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Angetreten war man ja zum Duell der Flugzeugthriller als „Red Eye“ und „Flight Plan“ gleichzeitig ihre Trailer in die Kinos entsandten, nach Ansicht beider kann man das Gewese jedoch gar nicht mehr nachvollziehen.

Während Schwendtkes „Flight Plan“ die Voraussetzungen dieser Gattung voll und ganz erfüllt hat, entpuppt sich „Red Eye“ mehr als standardisierter „In-der-Gewalt-von“- Suspenser, der zu einem gewissen, aber nicht mal überwiegendem Teil in einem Flugzeug spielt.
Was Grusel-Altmeister Wes Craven da vermutlich mit kleinem Budget und wenig Zeit zusammengebastelt hat, genügt nun nicht höchsten Ansprüchen, ist aber ein handwerklich ansehnlicher kleiner Thriller, dem einzig und allein die Originalität der Handlung fehlt und deswegen von seinen Charakteren zehrt.

Rachel McAdams gibt hier eine Hotelfachfrau der verbindlichen, immer bereiten Art, sich selbst zurücknehmend, auf einem Nachtflug heimwärts aus Gründen eines Trauerfalls. Der Streß ist groß und der nette Mann am Flughafen entpuppt sich dann auch noch als handfester Psychopath, der droht, mittels eines Dritten ihren Vater umzubringen, falls sie es nicht so regelt, dass ein wichtiger Gast in ihrem Hotel Gegenstand eines Anschlags werden kann.

Trotz dieser zeitlich prekären Plotstränge sind die eingehenden 15 Minuten vor dem Flug fast noch die besten des ganzen Films, auch wenn da nur wenig passiert, denn in bester Tradition baut Craven hier erstmal seine Charaktere auf. Der dämonische Flug, in dessen Verlauf sich ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Täter und Opfer entspinnt, ist fast schon konventionell zu nennen, überzeugt aber dadurch, dass Protagonistin Lisa nie die hollywoodesken Heulkrämpfe verfällt oder durch übertriebene Zielstrebigkeit zu überzeugen sucht. Lisa reagiert statt zu agieren und das wirkt realistisch und sympathisch, auch wenn die Begleitumstände der Erpressung ziemlich an den Haaren herbeigezogen wirken und einiges unwahrscheinlich wirkt.

Einmal aus der Hand ihres Peinigers, entspinnt sich dann im letzten Drittel eine spannende, wenn auch nicht überspektakuläre Verfolgungsjagd samt Showdown im Haus des Vaters, samt und sonders allen Unterhaltungsansprüchen gerecht werdend.

Craven arbeitet hier rasant und schnell, fließender Schnitte, große Schwenks, Tempo ist angesagt. Die Biederkeit der Geschichte (sie hätte auch als TV-Format gute Chancen gehabt) wird so übertüncht, Rätselraten und Pulsfrequenz sind die antreibenden Elemente.
Während McAdams dabei eine gute Leistung zeigt, beweist Cilian Murphy, der schon den letzten „Batman“ veredelte, dass hinter sanften Gesichter die schlimmsten Menschen verborgen sein können. Der nette junge Mann verwandelt sich in etwas Eiskaltes, dass man nicht anders als mit dem Tod bestrafen kann.

Auf einen Nenner gebracht gibt es also nichts zu meckern, außer dass man das alles schon mal irgendwo gesehen hat, weswegen man dabei auch bequem essen, trinken oder Schach spielen kann, wenn man sich denn gern zwischendurch auch mal ablenken lässt.
Und bei all der Kürze des Films gibt’s auch keine roten Augen hinterher – Cravens Karriere hält diese Fingerübung mit Sicherheit weiter am Laufen, was nach „Cursed“ aber auch nötig war. (6/10)

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