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Jack Nicholson spielt einen ehemaligen Sportler, der seine Familie verlassen hat, nachdem er im betrunkenen Zustand den Tod von einem seiner Söhne verursachte und nun als Obdachloser auf der Straße lebt. Dort schlägt er sich mit Gelegenheitsjobs durch, trinkt immer noch und versucht zusammen mit einer ehemaligen Musikerin, gespielt von Meryl Streep, jeden Tag ein Dach über dem Kopf zu finden.

"Wolfsmilch" ist insofern ein interessanter Film, dass hier mit Jack Nicholson der wohl beste noch aktive Darsteller mit Meryl Streep auf die beste Darstellerin seit 1970 trifft. Filme mit Jack Nicholson haben im Allgemeinen das Problem, dass er mit seiner hohen Leinwandpräsenz alle Nebendarsteller zu Randerscheinungen abwertet, aber mit Meryl Streep hat er endlich eine Darstellerin an seiner Seite, die definitiv mithalten kann und beide schauspielerischen Leistungen, die vollkommen zu Recht für den Oscar nominiert wurden, sind definitiv über jeden Zweifel erhaben und können unmöglich echter und authentischer sein. Nicholson darf nach "Einer flog über das Kuckucksnest" und "Shining" mal wieder einen psychisch angekratzten Charakter spielen und löst es wie immer hervorragend und ist diesmal so emotional und teilweise sympathisch, dass man als Zuschauer wirklich Mitleid mit ihm bekommt. Meryl Streep wirkt mit ihrem leicht kränklichen Äußerem ebenfalls überaus mitleidserregend, spielt ihre tragische Rolle perfekt und zeigt nach "Kramer gegen Kramer", "Sophies Entscheidung" und "Manhattan" erneut, dass sie zu den besten Darstellerinnen der Welt gehört. Andererseits wäre es vielleicht eine ganz gute Idee gewesen, unbekannte Darsteller für die Rollen zu nehmen, auch wenn diese wahrscheinlich nicht ganz so gut gespielt hätten, aber die beiden altbekannten Hollywood-Stars, die man auch aus Rollen mit Anzug und Krawatte kennt sind einfach nicht so authentisch in der Rolle der Obdachlosen, wie es unbekannte Darsteller gewesen wären.

Die Story ist solide. Die Charakterkonstruktion ist sicherlich gut gelungen und das Leben der Obdachlosen ist realistisch und ohne Schnörkel dargestellt. Der Realismus ist dabei sehr wichtig und wird nicht durch ein naives Happy End oder Ähnliches verpfuscht und allein deshalb ist das Drama eigentlich schon empfehlenswert. Das Problem liegt er darin, dass sich bei der Schilderung des alltäglichen Lebens der Obdachlosen so nach und nach eine gewisse Monotonie einschleicht, die immer mehr zu stören beginnt, bis der Film zwischendurch endgültig im Leerlauf steht, bevor dann das überraschende und dramatische Finale einsetzt. Die Wendungen sind nicht vorhersehbar, es gibt aber dummerweise nicht allzu viele und so wird die Monotonie noch ätzender, auch wenn das ganze damit noch realistischer sein mag. Den Mut zum Realismus in allen Ehren, aber alles in allem ist Kino dann doch Massenunterhaltung und dem wird dieser Film definitiv nicht gerecht, auch wenn er nur stellenweise langweilt. Wer sich wirklich für die Materie interessiert und einen harten Blick in das Leben eines Obdachlosen werfen will, ist wohl dennoch ganz gut mit diesem Werk beraten.

Zur Inszenierung von Regisseur Hector Babennco gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, da sie kaum spärlicher sein könnte. Er setzt kaum auf Ton-Effekte, baut keine Action-Szenen ein, kreiert kaum Atmosphäre und setzt ausschließlich auf unauffällige, meist melancholische Musik und lässt den beiden brillianten Hauptdarstellern so natürlich sehr viel Spielraum. Die Kulisse der Gosse setzt er hart und realistisch in Szene und steigert die Dramatik und die scheinbar endlose Melancholie zum Ende hin immer weiter, aber auch er verfällt bei seiner Inszenierung der Monotonie und ist so ebenfalls für den niedrigen Unterhaltungswert verantwortlich.

Fazit:
Mit einer spärlichen Inszenierung und einer langatmigen Handlung mit einem hohen Maß an Monotonie wird den beiden brillierenden Hauptdarstellern viel Freiraum gelassen, den sie mit hervorragenden, jedem Zweifel erhabenen Darstellungen füllen.

61%

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