt man selbst als Actionfan ab.