„Red Eye“ nennt sich das neueste Werk von „Scream“-Vater Wes Craven, das sich entgegen der ansonsten so bekannten Affinität des Regisseurs zum Horror-Genre eher im Thriller-Bereich einordnen lässt, und das 5 Jahre nach seinem letzten Film („Scream 3“) seine Rückkehr auf die Leinwand darstellt.
Lisa (Rachel McAdams) muss nach der Beerdigung ihrer Großmutter wieder zurück nach Miami. Trotz ihrer Flugangst entscheidet sie sich für den Luftweg. Aufgrund eines Unwetters wird der Flug verschoben und so lernt sie am Flughafen den charmanten Jackson Rippner (Cillian Murphy) kennen. Wie der Zufall es will, sitzen die beiden während des Flugs auch noch nebeneinander… Doch kurz nach dem Take-Off zeigt sich das wahre Gesicht Rippners und er offenbart seinen teuflischen Plan: Lisa soll ihm bei einem Attentat auf einen hochrangigen Politiker helfen. Tut sie es nicht, wird ihr Vater ermordet…
Wes Craven bedient sich hier einiger altbekannter Ängste, die sicherlich viele Zuschauer sehr gut kennen. Da wäre zum einen die Flugangst, die gewissermaßen den Einstieg in die Gefühlswelt Lisas darstellt, zum anderen aber vor allen Dingen die Angst vor dem eigenen Tod und dem Tod von geliebten Menschen. Eine gute Grundlage also, um einen Thriller auf die Leinwand zu bringen, der den Zuschauer von Beginn an mitfühlen und mitfiebern lässt…
Der Film lässt sich ganz gut in zwei Hälften gliedern: eine erste, in der der Zuschauer auf einer psychischen Ebene am Spannungsaufbau partizipiert und sich somit mit der Hauptdarstellerin – einer „klassischen“ Heldin – identifiziert. Und dann wäre die zweite, die den in Hälfte eins geschickt gesponnenen Spannungsbogen rasant und actionreich bis auf den Höhepunkt leitet.
„Red Eye“ baut in der ersten Hälfte des Films eine bedrohliche Atmosphäre auf, die schon relativ schnell durch Turbulenzen einsetzt und nach der Offenbarung von Rippners Plan und der hierdurch resultierenden Bedrohung Lisas dadurch verstärkt wird, dass der Handlungsraum innerhalb des Flugzeuges nur sehr beschränkt ist. Somit ist auch ein Fluchtversuch vor dem „Bösewicht“ nur schwer möglich. Schnell fragt sich der Zuschauer, wie sich Lisa überhaupt aus dieser ausweglos erscheinenden Situation befreien will. Denn immer wieder gelingt es Rippner, die Hilferufe, die Lisa mal mehr, mal weniger geschickt anbringt, abzufangen. Doch tatsächlich: es gelingt ihr (Überraschung, Überraschung)!
Und damit finden wir uns auch schon in der zweiten Hälfte von „Red Eye“ wieder, die im Gegensatz zu ersten – eher auf Psycho-Thriller-Ebene agierenden – Hälfte bedeutend action-lastiger ist. So beginnt, nachdem sich Lisa aus der Aufsicht Rippners befreien konnte, eine wilde Verfolgungsjagd durch das Flughafengebäude, die durch wilde Kamerafahrten, hektische Schnitte und dramatische, musikalische Unterstützung das recht gelungene Finale des Films einläutet.
Rachel McAdams und vor allen Dingen Cillian Murphy (herrlich apathischer Blick) zeigen in Wes Cravens „Red Eye“ hervorragende schauspielerische Leistungen, die den Gesamteindruck des Films positiv prägen.
Craven nutzt nach seiner langen Leinwand-Abstinenz keine wirklich innovativen Ideen, beweist aber einmal mehr, dass er es sehr gut versteht, Spannung aufzubauen wie sonst kein anderer. Positiv anzumerken ist in jedem Fall, dass der Regisseur hier nicht versuchen wollte, „auf Teufel komm raus“ einen Überlängen-Film zu produzieren, sondern in Kauf nahm, einen kurzen, aber dadurch auch kurzweiligen Film zu präsentieren. In den knapp 90 Minuten entstehen keinerlei Längen, was diesen Thriller zu guter Unterhaltung für den ein oder anderen verregneten Herbst-Abend macht. Unterm Strich nettes Popcorn-Kino und es bleibt die Frage: "Weshalb heisst dieser Film 'Red Eye'?", 7/10 Punkte.